Achilles' Ferse Stadtrand statt Laufband

Manchmal braucht unser Achim starke Nerven. Der eine will sich bewegen, hat aber nur bewegende Ausreden, der andere denkt ernsthaft über ein Laufband als Alternative zur Natur nach. Und ein Dritter wird beim Laufen immer steif - alles kein Problem für unser Team.


Hallo Achim,

ich bin fast Mitte 40, 1,83 groß, gute 100 Kilogramm schwer und treibe bislang keinen Sport. Laufen würde mir schmecken, wohne ich doch auf dem Land und am Waldrand. Außerdem erscheint mir zum Laufen der zu überwindende Schweinehund kleiner als bei Sportarten wie Schwimmen. Denn "Schuhe an und los" geht einfacher als "Klamotten einpacken, ins Schwimmbad fahren, nach dem Schwimmen wieder alles einpacken". Oder per Fahrrad mit buntbedressten Pseudo-Profis auf der Landstraße Gefahr zu laufen, von einem Auto plattgewalzt zu werden. Der Orthopäde meinte, ich solle das Laufen mal schön lassen, wegen des Gewichts und zu erwartender Gelenkprobleme. Andere raten zum "schnellen Gehen" - sieht bestimmt putzig aus, wenn zwei Zentner mit wackelndem Hintern durch den Wald schubbern. Laufgruppe? Nee, danke. Also, wozu raten Sie mir? Soll ich überhaupt oder wie oder was?
Klaus


Lieber Klaus,
Du bist ein fauler Hund. Noch bevor Du auch nur einen einzigen Schritt gemacht hast, weißt Du schon tausend Gründe, warum Du morgen wieder aufhörst. Ausdauersport hat die widerliche Eigenart, dass man sich jeden Tag aufs Neue überwinden muss, jetzt im Winter erst recht und doppelt. Ich habe den Eindruck, Du hast dazu schlicht und ergreifend keine Lust, weder auf Laufen, Radfahren, Schwimmen, Walken oder sonst eine Fortbewegungsart, die Deine Körpermasse in Form bringen würde. Sei also ganz ehrlich, gestehe Dir ein, dass Du nicht magst, lebe fröhlich und rund so weiter und lauf' anderen nicht vor den Füßen herum.
Grüße auf die Couch, Achim


Laufband: Keine Alternative zum Waldweg

Laufband: Keine Alternative zum Waldweg

Lieber Achim,
ich wohne seit einiger Zeit im Ausland und die Gegebenheiten - Luftverschmutzung, gefährlicher Verkehr, fehlende Bürgersteige, herrenlose Hunde - machen ein normales Laufen wie in Deutschland unmöglich. Was hältst Du vom Training auf dem Laufband?
Tim


Lieber Tim,
das kann gut gehen, aber wie lange? Irgendwann musst Du mal raus. Das hält doch keiner aus! Werd' bloß nicht laufbandabhängig. Bei ständigem Wetzen auf dem Band verlierst Du zusätzlich das Gefühl für normales Laufen. Plane also einige Tage in der Landschaft (wahrscheinlich in Deutschland) ein, bevor Du an einem Wettkampf teilnimmst. Und jetzt raus, suche Dir eine gute Crossrunde am Stadtrand, ohne Hunde und Autos.
Sportsgrüße, Jens Karraß


Lieber Achim,
ich habe vor zwei Wochen meine alten Laufschuhe ausrangiert und mir ein Paar neue geleistet. Da mein linker Fuß beim Laufen deutlich nach innen einknickt, habe ich Schuhe gekauft, die eine entsprechend abstützende Versteifung haben. Doch schon nach zwei Läufen in der Stadt (50 Prozent der Strecke sind Asphalt) habe ich deutliche Schmerzen in der linken Hüfte gespürt. Jetzt habe ich gelesen, dass ein normaler Fuß eigentlich keine Haltung korrigierenden Laufschuhe bräuchte. Vielmehr könnten solche Schuhe den Fuß in eine für ihn unnatürliche Haltung zwingen und dadurch Schmerzen an anderer Stelle im Bewegungsapparat hervorrufen. Was soll ich nun machen? Die Schuhe einfach weiterbenutzen und gegen den Schmerz anlaufen, in der Hoffnung, dass er bald verschwindet? Oder die teuren Schuhe wegwerfen und wieder auf die alten zurückgreifen?
Matthias


Lieber Matthias,
laufen Sie nie gegen die Schmerzen an. Beschwerden weisen immer auf einen Trainingsfehler oder auf eine Überbelastung hin. In diesem Fall sind die Schmerzen deutlich auf die neuen Schuhe zurückzuführen. Aber Sie müssen sie deswegen nicht gleich wegwerfen. Es ist ein häufiger Fehler, nagelneue Schuhe gleich für einen langen Lauf anzuziehen. Zuerst müssen sie "eingebrochen" werden, am besten durch Spaziergänge oder das Tragen über mehrere Tage. Erst dann sind die Schuhe weich genug, um beim Training getragen zu werden. Benutzen Sie für einige Tage Ihre alten Schuhe und tragen Sie die neuen nur für Spaziergänge in der Stadt. Wenn bei einem erneuten Versuch die neuen Schuhe immer noch Beschwerden verursachen, ist Verzicht angesagt.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
seit dem Beginn meiner Lauferei vor ungefähr anderthalb Jahren verhärtet sich regelmäßig nach etwa neunzig Minuten die linke Hälfte meiner Nacken- und Schultermuskulatur. Ich kann dehnen so viel ich will, es bringt einfach nichts. Aufgefallen ist mir, dass es beim Laufen mit Weste oder Jacke ein bisschen länger dauert, bis die Muskulatur verkrampft. Was ist der Grund für meine Beschwerden: Ein falscher Laufstil, falsche Laufschuhe oder gar eine falsche Körperhaltung? Kann vielleicht auch Zugluft das Verhärten der Muskeln beeinflussen? Wie kann ich dieses Problem lösen, da es mir ein bisschen den Spaß am Laufen verdirbt?
Holger


Lieber Holger,
lass doch mal Deinen Laufkumpel beobachten, ob Du eine falsche Haltung hast. Das wäre schon der mögliche Grund. Hältst Du die Hände locker? Schwingen die Arme entspannt mit? Ich tippe wirklich auf einen verkrampften Laufstil. Und der macht sich nach neunzig Minuten irgendwo garantiert bemerkbar.
Gute Besserung, Jens Karraß

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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