Achilles' Ferse Puls-Power bis Feuerland-Mitte

Puls, Puls, Puls - immer wieder Puls. Der Informationsbedarf der Läufergemeinde scheint gewaltig. Deswegen heute ein Herzschlag-Special. Achim Achilles und sein Team verraten alles, was man wissen muss, um ohne Angst den Laufsport betreiben zu können.


Hallo Achilles,

ich habe Probleme, mit niedrigem Puls zu laufen. Wenn ich, 37 Jahre alt, 50 Minuten laufe (7 Kilometer), habe ich einen Puls von 160 bis 165. Das sei ja zuviel, sagen viele Experten. Trotz des hohen Pulses kann ich gut atmen und fühle mich wohl. Wenn ich mit einem Puls um 130 laufen soll, wie von Herrn Strunz propagiert, dann muss ich schleichen und schaffe in 50 Minuten vielleicht 4 bis 5 Kilometer. Wie wichtig ist das denn mit dem Puls? Kann man das so pauschal für alle Menschen sagen? Ist es nicht so, dass Frauen einen höheren Ruhepuls haben als Männer, da deren Herz kleiner ist?
Viele Grüße, Stefanie

Hallo Achim,
ich habe laut Arzt einen Ruhepuls von 53, was ja ganz gut sein soll. Sobald ich langsam laufe, schnellt er auf 140 bis 150. Wenn ich nach Gefühl laufe, habe ich sogar 170 bis 180. Ich habe im September des vergangenen Jahres mit dem Laufen angefangen und schaffe 90 Minuten am Stück. Wie bekomme ich meinen Puls in den Griff?
Liebe Grüße, Steffi

Liebe Steffis, Ihr Pulsforscherinnen,
der Puls ist was ganz eigenes, Privatsache sozusagen. Deshalb kommt aus der Ferne auch nie die richtige Antwort. Die Empfehlungen aus Büchern und Magazinen orientieren sich immer an Durchschnittswerten. Generell gilt, dass sich der Puls mit fortschreitenden Trainingsmonaten unweigerlich verbessert. Wenn euer Arzt ein gesundes Herz bescheinigt, dann könnt ihr ruhig etwas forscher, also auch mit 160 bis 180 trainieren. Es ist sogar notwendig, um in neue Leistungsbereiche vorzustoßen. Ihr müsst nur beachten, dass ihr den 180-Puls-Lauf mit zwei lockeren 130-bis-140-Läufen einrahmt. Sonst wird es mit einer Leistungsverbesserung doch nichts.
Besten Gruß, Jens Karraß


Agile Sportler: Bloß nicht so lange laufen, bis der Arzt kommt
AP

Agile Sportler: Bloß nicht so lange laufen, bis der Arzt kommt

Lieber Achim,
vor kurzem habe ich ein Belastungs-EKG plus Laktatmessung machen lassen. Ergebnis: Um meine Grundlagenausdauer zu trainieren, soll ich mich bei einem Puls unter 120 bewegen. Nun habe ich schon im Schneckentempo einen Puls zwischen 140 und 150, dabei geht es mir aber blendend, ich halte das leicht eine Stunde durch und unterhalte mich nebenher. Kann es sein, dass die Messung nicht geeignet war, da sie auf einem Fahrrad durchgeführt oder dass die Werte einfach nicht stimmen?
Sportliche Grüße, Ilona

Liebe Ilona,
ein Fahrradtest ist für die Bestimmung der Trainingsbereiche beim Laufen nicht geeignet. Bei der gleichen Laktatkonzentration liegen die Pulswerte beim Laufen bis zu 15 Prozent höher als beim Radfahren. Das könnte teilweise die Ergebnisse erklären. Eine andere mögliche Ursache wäre, dass Sie auf dem Fahrrad nicht Ihren Maximalpuls erreicht haben. Dies kann passieren, wenn der Test zu kurz war oder Sie nicht gewöhnt sind, Rad zu fahren. Die Berechnung ergibt in diesem Fall sehr niedrige Herzfrequenzen. Wenn Sie sich bei Ihrem aktuellen Lauftempo gut fühlen, bleiben Sie dabei. Das eigene Körpergefühl ist meistens zuverlässiger als die Laborgeräte.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
ich habe das Phänomen, dass mein Puls ganz plötzlich anfängt zu rasen wie Harry, um die 200 Schläge pro Minute. Das kann nach zwei Stunden Laufen passieren, aber auch nach fünf Minuten, kann nach einer Minute wieder vorbei sein oder aber mehrere Stunden andauern. Während dieser Raserei sagt mir mein Körper, dass es besser wäre, einfach nur zu liegen und abzuwarten. Nach unbestimmter Zeit passiert es dann, dass der Puls von seinen 200 Schlägen wieder auf normal runterschaltet, innerhalb einer Sekunde und ich weiter rennen kann bis Feuerland-Mitte. Ich habe schon getestet, ob der rasende Puls bei einer bestimmten Bewegung, bei bestimmtem Wetter oder zu bestimmten Uhrzeiten auftritt, konnte aber keine Regelmäßigkeit feststellen. Es scheint total willkürlich zu sein, ist sogar schon mal am Schreibtisch aufgetreten. Wissen Sie, was da in meinem Körper abgeht? Das Problem macht mich nämlich langsam rasend.
Mit 200 Grüßen pro Minute, Michael

Lieber Michael,
komische Pulswerte bei Belastungen sind häufig auf eine banale Ursache zurückzuführen: Manchmal sitzt der Sender des Pulsmessers nicht richtig oder der Empfänger nimmt die Sender von mehreren Läufern gleichzeitig wahr. Aber die Abweichungen können auch als Folge einer Herzrhythmusstörung entstehen. Dies ist immer der Fall, wenn man den hohen oder unregelmäßigen Puls selber am Handgelenk gemessen hat. Da Sie den sehr hohen Puls auch in Ruhe festgestellt haben, ist eine Herzrhythmusstörung sehr wahrscheinlich. Die genaue Ursache der Beschwerden muss deswegen von einem Arzt geklärt werden. Halten Sie uns über die Resultate bitte auf dem Laufenden.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

insgesamt 1475 Beiträge
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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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