Achilles' Ferse Nicht denken, einfach nur rennen!

Es ist ein Graus, aber wohl nicht zu ändern, wenn es Erfolge beim Laufen geben soll: das frühe Aufstehen. Unser Achilles-Team kennt Tricks für morgendliche Einheiten. Zudem verraten Achim und Co, was man tun muss, um auch über längere Distanzen bestehen zu können.


Hallo Achim,

ich laufe circa fünfmal die Woche 30 Minuten, zwischen 16 und 18 Uhr. Ich hatte gehofft, dass ich mich durch das Lauftraining zum begeisterten Frühaufsteher entwickeln könnte. Das klappt aber nicht. Kann man den Trainings-Rhythmus irgendwie anpassen, um das zu erreichen?
Grüße, Lutz

Eifriger Läufer: Einsatz im Nebel
DPA

Eifriger Läufer: Einsatz im Nebel

Lieber Lutz,
einfach aufstehen! Nicht nachdenken! Wecker auf halb sechs stellen und los! Nach einer Woche brauchst Du den Wecker nicht mehr. Deine innere Uhr wird Dich zum begeisterten Frühlauf schicken. Vor allem auch deshalb, weil Du abends zwangsläufig etwas früher ins Bett gehen wirst.
Tschüß, Jens Karraß

Lutze, altes Walkweib,
jetzt mal ehrlich: "begeisterter Frühaufsteher" - gibt es so was? Kennst Du jemanden? Ich nicht. Bestenfalls Menschen, bei denen es offenbar nicht ganz so weh tut. Es gibt keine guten Gründe dafür, sich morgens aus den Federn zu quälen, außer dreien oder vieren. Du wirst stolz auf Dich sein. Deine Kollegen werden Dir Deine Frische und Deinen rosigen Teint neiden. Du wirst schneller und dünner. Und Du wirst sehr einsam werden, weil Du auf jeder Party um 22 Uhr einpennst.
An der Kaffeemaschine, Achim


Lieber Achim,
nachdem ich zwei Jahre kontinuierlich gelaufen bin (zweimal pro Woche, fünf bis acht Kilometer) und dabei vom Sportplatz über Asphalt bis hin zu Waldwegen mit kräftigen Steigungen alle Untergründe getestet habe, laufe ich nun, nach einer zweimonatigen Pause, wieder langsam auf dem Sportplatz. Mein Problem: Nach drei Runden bekomme ich unterhalb des Knies einen starken Druckschmerz, der mich zum Aufhören zwingt. Gehe ich normal weiter, ist der Schmerz sofort wieder weg. Woran kann das liegen? Sollte ich neue Laufschuhe ausprobieren?
Irritiert, Alexander

Lieber Alexander,
möglicherweise haben Sie viel zu plötzlich mit dem Training wieder angefangen. Nach einer Pause von zwei Monaten dürfen Sie auf keinen Fall mit demselben Pensum einsteigen, mit dem sie aufgehört haben. Dies führt immer zu einer Überbelastung und damit zu Beschwerden. Und wenn Sie mit "Sportplatz" eine Kunststoffbahn meinen, addieren sich die Gründe für eine Verletzung: Das Laufen in Runden bewirkt eine einseitige Belastung, dazu kommt die härtere Fläche im Winter. Die Laufschuhe können auch ein Faktor sein: nach 1000 Kilometern ist die Dämpfung der Laufschuhe um mehr als 40 Prozent reduziert.
Grüße, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
ich habe Anfang vergangenen Jahres meine Lauflust wieder entdeckt, im März einen Halbmarathon in 2:00 Stunden und im Juni meinen ersten Marathon in 4:30 Stunden absolviert. Ich bin ein junger Mann von 24 Jahren und trainiere in Eigenregie. Nun zu meiner Frage: Ist es für einen Hobbysportler wie mich prinzipiell möglich, einen Ironman anzugehen? Wie viel Zeit muss ich einplanen und ist es überhaupt möglich, ohne die Anleitung eines Fachmannes ein sinnvolles Trainingsprogramm für einen komplexen Wettkampf zusammen zu stellen?
Danke, Martin

Hallo Martin,
wenn Du diesen Traum hast, dann lebe ihn! Sinn macht es wirklich erst, wenn Du nahe an 3:30 oder sogar 3:00 Stunden beim Marathon gekommen bist. Wenn Du dieses Niveau hast, wirst Du auch das Schwimmen über 3,6 Kilometer erlernen können. Und die schier endlosen 180 Radkilometer werden dann von Dir auch in einer Zeit geschafft, die den Ironman-Fahrplan nicht total durcheinander bringen. Trainingszeit pro Woche von täglich anderthalb bis fünf Stunden musst Du einplanen. Alleine ein ausgiebiges Radtraining würde sicherlich mindestens fünf Stunden in Anspruch nehmen. Natürlich macht man das nicht ständig, aber daran siehst Du schon, dass es wichtig ist, sich bei einem Fachmann Rat zu holen.
Aber fang' an, Jens Karraß

Lieber Martin,
solltest Du derzeit noch ohne Familie und ähnlicher Verpflichtungen sein, dann leg jetzt los. Aber stell Dich auf mindestens drei Jahre Training ein, bis Du die Ironman-Distanzen drauf hast. Vor allem das Radfahren will gelernt sein: 180 Kilometer entsprechen einer kleineren Tour-Etappe, ohne Windschatten allerdings. Ein Blick in die Ergebnislisten zeigt Dir, dass manche Teilnehmer 15 Stunden unterwegs sind. Das bedeutet umgerechnet: 90 Minuten Schwimmen, 8 Stunden Rad, 5:30 Stunden für den Marathon. Das sind durchaus bequeme Zeiten. Es gibt allerdings Menschen, denen diese gemütliche Tour zu blöd ist. Probier doch bald mal eine Mitteldistanz, also die halbe Strecke, das tut für den Anfang weh genug.
Über Krampf zum Spiel, Achim


Hallo Achim,
ich bin gerade mittelschwer erkältet. Nun die Frage: Kann ich zu meinem sonntäglichen Zehn-Kilometer-Lauftreff gehen? Peter "Commander" Greif rät ja zum Laufen, weil die Erhitzung im Körper angeblich die Bakterien abtötet. Kann ich mir aber nicht vorstellen. Ich hab eher Angst vor Herzkranzgefäß-Erkrankungen oder ähnlichem. Was tun?
Dein Frank aus Leipzig

Lieber Frank,
es gibt mehrere Gründe, warum Laufen bei einer Erkältung keinen Sinn macht. Erstens tötet die Erhitzung keine Bakterien oder Viren. Zweitens sind die Leistungsfähigkeit und die Anpassung an die Belastung während dieser Zeit herabgesetzt, denn der Körper ist mit der Bekämpfung des Infektes beschäftigt. Der dritte Punkt ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung durch die Viren, welche die Erkältung verursachen. Die Angst vor diesem Problem wird von unseriösen Doktoren ausgenutzt, um nach einer Erkältung Labortests zu verordnen. Eine Herzmuskelentzündung ist eine seltene Komplikation im Rahmen eines Infektes, körperliche Belastungen während einer Herzmuskelentzündung können jedoch extrem schwere gesundheitliche Folgen haben. Aus diesem Grund ist bei Fieber oder einer richtigen Grippe eine Trainingspause unabdingbar.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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