Achilles' Ferse Laufen statt Rauchen

Lieber qualmende Socken als qualmende Glimmstängel: Ausdauersport kann helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Im Achilles-Interview erklärt der Lungenarzt Christian Grah, wie Laufen auf den Körper wirkt und die Sucht nach einer Kippe senken kann.

Raucher: Suchtdruck durch Laufen abarbeiten
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Raucher: Suchtdruck durch Laufen abarbeiten


Frage: Herr Grah, kann man sich durch Laufen das Rauchen abgewöhnen?

Grah: Ja, das ist sogar eine gute Methode, weil man sich einen anderen Lebensinhalt gibt, der auch Erfolg und ein gutes Gefühl wie beim Rauchen nach sich zieht. Denn eine Zigarette verschafft auch erstmal Entspannung und ein gutes Gefühl.

Frage: Aber dieses gute Gefühl hält nicht an.

Grah: Genau. Das ist bei jeder Droge so: Sie erzeugt einen positiven Effekt - aber eben nur kurzfristig, auf Kosten einer langfristigen Schädigung. Um dieser Spirale zu entkommen, hilft es, wenn man sich Alternativen schafft, wie das Laufen.

Frage: Ist Laufen dann eine Art Ersatzdroge?

Grah: Nein, genau das ist es nicht. Nach dem Laufen empfinden sie ein Wohlbefinden. Sie fühlen sich körperlich und psychisch besser und haben etwas geleistet. Aber im Unterschied zum Rauchen schädigen sie ihren Körper nicht. Im Gegenteil: Sie stabilisieren Ihre Gesundheit. Laufen ist langfristig gesundend. Es sei denn, sie machen groben Unfug und übertreiben es.

Frage: Kann Laufen die negativen Effekte des Rauchens vollständig kompensieren?

Grah: Nein, das kann es definitiv nicht, weil es unterschiedliche Prozesse sind. Das Laufen kann der Schädigung durch das Rauchen zwar etwas entgegensetzen, es aber nicht vollständig kompensieren.

Frage: Starke Raucher haben meist das Problem, dass ihnen schon beim Treppensteigen die Puste wegbleibt. Können die gleich losjoggen?

Grah: Generell kann man sagen: Egal, auf welchem Leistungsstand man ist, sollte die Anstrengung nur langsam gesteigert werden. Man muss sich als Anfänger sozusagen ans Laufen heranschleichen. Die Knochen, Muskeln, Sehnen und Gelenke wurden lange zu wenig belastet und müssen sich erst an die neuen Umstände gewöhnen.

Frage: Und wie oft sollte man trainieren?

Grah: Wir wissen, dass Bewegung dann die Gesundheit stärkt, wenn man sich zwei Mal pro Woche mehr als 30 Minuten anstrengt. Egal auf welchem Niveau und mit welcher Geschwindigkeit. Hauptsache man hält die halbe Stunde durch.

Frage: Sinkt mit gesteigertem Training auch die Lust auf eine Zigarette?

Grah: Nein, nicht unbedingt. Das hängt mehr von der jeweiligen Lebenssituation zusammen. Direkt nach dem Training haben sie vielleicht keine Lust zu rauchen, aber zwei Stunden später in der Kneipe sieht es schon wieder anders aus. Es gibt aber viele Raucher, die durch das Laufen diesen Suchtdruck nicht mehr verspüren, weil sie ihn anders abarbeiten können.

Das Interview führte Frank Joung



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
j0nnl 30.09.2011
1. .:.
Der Herr Doktor kann sicher faktenbasierte Studien vorweisen für seine Behauptungen? Ich halte das was er sagt ehrlich gesagt für größtenteils ziemliches Geschwafel. Wenn er damit Erfolg hat und zwar auf Dauer, bitte, dann werd ich mich belehren lassen. Ich sehe das jedoch als sehr unwahrscheinlich an. Jemand, der mit dem Rauchen aufhört und mit dem Laufen anfängt, der nutzt das Laufen natürlich als Ersatz. Es ist völlig irrelevant, ob es nun als Droge wirkt oder schädlich ist. Das Problem dabei ist ein anderes: Der Ex-Raucher hat in seinem Hirn eine direkte Verbindung geschlossen zwischen Rauchen und Laufen. Sobald der Ex-Raucher diesen Ersatz für das Rauchen nicht mehr hat, und das kann sehr schnell passieren, weil sich der Effekt des Laufens abnutzt abnutzt oder er die Lust verliert am Laufen, oder nicht ewig die Disziplin zum Sport aufrecht erhalten kann, fällt er wieder in ein Loch. Und was macht er dann? Richtig, rauchen. Ich würde dem Doktor mal die Lektüre des Buches "Endlich Nichtraucher" empfehlen. Es ist sicher kein Allheilmittel, und ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es stehen einige sehr einleuchtende Dinge drin. Zum Beispiel, dass das Rauchen nicht ersetzt werden kann und auch gar nicht soll. Und dass man das Rauchen nicht mit Disziplin erfolgreich aufhören kann. Da würde ich persönlich dem Buch ein wenig widersprechen bzw. es ergänzen: Disziplin ist gerade in der Anfangszeit sehr nötig, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Aber das Buch beschreibt richtig: Disziplin kann nicht auf Dauer in jedem Moment aufrecht erhalten werden. Ein schlechter Tag, es regnet, man ist im Stress, hat keine Zeit eine halbe Stunde zu laufen und auch gar keine Lust- und die Zigarette ist ganz schnell wieder an. Man muss einen Lerneffekt haben, der im Unbewussten liegt, der über "Ich darf nicht" und "Ich muss" hinaus geht. Gerade diese beiden Sätze wird man aber oft und auf Dauer zu sich sagen müssen, wenn man Laufen als singuläres "Heilmittel" wählt. Und das wird meiner Meinung nach in den meisten Fällen scheitern.
Centurio X 30.09.2011
2. Am Anfang steht der Wille....
Zitat von sysopLieber qualmende Socken*als qualmende Glimmstängel: Ausdauersport kann helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Im Achilles-Interview erklärt der Lungenarzt Christian Grah, wie Laufen auf den Körper wirkt und die Sucht nach einer Kippe senken kann. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,789206,00.html
[QUOTE=sysop;8828762]Lieber qualmende Socken*als qualmende Glimmstängel: Ausdauersport kann helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Im Achilles-Interview erklärt der Lungenarzt Christian Grah, wie Laufen auf den Körper wirkt und die Sucht nach einer Kippe senken kann. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,789206,00.html[/QUOTE ...sich von dem Suchtkäfig des Rauchens, in dem sich der Raucher selbst eingeschlossen hat, zu befreien. Und dafür ist der Laufsport sehr hilfreich; denn schon nach etwa einer halben Stunde Training stellen sich Zufriedenheits- bzw. Glücksgefühle ein, die im Gegensatz zum Nikotinschub beim Rauchen, gesund und nachhaltig sind. Natürlich muß der Wille aktiviert werden, sich die Laufschuhe zu schnüren, da der "innere Schweinehund" sehr phantasiebegabt mit jeweiligen Ausreden ist. Es ist der gleiche Schlechthund, der immer wieder das Anzünden der Zigarette bewirkt. Hat sich der Wille gegenüber diesem nicht laufen wollendem Schweinehund durchgesetzt, der Laufnovize also die ersten wunderbaren und glücklichmachenden Auswirkungen seines Sports spürt, wird sein mittlerweile gestählter Wille auch wesentlich mehr Macht über den Rauch-Suchthund haben. http://www.sesterheim-gmbh.de/flyer.htm
chlorid 30.09.2011
3. Probieren geht über meckern
Zitat von j0nnlDer Herr Doktor kann sicher faktenbasierte Studien vorweisen für seine Behauptungen? Ich halte das was er sagt ehrlich gesagt für größtenteils ziemliches Geschwafel. Wenn er damit Erfolg hat und zwar auf Dauer, bitte, dann werd ich mich belehren lassen. Ich sehe das jedoch als sehr unwahrscheinlich an. Jemand, der mit dem Rauchen aufhört und mit dem Laufen anfängt, der nutzt das Laufen natürlich als Ersatz. Es ist völlig irrelevant, ob es nun als Droge wirkt oder schädlich ist. Das Problem dabei ist ein anderes: Der Ex-Raucher hat in seinem Hirn eine direkte Verbindung geschlossen zwischen Rauchen und Laufen. Sobald der Ex-Raucher diesen Ersatz für das Rauchen nicht mehr hat, und das kann sehr schnell passieren, weil sich der Effekt des Laufens abnutzt abnutzt oder er die Lust verliert am Laufen, oder nicht ewig die Disziplin zum Sport aufrecht erhalten kann, fällt er wieder in ein Loch. Und was macht er dann? Richtig, rauchen. Ich würde dem Doktor mal die Lektüre des Buches "Endlich Nichtraucher" empfehlen. Es ist sicher kein Allheilmittel, und ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es stehen einige sehr einleuchtende Dinge drin. Zum Beispiel, dass das Rauchen nicht ersetzt werden kann und auch gar nicht soll. Und dass man das Rauchen nicht mit Disziplin erfolgreich aufhören kann. Da würde ich persönlich dem Buch ein wenig widersprechen bzw. es ergänzen: Disziplin ist gerade in der Anfangszeit sehr nötig, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Aber das Buch beschreibt richtig: Disziplin kann nicht auf Dauer in jedem Moment aufrecht erhalten werden. Ein schlechter Tag, es regnet, man ist im Stress, hat keine Zeit eine halbe Stunde zu laufen und auch gar keine Lust- und die Zigarette ist ganz schnell wieder an. Man muss einen Lerneffekt haben, der im Unbewussten liegt, der über "Ich darf nicht" und "Ich muss" hinaus geht. Gerade diese beiden Sätze wird man aber oft und auf Dauer zu sich sagen müssen, wenn man Laufen als singuläres "Heilmittel" wählt. Und das wird meiner Meinung nach in den meisten Fällen scheitern.
Na, Sie sind aber ein Wissensheld. Andere immer schön in die Pfanne hauen, gell? Die eigene Meinung ist halt immer wahrer als die der anderen. Ob die sich mit der Materie seit Jahren und per Ausbildung professionell beschäftigen, ist zweitrangig. Was man sich selber in zwei Minuten ausgedacht hat ist natürlich richtiger. Oh Mann... Ich habe selber aufgehört mit dem Rauchen vor inzwischen mehr als vier Jahren. Habe dann sofort angefangen, Sport zu treiben. Laufen, wandern, Fahrrad fahren, schwimmen. Das hat mir definitiv sehr geholfen damals. Wenn ich Sport getrieben habe, war die Lust aufs Rauchen weg. Ich habe dann zwischenzeitlich den Sport vernachlässigt und monatelang gar nix gemacht. Das Rauchen habe ich trotzdem nicht wieder angefangen. In meinem Freundeskreis haben das einige so gemacht. Ich kann aus meiner eigenen kleinen Erfahrung also den Artikel bestätigen. Ob das immer so sein muss, würde ich mich allerdings nicht trauen zu sagen. Jeder Mensch ist anders. Aber einen Versuch ist es definitiv wert.
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