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15. September 2005, 11:04 Uhr

Achilles' Ferse

Pelzbrust und steife Nippel

Nicht immer sind harte Brustwarzen ein Zeichen sexueller Erregung. Manchem Hobbyläufer reicht schon ein lauer Gegenwind oder ein schlecht gewaschenes T-Shirt. Dumm nur, wenn man so viel Pelz hat, dass sich das Laufen oben ohne verbietet.

Hallo Achim und Team,

ich habe bis vor etwa 15 Monaten sehr regelmäßig trainiert und bin dabei bis zu fünfmal pro Woche gelaufen. Hinzu kam zweimal pro Woche Taekwondo. Damals war ich fit. Dann kam das Examen: Mein Pensum reduzierte sich auf drei Einheiten die Woche, dann auf eine, schließlich auf gar keine mehr. Nun bin ich mit 28 Jahren und sechs Kilo Übergewicht wieder eingestiegen. Wie Britta taten auch mir die Gelenke bei vier Läufen pro Woche weh. Daher habe ich auf drei ruhige, flache Läufe reduziert. Jetzt geht's wieder besser. Ich würde mich aber gerne wieder steigern auf vier Läufe pro Woche. Ist es notwendig, dass ich mich nach der längeren Pause vorher vom Arzt gründlich durchchecken lasse?
Herzliche Grüße und vielen Dank, Nils

Lieber Nils,
vor dem Beginn eines intensiveren Trainingsprogramms ist eine ärztliche Untersuchung immer ratsam. Dabei geht es vor allem darum, Probleme des Herzens, der Lunge oder des Kreislaufes auszuschließen oder rechtzeitig zu erkennen. Die Untersuchung des Halteapparats ist schwieriger, denn die Belastbarkeit der Gelenke, Sehnen und Bänder lässt sich nicht mit Präzision vorhersagen. Bei anatomischen Veränderungen, Beschwerden oder Erkrankungen des Skeletts hilft jedoch eine orthopädische Untersuchung, um die geeignete Sportart herauszufinden oder die richtige Belastungsintensität festzulegen.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Moin Achim,
ich will am Sonntag den Köln Marathon mitlaufen. Es ist mein vierter Marathon, ich laufe einen pro Jahr. Ich habe mich etwa zwölf Wochen lang vorbereitet und bin zwischen 40 und 60 Kilometer pro Woche gelaufen, wobei der Schwerpunkt der Vorbereitung im August lag. In den letzten drei Wochen hab ich mein Pensum deutlich reduziert (25 bis 40 Kilometer).

Läuferbeine: Behandlung von Schmerzen nach dem PECH-Prinzip
DDP

Läuferbeine: Behandlung von Schmerzen nach dem PECH-Prinzip

Gestern bin ich zu einem abschließenden lockeren Lauf über zehn Kilometer gestartet, als plötzlich mein Oberschenkel zu schmerzen begann und es auch heute noch tut. Es zwickt etwa 5 Zentimeter oberhalb der Kniekehle, aber ein kleines Stück Richtung äußerer Seite. Ich denke es ist ein Band oder eine Sehne. Was ist das? Warum gestern? Was soll ich tun? Könnt ihr mir so kurzfristig noch etwas Kluges oder wenigstens Beruhigendes mit auf den Weg geben? Ist das Ernst oder die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter?
Viele Grüße, Martin

Lieber Martin,
zuerst die schlechte Nachricht: Ich kann aus der Ferne keine Diagnose stellen. Nun die Guten:

1. Die Behandlung von akuten Schmerzen des Halteapparats richtet sich immer nach dem PECH-Prinzip. PECH steht für Pause, Eis, Compression und Hochlagern. Also Trainingspause, die Stelle drei- bis viermal am Tag fünf bis zehn Minuten kühlen und das Bein auf einen Hocker stellen. Durch diese Maßnahmen werden Sie die Schmerzen lindern, die Entzündung reduzieren und die Heilung beschleunigen.

2. Das Training in den letzten fünf bis sechs Tagen vor dem Marathon hat keine Wirkung mehr. Deswegen verlieren sie so gut wie keine Kondition, obwohl sie die letzte Woche vor dem Marathon kein Lauftraining mehr absolvieren.

3. Nach zwei bis drei Tagen sollten Sie beschwerdefrei sein. Versuchen Sie am Samstag einen kurzen Lauf über 20 Minuten. Wenn Sie keine Beschwerden haben, ist ein Marathon-Start möglich. Wenn die Beschwerden jedoch nach dieser kurzen Trainingseinheit anhalten oder sogar zunehmen, werden Sie leider diesmal passen müssen: Einen Marathon darf man nur bei bester Gesundheit starten.
Alles Gute, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
ich hab echt eine (peinliche) Sportlerfrage: Ich bekomme durch die Reibung der T-Shirts beim Laufen wunde Brustwarzen. Ich kenne nur die Pflasterlösung (Überkleben). Fällt aber bei mir aus, wegen zu vieler Haare in dem Bereich. Hast du einen Tipp?
G. (möchte anonym bleiben)

Behaarte Männerbrust: Pflastern verboten
DPA

Behaarte Männerbrust: Pflastern verboten

Lieber G.,
sicherheitshalber noch ein paar Tipps für harte Winter oder während der Jagdsaison: Trage nur frisch gewaschene Shirts, die auch weichgespült wurden. Teste, welches deiner T-Shirts die Entzündung auslöst. Es ist wirklich komisch: Aber ab und zu habe ich das auch - das Oberteil kommt weg! Was auch hilft: Shirt in die Hose stecken, nicht flattern lassen. Reibung wird verringert. Und zum Mittel zwei nach der Pflasterlösung: Vaseline auftragen.
Mitleidigen Gruß, Jens Karraß

Lieber G.,
lauf doch einfach ohne Shirt. Dein Fell scheint ja auch für kühle Tage dicht genug zu sein.
Höhö, Achim

Hallo Achim,
nach dem Sport steht Duschen auf dem Programm (bei den meisten Sportlern zumindest). Früher habe ich immer heldenhaft kalt geduscht, bin aber aus Bequemlichkeit zum Warmduscher geworden. Haben die Duschgewohnheiten Einfluss auf die körperliche Fitness oder die Regeneration des Körpers?
Gruß, Markus

Lieber Markus,
wie bereits Vater Kneipp wusste, kann man Wasser als Heilmittel benutzen. Bei intensiven Belastungen kommt es in der Muskulatur zu einer lokalen Entzündung. Kaltes Wasser bremst dieses Phänomen und verhindert damit die Entstehung von Schmerzen oder Muskelkater. In der Regel genügt es, die Beine nach einem intensiven Training 30 bis 40 Sekunden mit eiskaltem Wasser zu bespritzen. Warmes Wasser bewirkt eher eine Entspannung der Muskeln und Sehnen und fördert die Durchblutung. Dieser Effekt ist besonders nützlich bei chronischen Beschwerden. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird jedoch nicht durch passive Maßnahmen wie Duschen, Baden oder Saunagänge beeinflusst.
Gruß, Fernando Dimeo

Lieber Achim,
was ist mit den Kollegen, die an der Ampel neben einem stehen und "auf der Stelle" trippeln. Tut es nicht mal gut die Beine einfach mal nicht zu bewegen?
Fragt Sebastian

Hallo Sebastian,
das an der Ampel Trippeln ist schuld, dass noch nicht mehr als 16 Millionen Deutsche regelmäßig joggen. Das sieht so bekloppt aus, so mitleiderregend und auch unsportlich, wer kann dazu schon ja sagen? Hey, wir sind cool! Wir haben Überblick. Wir atmen locker durch und warten auf Grün! Dann geht's ab! Du hast völlig Recht, Sebastian! Ab heute wird entspannt!
Jens Karraß

Lieber Achim,
keine Frage, aber eine angstvolle Anmerkung: Nach meiner Schätzung laufen täglich 1000 Leute um die Alster in Hamburg. Wenn nur fünf Prozent dieses Problem des Spontanstuhls haben, suchen täglich 50 Menschen Unterschlupf in den wenigen Büschen. Eine recht eindrucksvolle Zahl. Um so überraschender für mich, dass ich noch nie beobachtet habe, wie jemand in die Büsche rein- oder rausgelaufen ist.
Grüße, Nils

Lieber Nils,
natürlich wetzt jeder nur ins Unterholz, wenn vorn und hinten keiner zu sehen ist. Beim Rauskommen guckst du natürlich auch. Das führt zu einer weiteren Angst machenden Vorstellung: Während du nichts ahnend vorbeizuckelst, sitzt alle paar Meter einer im Busch und beobachtet dich.
Paranoid, Achim

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