Achilles' Ferse Schmerz, lass nach

Zu viel, zu wenig, zu selten, zu häufig. Deutschlands Läufer sind unzufrieden. Mit sich und ihrem Sport. Gott sei Dank wissen Achim Achilles und sein Team, wo es langgeht - immer nach vorne.


Guten Morgen Achim Achilles,

vor gut drei Wochen bin ich zum ersten Mal aus Übermut einen halben Marathon gelaufen. Erst zwei Runden um den See und - weil es so gut ging - noch mal die Promenade, und dann habe ich noch eine Runde drangehängt. Ziel erreicht. Glück pur! Jetzt bin ich leider seit gut drei Wochen nicht mehr gelaufen, da mir die Achillessehne Probleme macht. Eigentlich hätte ich das bei gut 40 Kilometern pro Woche doch wegstecken müssen, oder? Meine Frage ist, wie lange ich nun erfahrungsgemäß wohl ausssetzen muss? Gibt es irgendeinen tollen Behandlungstipp für mich?
Grüße, Claus

Romantischer Lauf: Sehr viel zu tun
AP

Romantischer Lauf: Sehr viel zu tun

Lieber Claus,
Sie haben eine seltsame Auffassung von Glück. Ich finde nichts Erfreuliches daran, sich eine ungewöhnliche Belastung anzutun und sich dabei zu verletzen. Dass Sie seit drei Wochen Beschwerden haben, obwohl Sie in der Zeit nicht gelaufen sind, ist kein gutes Zeichen. Möglicherweise ist beim Halbmarathon mehr als nur eine Überbelastung entstanden. Wenn Sie sich einen Muskelfaser- oder Sehnenriss zugezogen haben, müssen Sie mit einer Pause von mehreren Wochen rechnen. Ein hoher Preis fürs Glück, zumal Ihre Form in dieser Zeit garantiert nicht besser wird. Gehen Sie zum Arzt!
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
um meinem sportlichen Aktivitäten ein Ziel zu geben, möchte ich Anfang April den Berliner Halbmarathon mitlaufen und, wenn alles gut geht, im September auch den Marathon. Dazu laufe ich nun fast täglich eine Stunde um den Lietzensee und am Sonntag auch mal länger in anderen schönen Teilen von Berlin. Leider - und das ist das Problem - habe ich sehr viel zu tun. Mir bleibt von Montag bis Samstag nur die unangenehme Zeit von 6.30 bis 8.00 Uhr. Ist es auf diese Weise überhaupt möglich, ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen? Und wenn ja, wie? Und noch eines: Woher bekomme ich Pläne von Berliner Laufstrecken mit Kilometerangaben?
Kim (übrigens männlich)

Hallo Kim,
Dein Trainingspensum reicht völlig aus. Je nach Zielzeit musst Du aber intensive Trainingsteile mit einfließen lassen, also Tempo machen. Das fällt anfangs sicher etwas schwer. Vielleicht kannst Du Dir ja für einen Tag in der Woche am Abend die Zeit nehmen, in einer guten Laufgruppe zu trainieren. Angebote dazu findest Du im Internet. Zu den Laufstrecken mit Längenangaben gibt es ein tolles Buch. Das Buch heißt "Joggen in Berlin" (Nicolai-Verlag, 9,90 Euro) und ist - rein zufällig - von mir.
Viel Spaß beim Lesen, Jens Karraß


Hallo Achim,
ich hatte Anfang des Jahres mein Training etwas verschärft - war zu fett. Ich habe mich von zwei- bis dreimal pro Woche fünf Kilometer auf drei- bis viermal zehn Kilometer gesteigert. Das klappte zunächst ganz gut. Seit drei Monaten aber habe ich Druckschmerzen im Adduktorenbereich, die vor allem zwei bis drei Tage nach dem Laufen auftreten. Deshalb habe ich auf ein- bis zweimal Laufen reduziert, was zumindest erträglich ist. Ich möchte aber lieber wieder mehr laufen - die liebe Waage. Geht das oder soll ich mir gleich ein Fahrrad kaufen?
Ratlos, Gernot

Lieber Gernot,
jeder möchte mehr laufen. Bei einigen ist die Zeit zu knapp, bei anderen macht der Körper nicht mit. Sie gehören zur zweiten Gruppe. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die zu Schmerzen im Adduktorenbereich führen können. Leider erzählen Sie uns nicht, was Ihnen Ihr Doktor gesagt hat, denn wenn Sie die Schmerzen seit drei Monaten haben, waren Sie sicherlich bereits beim Arzt, oder?
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
seit fünf Monaten gehöre ich auch zum Läufervolk und fühle mich richtig gut dabei. Doch seit einem Monat verspüre ich in meinem rechten Bein Schmerzen beim Auftreten. Es zieht ganz schön unangenehm von der Fußsohle über den Knöchel bis in die Wade. Das fühlt sich an wie ein ordentlicher Krampf. Es dauert meist zwei bis drei Tage, bis ich nichts mehr spüre. Sobald ich erneut laufe, fangen die Schmerzen nach 15 Minuten wieder an. Hast Du eine Idee, warum es beim Auftreten weh tun könnte? Liegt es an den vier Jahre alten Schuhen? Ist die (zunehmende) Kälte Schuld?
Grüße, Thomas

Lieber Thomas,
die genaue Ursache Ihrer Beschwerden kann ich ohne eine direkte Untersuchung nicht ermitteln. Aber vier bis fünf Monate nach Beginn eines Trainingsprogramms, das ist die typische Zeit, wenn sich Sehnen und Gelenke melden. Deswegen müssen mehrere Vorkehrungen getroffen werden, um Beschwerden zu vermeiden: richtig dehnen vor und nach dem Training, warm anziehen, auf ebenem Boden trainieren und geeignete Schuhe tragen. Genau so wie mit den Autos kommt es dabei nicht auf das Modell, sondern auf die Kilometerzahl an. Die besten Laufschuhe halten maximal 800 bis 1000 Kilometer.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Mehr zum Thema


insgesamt 1475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.