Achilles' Ferse Von Grippeviren und Fußpilzen

Muss man mit 65 Jahren noch die Laufschuhe wechseln? Ja, rät Achim, und denkt dabei ausnahmsweise an das Befinden seiner Mitläufer. Das liegt auch Doc Dimeo am Herzen, insbesondere dann, wenn es sich um gesundheitlich angeschlagene Selbstüberschätzer handelt.


Lieber Herr Dimeo,
ich bin momentan in Vorbereitung auf einen Marathon. Leider hat mich vor zehn Tagen eine Grippe erwischt und ich kämpfe mit den Folgen. Meine Frage: Ich habe diverse Aussagen zum Laufen während der Grippe gehört. Es geht von Nichts-Tun bis zu 80-Prozent-Läufen. Ich will am Ball bleiben, um den Halbmarathon Ende April zu schaffen und laufe mit Einschränkungen weiter. Was würden Sie mir aus medizinischer Sicht raten?
Viele Grüße, Stephan

Schema des Influenza-A-Virus: Während der Grippe nicht trainieren!
DPA

Schema des Influenza-A-Virus: Während der Grippe nicht trainieren!

Lieber Stephan,
während einer Grippe gilt nur eine Aussage: Schonung, bis Sie kein Fieber mehr haben, mindestens zwei Tage beschwerdefrei sind und langsam wieder Lust am Laufen bekommen. Solange der Körper mit der Bekämpfung der Viren beschäftigt ist, bringt zusätzliches Training nicht Auf- sondern nur Abbau. Je intensiver Sie während einer Grippe trainieren, umso weniger leistungsfähig werden Sie sein, wenn die Beschwerden abklingen. So gesehen ist viel sinnvoller sich auszuruhen, als weiter auf Biegen und Brechen zu trainieren. Dass dabei Kondition verloren geht, ist klar, aber es lässt sich leider nicht vermeiden. Je schneller Sie wieder gesund werden (und die Schonung trägt wesentlich dazu bei), umso eher werden Sie das Training wieder aufnehmen können.
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achim,
ich bin 65 und laufe dreimal pro Woche elf Kilometer. Ich verausgabe mich dabei ziemlich, kann mich beispielsweise nur schwer mit anderen unterhalten. Ich habe noch nie Puls- oder Herzfrequenz messen lassen, mache so gut wie keine Dehnungsübungen und laufe so lange in meinen Schuhen, bis sich das Innenfutter auflöst. Gesundheitlich geht es mir besser denn je, doch langsam bekomme ich Zweifel, ob ich nicht auf meine alten Tage noch zum Sportinvaliden werde, da ich das Laufen so unprofessionell betreibe. Kann ich so weitermachen oder muss ich mich auf ein Leben im Rollstuhl vorbereiten?
Gruß, Ulrich

Hi Ulrich,
man könnte sagen, jetzt mit 65 Jahren brauchst Du auch nichts mehr zu ändern. Nur ein Paar frische Schuhe wären schon toll, für alle Laufkollegen in der Umkleide.
Wohlwollend schmunzelnd, Jens Karraß

Lieber Achim,
ich laufe gerne und viel im Sommer, aber bei Regenwetter und Kälte treibt es mich doch in die Mucki-Bude. Laufbandtraining macht allerdings so schummerig, dass ich nach fünf Kilometern fast von diesem blöden Band falle. Laufe ich auf dem Stepper, habe ich keine Probleme, aber dann trainiere ich auch nicht die Muskeln, die ich im Sommer wieder brauche. What to do?
Dusselig im Kopf grüßt Petra aus dem Westerwald

Liebe Petra,
ich habe da einen ganz tollen Tipp, supergeheim, nicht weitersagen, nur für Dich: GEH' EINFACH RAUS! Ehrlich, dieses Fitnessstudio-Gehampel führt zu nichts außer Weichhirn. Am vergangenen Wochenende sind wir zwei Stunden durch den strömenden Regen gewetzt. Die ersten fünf Minuten waren eklig, dann war es nur noch super. Der Körper ist warm, die Strecke leer, die Welt gehört Dir. Nie war Baden schöner. Und Fußpilz bekommst Du auch nicht.
Probiers einfach mal aus. Capt'n Jack Achilles

Hi Achim,
ich hab echt eine (peinliche) Sportlerfrage: Ich bekomme durch die Reibung der T-Shirts beim Laufen wunde Brustwarzen. Ich kenne nur die Pflasterlösung (Überkleben der Warzen). Fällt aber bei mir aus, wegen zu vieler Haare in dem Bereich. Hast Du einen Tipp?
Gruß, Jens

Lieber Jens,
Ihre Frage ist nicht peinlich: Die wunden Brustwarzen sind ein häufiges und sehr unangenehmes Problem. Zu kaum einem Thema bekommen wir mehr Fragen und Anmerkungen. Da ich noch nie damit zu kämpfen hatte, kenne ich auch keinen besseren Tipp als das Überkleben der Warzen. Dabei müssen Sie nicht die ganze Brustmuskulatur abdecken, es genügt, wenn Sie ein Stück Pflaster zurecht schneiden, damit die Nippel abgedeckt sind. Andere Lösungen wie das Einreiben mit Vaseline finde ich unpraktisch oder unhygienisch.
Mit besten Grüßen Dr. F. Dimeo

Lieber Achim,
ich würde auch gern mit dem Laufen anfangen. Meine Kondition sieht so aus, dass ich beim etwas schnelleren Treppensteigen schon ziemlich aus der Puste bin. Könnt ihr mir ein paar Tipps geben, wie ich die ersten Übungseinheiten überlebe?
Jörn

Hi Jörn,
beginne mit Spaziergängen. Sieh diese als vollwertiges Training an, wenn Du dabei außer Puste kommst. Bitte lass Dich auch bei Deinem Hausarzt untersuchen, ob alles okay ist. Wenn Dich Deine Spaziergänge anfangen zu langweilen, baue ganz lockere Joggingabschnitte ein. Auch wieder nur so, dass Du leicht aus der Puste kommst. Wenn Du startest, dann viermal in der Woche und mindestens 45 Minuten pro Einheit.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Mail des Jahrhunderts:
Achim, du weißer Kenianer, viel Erfolg in Hamburg!
Jochen

Jochen,
Du glaubst an mich, als einziger. Das tut so gut.
Gerührt, Achim

Mehr zum Thema


insgesamt 1475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.