Achilles' Ferse Pasta alla Pulsuhr

Man kann sich das Leben als Läufer sehr schwer machen. Dazu bedarf es nur etwas Hightech und Ernährungsgefasel. Echte Athleten lieben die wahren Herausforderungen. Wo man diese findet, verraten Achim Achilles und dessen Mitstreiter.


Lieber Achim,

ich verfolge Deine Bemühungen mit größtem Interesse, weil es mir so ähnlich geht. Alle um mich herum werden schneller und erzählen sich Wunder was für Geschichten von ihren Heldentaten, und ich fühle mich immer wie eine Wurst. Sag mal ehrlich: Was hat bei Dir bislang am besten geholfen, um schneller zu werden?
Solidarischen Gruß, Erik

Romantischer Lauf: Fit für den Marathon
AP

Romantischer Lauf: Fit für den Marathon

Lieber Erik,
mein größter Fehler war es, diese ganzen Lauflernbücher zu kaufen und vor allem sie zu lesen. Dieser ganze Ernährungs-, Fettverbrennungs- und Pulsschnickschnack ist nach meiner Erfahrung sehr überflüssig und lenkt vom eigentlich Wichtigen ab: dem Laufen. Wer schneller werden will, erreicht dies nicht mit Tabellen, sondern mit konzentriertem Laufen. Klemmbrett-Karraß hat noch nie nach irgendwelchen Pulsen gefragt oder Nudelteller verordnet, geschweige denn Schachtelhalm-Essenz. So weit ich diesen Sport kapiert habe, ist es am effektivsten, sich in Bereiche zu bewegen, die man als nicht unbedingt angenehm empfindet, oder andersherum: Wer stundenlang läuft und quatscht, der wird nicht schneller. Diese Grundsatzentscheidung sollte jeder für sich selbst treffen: Wer entspannt laufen will, um sich zu bewegen und draußen zu sein und zu plaudern, der wird etwas ausdauernder, aber nicht viel schneller. Wer dagegen deutlich besser werden will, der muss auch systematisch arbeiten. Hat irgendjemand andere Erfahrungen gemacht? Dann her mit dem Trainingsplan.
Gruß, Achim

Hallo liebes Beraterteam,
nach jahrelanger Untätigkeit hinsichtlich sportlicher Aktivitäten habe ich mich vor fünf Monaten aufgerafft und das Nordic Walken begonnen. Zwischenzeitlich bin ich meist dreimal in der Woche 60 bis 90 Minuten unterwegs - problemlos. Daher wollte ich nun langsam auf Joggen umsteigen, was allerdings nicht so wirklich gelingt. Schon nach 500 Metern fühle ich mich kurz vor dem Kollabieren. Dabei versuche ich, langsam zu laufen. Liegt es an der mangelnden Überwindung des inneren Schweinehundes oder warum schaffe ich es nicht mal, 15 Minuten am Stück zu laufen? Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich den Sprung zum Jogger erfolgreich bewältige?
Ratlos, Dyane

Hallo Dyane,
da haben wir es - massenweise Nordic Walker. Angeblich gesund und fit. Wenn 500 Meter Laufen nach dem Trainingsprogramm, wie Du es schilderst, nicht drin sind, dann bezweifle ich die sportliche Komponente des Nordic Walkens. Also der "richtige" Nordic Walker hat eine Technik drauf, die es ihm ermöglicht, gelenkschonend in Pulsregionen vorzustoßen, die dem lockeren Joggingtempo sehr nahe kommen. Eine wunderbare Alternative zum Laufen. Aber diese Technik zu beherrschen, bedarf es mehr als einfach die Stöcke in Eigenregie in die Hand zu nehmen, um sie ein Viertelstündchen hinter sich herzuziehen. Dafür muss man am Ball bleiben, weil der Nordic Walker in bestimmten Zyklen immer wieder zu einer "entspannteren" Technik neigt.

Aber nicht sauer sein, Sie können Joggen! Laufen Sie bitte einfach noch langsamer. Wenn Sie nach 500 Metern denken, dass die Welt gleich zu Ende ist, dann laufen Sie trotzdem einfach noch 100 Meter weiter. Sie halten nicht an! Sie lernen nur etwas Neues kennen: Ihr Körper braucht Luft. Und Sie können Sie ihm geben, laufen Sie weiter (ausgenommen Schmerzen in der Brust!), wenn Ihre Beine schwer werden und Sie glauben Ihre Lunge zieht sich zusammen. Sie stoßen eine neue Tür auf. Nicht selten geht es nach diesen vier, fünf Sekunden Weltuntergang plötzlich eine Viertelstunde weiter mit Laufen. Vorsichtig sein, aber weitermachen.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Hallo Achim,
ich, 51, bin früher viel gelaufen, doch aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung musste ich mir eine andere Sportart aussuchen, weil mein Puls zum Laufen zu hoch war. So bin ich beim Kraftsport gelandet, genauer gesagt beim Kraftdreikampf und werde dort auch bleiben. Inzwischen ist die Schilddrüsenerkrankung ausgeheilt und ich laufe hin und wieder zum Ausgleich, ein Mal in der Woche fünf Kilometer, mittleres Tempo. An welchem Tag ist das Laufen am besten für mich, damit ich einerseits genug Regeneration habe und andererseits auch keine Kraft verliere, die ich für den Dreikampf benötige? Ich trainiere am Sonntag, Dienstag und am Freitag und laufe momentan am Montag.
Danke, Ingvild

Hallo Ingvild,
vor Maximalkraftbelastungen sollte man keinen Ausdauerlauf machen. Eher andersherum.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lesermail der Woche: Liebesgrüße aus Moskau
Lieber Achim,
bestimmt sind meine Beine (noch) nicht so stark wie Deine und am Ural war ich auch noch nicht. Allerdings wird hier in Moskau viel gelaufen, auch unter uns Deutschen. Im Winter war es mehr auf dem Kaninchenband, im Frühling jedoch geht es wieder hinaus. Moskau bietet schöne Parks und Seen, auch im Stadtgebiet. Sollte Marko sich also mit Gleichgesinnten in Verbindung setzen wollen, so ist dies kein Bolschoi-Problem. Es genügt eine E-Mail an die Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau.
Viele Grüße aus Russland, Gospodin Dirk

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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