Achilles' Ferse Mit der Fruchtschubse durchs Unterholz

Müssen Läuferinnen mit ihrem Sport aufhören, wenn sie schwanger sind? Wie viele Pausen sind während eines längeren Törns sinvoll? Achim Achilles und seine Mitstreiter wissen auch auf diese speziellen Fragen eine Antwort. Keep on running!


Hallo Achim,

nachdem ich Deine Artikel regelmäßig verfolge, habe ich Anfang des vorigen Jahres beschlossen, mich ebenfalls dem Laufen zu widmen. Aus anfangs vier Kilometern sind nun zwanzig geworden - trotz Übergewichts habe ich keine konditionellen Probleme. Allerdings plagen mich seit zwei Wochen Schmerzen im linken Schienbein. Diese verlaufen vom oberen Ansatz am Knie, entlang der rechten Seite des linken Schienbeins bis hin zum Knöchel. Vor zehn Jahren hatte ich am linken Knöchel einen Bänderriss. Kann sich hier vielleicht ein Stellungsfehler eingeschlichen haben? Was tun, um bald möglichst weiter laufen zu können?
Dank, Andreas

Läufer mit Konkurrent: Keine Kurzatmigkeit
AP

Läufer mit Konkurrent: Keine Kurzatmigkeit

Lieber Andreas,
zuerst gratuliere ich zu dem gewaltigen Fortschritt: Von über vier bis auf zwanzig Kilometer am Stück - das ist großartig! Aber diesen Erfolg haben Sie sich mit einer Überbelastung erkauft. Die Anpassung von Herzen und Kreislauf verläuft viel schneller als die von Muskeln und Gelenken. Deswegen können Sie nach wenigen Wochen die Belastung deutlich erhöhen, ohne kurzatmig zu werden. Aber zu diesem Zeitpunkt sind die Sehnen und Bänder noch nicht so weit. Um Überbelastungen zu vermeiden, darf man das Trainingspensum um maximal 10 bis 15 Prozent pro Woche erhöhen. Jede dritte bis vierte Woche trainiert man nur halb so viel wie sonst, um die Wiederherstellung zu ermöglichen. Übergewicht und die schlechten Bedingungen im Winter mit hartem, zugefrorenem und teilweise rutschigem Boden tragen auch zu Überbelastungen bei. Versuchen Sie es zuerst mit einer Trainingsreduktion und wenden Sie das PECH-Prinzip an (Pause, Eis, Compression, Hochlagern). Wenn Ihr Arzt einverstanden ist, können Sie auch eine entzündungshemmende Salbe verwenden. Wenn diese Maßnahmen nach wenigen Tagen keine Linderung bringen, ist eine Vorstellung beim Orthopäden angesagt.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Hallo Achim,
meine Frau ist im zweiten Monat schwanger. An sich ja eine super Sache, aber wie sieht es jetzt für sie mit dem Laufen aus? Bisher hatte sie einen Trainingsumfang von 40 bis 50 Kilometern pro Woche, ein langer (rund 20 Kilometer) und zwei kurze Läufe (circa zehn). Momentan hat sie keinerlei Beschwerden, aber man soll ja während der Schwangerschaft etwas vorsichtiger sein. Sollte sie ihren Trainingsplan umstellen und keine Läufe über 60 Minuten mehr machen? Ein kompetenter Rat wäre hilfreich.
In froher Erwartung, Stephan

Lieber Stephan,
Laufen während der Schwangerschaft hat nachweislich sehr viele positive Effekte. Aus diesem Grund empfehlen die Fachgesellschaften Frauen, die vor der Schwangerschaft regelmäßig Sport getrieben haben, ihn fortzusetzen, solange sie keine Beschwerden haben. Während der Schwangerschaft ist jedoch von intensiven Belastungen wie sehr langen Läufen, Training an warmen Tagen oder Wettkämpfen abzuraten. Ihre Frau wird die kommenden Monate ohnehin keine langen Läufe über eine Stunde benötigen, denn sie wird mit Gewissheit kein Rennen bestreiten, sondern will einfach nur fit bleiben und sich wohl fühlen. Bei einem Trainingsprogramm von dreimal pro Woche acht bis zwölf Kilometern wird sie alle Vorteile des Trainings erleben, ohne übermäßige Risiken einzugehen. Wichtig ist jedoch, vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft, dass sie nicht allein trainiert. Sie muss auch darauf achten, dass bei Beschwerden, Wehen oder Blutungen, das Training sofort abgebrochen wird. Und im Winter bei Rutschgefahr soll sie schön warm zu Hause bleiben und sich von Ihnen verwöhnen lassen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Stephan, altes Vatertier,
meine Mona ist im achten Monat und hat ihre Laufversuche im Winter weitgehend eingestellt. Zum Glück. Sonst hätte ich mit dem Schwesternhäubchen nebenher wackeln können und hätte mir bei vier Stundenkilometern den Tod geholt. Schon schlimm genug, dass ich den Sommer über mit der Fruchtschubse, so heißt in der Berlin der Jogging-Kinderwagen, durchs Unterholz keule. Neulich habe ich einen Typen mit Kinderwagen gesehen, der bekam Applaus von kurz geschorenen Kampf-Lesben. Immerhin: Man wird schneller.
Achim rät: schön mitpressen.


Lieber Achim,
seit mehr als einem Jahr bin ich mittlerweile begeisterter Läufer durch München, vornehmlich entlang der Isar. Bei meiner dreigeteilten Route lege ich zwei kurze Stopps ein, jeweils nach einem Drittel. Diese dienen hauptsächlich der Pulsmessung, weniger der Erholung - lediglich mal durchatmen und ein paar Lockerungsübungen. Meine Frage: Ist es ratsam, die Route mit kleinen Pausen zu versehen oder besser, alles in allem abzukürzen, dafür aber nonstop durchzulaufen?
Grüße, Markus

Lieber Markus,
behalte alles so bei. Das ist prächtig. Du hast Lust, Du ziehst durch, Du machst Dein Ding. Alles bestens. Lieber längere Runden mit kurzen Pausen, als kürzer und durchlaufen ist mein Tipp!
Hau rein, Jens Karraß

Lieber Markus,
ich glaube, Du hast einen neuen Sport erfunden, der alle Chancen hat, dem Walking Konkurrenz zu machen: drei Minuten Laufen, 15 Minuten Puls messen und das dreimal, macht eine Stunde Heavy Moving. Und die Industrie kann eine ganz neue Produktlinie verkaufen, mit Pulsmessern, die nicht wasserdicht sein müssen, weil ja kein Schweiß entsteht, aber dafür im Tausendstelbereich messen, und schönen warmen Klamotten, weil man sich ja auch leicht erkältet bei so harter Betätigung. Muss nur noch ein toller Name her. Wie wäre es mit Hardcore-Pulsing oder Heartwork?
Du bist schon ein zäher Bursche! Bussibussi, Achim

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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