Achilles' Ferse Wenn die Achillessehne schmerzt

Da ist der Name Programm: Wer sollte sich besser auskennen als Achim, wenn es gleich zwei laufenden Lesern von SPIEGEL ONLINE an der Achillessehne zwickt? Allerdings hat auch unser Experte diesmal ein Problem - mit einem echten Laufschneider.


Lieber Achim,

ich habe vor zwei Jahren mit dem Laufen begonnen, um abzunehmen. Ich konnte durch Joggen und Nahrungsumstellung 25 Kilogramm Gewicht verlieren. Ich laufe mit niedriger Frequenz und habe das Gefühl, dass ich kein Tempo aufbauen kann. Bin ich durch mein ständiges Niedrigfrequenz-Laufen nicht mehr in der Lage, an Geschwindigkeit zuzulegen? Ich habe auch das Gefühl, dass mir, obwohl ich fast täglich laufe, für schnelleres Tempo die Kondition fehlt. Was kann ich tun?
Sportliche Grüße, Jan

Hi Jan,
Du bist schnelles Laufen nicht gewohnt und deshalb fällt es Dir natürlich schwer. Aber lass Dich nicht von diesem Gefühl unterkriegen. Baue einfach einen Tempotag in Deine Trainingswoche ein. Geh' ins Stadion oder auf eine abgemessene Strecke mit Kilometersteinen, und laufe Dich fünf Runden oder zwei Kilometer lang warm. Nach der Dehnung kannst Du loslegen: Laufe 10 x 100 Meter in schnellerem Tempo. Immer eine Pause zwischen jedem Lauf, am besten ganz langsam die 100 Meter wieder zurückgehen. Wenn Du 100 Meter zwischen 30 und 25 Sekunden schaffst, hast Du schon ein Tempo drauf, dass auf einen Kilometer 5 Minuten und deutlich weniger bedeuten würde. Verdammt schnell, finde ich! Auf diese Art übst Du mit Deinem Körper ganz einfach die neue Schrittfolge. Bald steigerst Du Dich auf 20 x 100 Meter, dann 10 x 200 Meter und die ersten Läufe über 500 Meter warten auch schon auf Dich. Und Schwupps bist Du ein flotter Hirsch.
Viele Grüße, Jens Karraß


Lieber Achim,
seit über einem Jahr bin ich mit einer Achillodynie (Schmerzen an der Achillessehne; die Red.) geschlagen. Ich bin mit 53 Jahren schon im mittleren Alter und kräftig gebaut (98 Kilogramm bei 1,80 Meter). Inzwischen habe ich diverse schulmedizinische Therapieversuche mit Ups und Downs und letztlich fehlendem Erfolg hinter mir. Das Spektrum reichte von Verbänden mit unterschiedlichen Salben über Wadenmuskulaturmassage und Spritzen bis hin zu Röntgenreizstrahlung. Als nächste Therapie-Stationen stehen mir noch Spritzen mit Teufelskralle, Stosswellentherapie oder, wenn das alles nicht hilft, eine Operation bevor. Lässt sich das vermeiden?
Danke, Matthias

Lieber Matthias,
für die Behandlung von chronischen Verletzungen gilt, immer mit konservativen Maßnahmen anzufangen und allmählich zu den aggressiveren Behandlungsmethoden greifen. Die Gefahr dabei ist, dass den Sportlern manchmal fragwürdige Behandlungen angeboten werden, die nur selten zu einer Linderung der Beschwerden führen. Eine Operation steht immer an letzter Stelle und wird von den Ärzten durchgeführt, wenn die anderen Methoden nicht ausreichend geholfen haben. Bei vielen Sportlern führt sie jedoch zu einer anhaltenden Besserung und völliger Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit.
Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achilles,
auch wenn sich zum Glück keine zwei Menschen gleichen, möchte ich aber doch fragen: Wie oft darf man im Jahr einen Halb- bzw. Vollmarathon laufen?
Muntere Grüße, Stefan

Achillessehnen-Probleme: Läufer kennen diesen Hemmschuh
DDP

Achillessehnen-Probleme: Läufer kennen diesen Hemmschuh

Stefan, alter Angeber,
woher soll ich das wissen? Mir persönlich reichen zwei von jeder Sorte fürs Jahr. Aber es gibt durchaus Bekloppte, die jede Woche ihre 42-Kilometer-Dosis brauchen. Der Vorteil: Du brauchst dazwischen kaum noch zu trainieren. Ganz ehrlich: Probier's einfach aus und absolviere in einem Monat im Wechsel zwei komplette und zwei Halbmarathons. Dein Körper wird Dir unmissverständlich mitteilen, wenn Du übertreibst. Schlaffheit, Müdigkeit, Herpes, das alles sind Zeichen für Überlastung. Wenn Du Dich immer noch munter fühlst, dann häng' noch einen Monat dran. Los, quäl' Dich. Schneller! Keine Ausreden. Und denke bitte dran: Teile uns Deine Erfahrungen mit. Es gibt noch mehr Lauf-Junkies, die so was geil finden.
Fassungslos, Achim


Lieber Achim,
seit etwa drei Wochen bereitet mir der Teil meines linken Fußes Probleme, der für diese Kolumne Namenspate ist: Die Achillessehne schmerzt! Und zwar vom Loslaufen an gleichmäßig störend, aber nie so schlimm, dass ich deswegen aufhören müsste. Bei höherem Tempo wird es stärker, bei ruhigem Tempo lässt es wieder nach. Der Sehnenbereich ist leicht geschwollen, Druckschmerz entsteht erst bei relativ kräftigem Drücken. Was mich irritiert: Ich habe nichts verändert. Die Laufschuhe sind seit Januar im Gebrauch und für meine Gewichtsklasse geeignet, die Strecken führen im Mix über Waldboden und Asphalt - alles wie immer und an eine äußere Einwirkung kann ich mich auch nicht erinnern. Kann ich weitertrainieren und auf Selbstheilung hoffen oder sollte ich einen Arzt konsultieren?
Steffen

Lieber Steffen,
ich glaube Ihnen, dass Sie an Ihrem Training nichts geändert haben, dafür haben sich Ihre Laufschuhe seit dem Januar geändert. Die besten Laufschuhe halten nur eine Belastung von 800 bis 1000 Kilometern aus. Bei einem Training von 10 Kilometern dreimal wöchentlich ist dieser Umfang bereits nach 30 Wochen erreicht. Die Zwischensohle ist danach verformt, dann dämpft und stützt diese nicht mehr richtig. Dadurch kommt es häufig zu Überbelastungen der Achillessehnen und der Knie. Überprüfen Sie deswegen zuerst Ihre Laufschuhe, reduzieren Sie Ihr Trainingspensum und wenden sie systematisch das PECH-Prinzip an (Pause, Eis, Compression, Hochlagen). Wenn diese Maßnahmen keine Besserung bringen, ist der Besuch beim Arzt angesagt.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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