Achilles' Ferse Voller Bauch trainiert nicht gern

Eine Kleinigkeit im Magen hat noch keinem echten Marathoni geschadet. Achim und sein Beraterteam haben da Ihre eigene Philosophie. Das gilt natürlich auch für sündhaft teure Laufschuhe, die keineswegs heilende Kräfte besitzen.


Liebes Achilles-Team,

ich bin kein 'hart gesottener Marathoni' (O-Ton Achilles), aber ich trainiere gerade für meinen ersten Marathon. Ich absolviere alle meine Läufe frühmorgens und nüchtern. Nach den Läufen, auch den langen am Wochenende, esse ich nichts bis zum Mittag - ich habe kein Hungergefühl. Aber ich trinke viel, da es in Kambodscha sehr heiß ist. Ich habe gelesen, dass man zwei bis drei Stunden vor dem Marathon etwas essen soll. Gilt das auch, wenn mein Körper dies nicht gewohnt ist, oder soll ich so weitermachen wie bisher. Abends laufen ist aufgrund der Temperaturen, der Dunkelheit und des Straßenverkehrs in Kambodscha keine Alternative.
Viele Grüße, Klaus

Paulanermuskel: Sieben Kilo runter
AP

Paulanermuskel: Sieben Kilo runter

Klaus, alter Weltenbummler,
eigentlich machst Du alles richtig. Morgens nüchtern laufen, das kurbelt den Fettstoffwechsel an, der wiederum funktionieren muss, um lange Distanzen durchzustehen. Es gilt die Regel: Im Wettkampf nichts ausprobieren, was man im Training nicht getestet hat. Und erfahrene Läufer wissen: Nichts ist sensibler als der Verdauungstrakt. Dennoch würde ich in Deiner Situation mal kleine Testreihen machen: Wirst Du schneller, wenn Du vor den langen Läufen etwas leichtes, sagen wir, ein Honigbrötchen verspeist? Fühlst Du Dich besser, wenn Du nach zwei Stunden eine halbe Banane lutschst? Schaden können ein paar Kohlenhydrate jedenfalls nicht beim Laufen, gerade zum Schluss hin. Und berichte uns von Deinen Erfahrungen.
Achim, der mit dem Weizenbierturbo

Lieber Achim,
ich laufe momentan von Montag bis Donnerstag vor der Arbeit je fünf Kilometer und am Wochenende jeweils siebeneinhalb bis zehn. Mein aktuelles Ziel ist es, im nächsten Sommer einen Halbmarathon zu laufen. Mich würde interessieren, woher ich weiß, wann ich bereit bin für meinen ersten Marathon und wie ich am besten darauf hintrainiere.
Michael

Lieber Michael,
ganz ehrlich: Du bist bereit! Wenn Du jetzt im Oktober mit einem Programm beginnst, dass Dich in seiner Einfachheit überraschen wird, bist Du zum Hamburg Marathon bereit, eine schöne Premiere hinzulegen. Melde Dich an! Und suche Dir einen Trainer Deiner Wahl. Es gibt ja so viele...
In froher Erwartung, Jens Karraß

Lieber Achim,
vor gut 20 Jahren habe ich von Null angefangen, intensiv zu laufen. Ich bin bei einigen City-Marathons gestartet und nach ein paar Jahren locker um die drei Stunden gelaufen. Vor etwa 15 Jahren war wegen Asthma und chronischer Bronchitis ziemlich brutal Schluss. Seit einigen Jahren ist es langsam besser geworden und ich habe wieder mit dem Lauftraining angefangen - erst Indoor und jetzt auch wieder draußen. Von den 17 Kilogramm Gewichtszunahme gegenüber dem damaligen Kampfgewicht sind schon sieben runter. In einem Jahr könnte es wieder für einen Marathon reichen. Ich bin jetzt Mitte 50. Welche Zeit ist bei etwa gleichem Einsatz wie damals realistisch? Wäre das Kampfgewicht unverändert? Und wie sähe es mit Ultra-Marathon aus?
Ulrich

Lieber Ulrich,
regelmäßige körperliche Aktivität führt zu einer Erhaltung der Leistungsfähigkeit. Ziel des Trainings sollte sein, 40 Jahre lang so fit wie ein 40-Jähriger zu bleiben. Bei den meisten Menschen nimmt die Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit vor allem deswegen ab, weil sie sich weniger bewegen. Wie schnell Sie Marathon laufen können, hängt vor allem davon ab, welches Trainingspensum Sie derzeit ohne Beschwerden absolvieren. Aus der Ferne kann ich Ihnen da beim besten Willen keine verlässlichen Zahlen nennen. Durch Testläufe und eventuell durch eine Laufbanduntersuchung mit Laktatmessung werden Sie sehr präzise herausfinden, welche Marathonzeit noch drin ist und wie viel Sie dafür trainieren müssen. Aber zuerst müssen die restlichen zehn Kilo weg.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ich war leidenschaftliche Läuferin, bis ich wegen Knieschmerzen damit aufhören musste. Jetzt bin ich beim Walken gelandet, aber das ist halt nicht so speedy wie Joggen und haut einem nicht so die Endorphine durch den Körper. Ich würde gern wieder mit dem Laufen anfangen. Stimmt es, dass die Schuhe für Marathonläufer von Brooks, die mit 350 Euro nicht gerade billig sind, solche Malessen abstellen könnten?
Marie

Liebe Marie,
solche Aussagen bitte immer schriftlich vom Hersteller bestätigen lassen. Das hilft bei späteren juristischen Auseinandersetzungen. Die Regel gilt für alle Laufläden und alle Verkäufer. Schuhproduzenten würden sehr gern erfahren, wer solchen Unsinn in die Welt setzt. Auch die Ärzteschaft wäre froh zu erfahren, wer denn solche heilenden Schuhe im Sortiment führt. Bei genauerem Nachfragen wird Dein Schuhhändler eingestehen, dass auch ein Modell für, sagen wir mal, 50 Euro diese Eigenschaften hat (oder nicht). Fakt ist: Auch ein noch so guter Schuh kann orthopädische Probleme bestenfalls lindern, aber nie heilen. Wenn es beim Laufen zwackt, ist Walken sicher das Richtige für Dich. Hauptsache, Du gibst nicht auf. Und probiere immer mal wieder ganz vorsichtig, wie lange lockeres Joggen schmerzfrei klappt. Das ist von ambitioniertem Walken nicht allzu weit entfernt.
Alles Gute, Jens Karraß

Lieber Herr Achilles,
ich bin 61 Jahre alt und habe vor drei Jahren nach einer Kreislauftrainingskur mit dem Laufen begonnen, zweimal die Woche eine Stunde und am Wochenende zweimal zwei Stunden. Ich schaffe gut acht Kilometer in der Stunde. Da ich unter Bluthochdruck leide, hat mir mein Kardiologe verordnet, einen Puls von 122 nicht zu überschreiten. Ich würde gern Marathon laufen, aber nicht in sechs Stunden. Was kann ich tun, um meine Leistung auch bei diesem Puls zu verbessern? Mit freundlichem Gruß, Michael

Lieber Michael,
der Marathon ist immer ein schönes Ziel, für die Teilnahme ist jedoch nicht nur eine gute Kondition, sondern auch eine perfekte Gesundheit erforderlich. Wer dies nicht respektiert, wird sich beim Marathon verletzen oder im schlimmsten Fall mit einer Herzkreislaufstörung direkt im Krankenhaus landen. Sie sollten den Rat Ihres Arztes befolgen und bei dem angegebenen Puls trainieren. Aber reden Sie mit ihm über Ihre sportlichen Ambitionen. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Medikamenten, die eine bessere Einstellung des Blutdrucks und gleichzeitig die Teilnahme an Sport ermöglichen. Erst bei richtig eingestellten Blutdruckwerten macht ein intensiveres Training Sinn.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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