Achilles' Ferse Mit stolzgeschwellter Brust

Immer diese Fitness, genauer: die fehlende. Was tun? Laufen wie ein Irrer? Oder dürfen es auch längere Ausfahrten mit dem Rad sein? Achim Achilles und seine Mitstreiter raten vor allem zu einem: Ruhe bewahren, selbst wenn die Sportunterbekleidung an gewissen Stellen zwickt.


Passende Bekleidung: Modisch und sportlich zugleich
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Passende Bekleidung: Modisch und sportlich zugleich

Lieber Achilles,

mein Heinz-Rüdiger, der steht auf meine schöne, volle Brust. Trotz des nahen 40. Geburtstags liegt noch nicht alle Pracht auf dem Gürtel. Und sportlich bin ich auch, bisher auf dem Rennrad. Dann kam die Idee, ich könnte mal was anderes probieren. Also rein ins Fachgeschäft, mit dem besten Mann aller Zeiten, auf dass er mir hilft die richtigen Schuhe, Hosen und all den anderen Kram auszusuchen. Natürlich alles gut und teuer. So weit gleichen sich Mann und Frau. Doch dazu brauche ich einen laufsporttauglichen BH, der alles zusammenhält. Meine beiden Berater versagten. Schließlich erstand ich ein betonstarkes Modell zum Preis von einem Paar Maßschuhen. Eindeutig ein Fehlkauf: Schon die Kombination Polar-Sensorgurt und BH, zusammengehalten von zweierlei Spannsystemen, führte zu Beklemmungen und ernsten Atembeschwerden. Ein schüchternes Hüpfen bewirkt ein Verrutschen des Sensorgurts. Trotzdem laufe ich los. Leider hüpft meine Brust vor mir her. Die Einschnürung wird immer unangenehmer. Der Blick auf die Pulsuhr ist sinnlos, weil mir alles vor den Augen verschwimmt. Letztlich muss ich stehen bleiben, um weiter atmen zu können. Vielleicht hat Achilles ja Freundinnen, denen ähnliches widerfährt.
Lieben Gruß, Gabriele

Liebe Gabriele,
ich kenne das Problem, auch wenn ich nicht viel laufe. Mein Tipp: Wechsele den Sportklamottenladen, denn der nette Verkäufer hat keine Ahnung. Es gibt nämlich schicke Oberteile mit Schlaufen für Pulsmesser. Ich habe mit dem "Odlo Bra Top" gute Erfahrungen gemacht, denn der hautfreundliche und atmungsaktive Stoff erlaubt jede erdenkliche Ausdehnung und der Pulsgurt passt auch noch drunter ohne dich zu erwürgen. Modisch ist das Teilchen auch noch - also alles gut, selbst für Heinz-Rüdiger.
Besten Gruß, Mona Achilles


Lieber Achim,
ich will Marathon laufen. Da ich das Gewicht eines Kastens Mineralwasser zuviel mit mir herumtrage und trotz einem Jahr Training keine Besserung erreichen konnte, habe ich verschiedene Diäten versucht. Inzwischen bin ich bei den Weightwatchers gelandet. Aber ich werde mich hüten, jemals zu einem Treffen mit öffentlichem Wiegen zu gehen. Jetzt meine Frage: Sind solche Diäten mit dem Training zu verbinden oder kann es bei der Ernährung zu Defiziten kommen?
Grüße, Stefan

Lieber Stefan,
ich kann dir nur von den Erfolgen meiner Klienten in Berlin berichten: Einige nahmen während der Marathonvorbereitung 20 Kilogramm ab. Aber Vorsicht: Ich höre schon die Klagen der Ernährungsberater. Es ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Deshalb Folgendes ohne Gewähr und auf eigene Gefahr: Alle meine Läufer haben nur durch Tempo abgenommen. Die sind gerannt, gerannt und noch mal gerannt. Das Herz muss okay sein und orthopädisch auch alles in Ordnung. Aber die Wahrheit ist nun mal Kalorienverbrennen. Und das geht nur mit harter körperlicher Arbeit. Weightwatchers kannst du durch Marathonvorbereitung ersetzen. Eine kohlenhydratarme Diät hilft auch, nur beachte, dass du am Tag vor deinem langen Dauerlauf davon weggehst und extra viele Kohlenhydrate aufnimmst. Wenn du mehr wissen möchtest, schicke uns eine Mail.
Gruß, Jens Karraß


Lieber Herr Achilles,
ich bin sehr fit, treibe Sport seit der Jugend und laufe dreimal in der Woche 10 bis 15 Kilometer. Als längerfristiges Ziel habe ich vor, an einem Marathon teilzunehmen. Die langen Läufe über zwei Stunden finde ich jedoch sehr langweilig. Wenn ich länger als zwei Stunden am Stück laufe, bekomme ich Muskelbeschwerden, die ein paar Tage anhalten. Kann ich nicht die langen Läufe durch eine Radtour über mehrere Stunden ersetzen?
Viele Grüße, Toni

Lieber Toni,
Training ist immer spezifisch. Wenn Sie viel Klavier spielen, werden sie deswegen nicht besser singen. Der Marathon ist ein langer Lauf bei mittlerem, regelmäßigem Tempo auf einer flachen, harten Oberfläche. Dies ist grundsätzlich das, was man im Training üben muss. Ein sinnvolles Marathontraining beinhaltet auch kürzere Strecken, teilweise bei höheren Geschwindigkeiten oder auf profiliertem Terrain. Diese Abwechselung bringt längerfristig durchaus bessere Trainingseffekte. Schließlich üben Klaviervirtuosen auch nicht immer dasselbe einzige Stück. Ganz andere Trainingsformen wie Radfahren, Schwimmen, Inline-Skating aber bringen für den Marathonlauf rein gar nichts, der Aufbau anderer Muskelgruppen in den Beinen kann sogar hinderlich sein, zum Beispiel durch ein daraus resultierendes erhöhtes Körpergewicht. Man sollte andere Sportarten zur Abwechselung oder Regeneration benutzen, aber nur, solange das spezifische Marathontraining nicht vernachlässigt wird.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo



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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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