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14. Dezember 2010, 12:28 Uhr

Achilles' Verse

Der große Läufer-Geschenke-Ratgeber

Weihnachten steht vor der Tür, doch das ist kein Grund, in Einkaufsstress zu verfallen. Denn Wunderläufer Achim Achilles präsentiert passend zum Shopping-Endspurt den Ratgeber für alle, die noch ein passendes Geschenk für den Läufer in der Familie suchen. 

Es gibt Menschen, die den Weihnachtsbaum in einem Geschirr kilometerweit hinter sich herziehen, die in der Dämmerung des Heiligen Abends rasch noch mal um den Häuserblock sprinten, die dem langwierigen Sitzen in der Kirche schließlich mit unauffälligen Stretch-Übungen einen tieferen Sinn verleihen.

Läufer haben nichts gegen christliche Feste und Familienzusammenkünfte - solange sie nicht auf Kosten von Trainingszeit und Wettkampfgewicht gehen. Was aber schenkt man dem Ausdauersüchtigen? Süßigkeiten lehnt er kategorisch ab, alkoholreiche Getränke ebenfalls, und Klamotten hat er auch genug.

Hier ein Last-Minute-Geschenke-Ratgeber für die Millionen Läufer-Partner, die verzweifelt sinnen, womit sie ihrem geliebten, aber anspruchsvollen Irren vielleicht doch eine Freude bereiten können.

Für den Bestzeit-Fetischisten
Eine Zehnerkarte fürs Höhentraining. Warum nach St. Moritz oder in den Himalaya fahren? Unterdruckkammern, die bergige Höhen simulieren, gibt es inzwischen in jeder Stadt. Wer in den luftdicht abgeschlossenen Aquarien trainiert, züchtet eine Extraportion roter Blutkörperchen heran.

Für den Spaß-Läufer
Flaschengürtel schneiden ins Hüftfleisch, Trinkrucksäcke sind peinlich, Bauhelme mit Dosenhalter eher für ein paar lustige Tage auf Malle. Die Trinkbrille dagegen kann jeder Läufer tragen: sieht schlau aus, ist preisgünstig und - hat nicht jeder.

Für den Öko-Läufer
Gefilzte Ohrwärmer aus Schafwolle. Nun gut, nach spätestens fünf Minuten jucken die Dinger wie Hölle. Nach einer halben Stunde haben sie sich komplett mit Läuferschweiß vollgesogen, was zusammen mit den Talgresten vom Schaf für eine interessante chemische Verbindung sorgt. Dafür hat der Läufer das gute Gefühl, eins zu sein mit der Natur. Und wenn die Dinger zu arg nerven: Einfach unterwegs fallen lassen. Sind ja voll kompostierbar.

Für den reflektierten Bekenntnis-Läufer
Ausdauersportler neigen ja dazu, ihre Mitmenschen ungefragt mit Glaubensbekenntnissen zu traktieren. Wir laufen für den Frieden, das Klima und den Tierschutz. Der Beweis ist allerdings nicht erbracht, ob Waffenhändler, Vielflieger und Hühnerzüchter sich tatsächlich von Breitensport-Appellen beeindrucken lassen. Deswegen geht der Trend zum sinnfreien Bekenntnis, zum Beispiel mit dem Button: "Der Krampf geht weiter". Da lacht der Läufer.

Für den Schmalbrüstigen
Jahrelanges Laufen führt meist zu merkwürdigen Körperformen. Auf muskulär recht hübsch ausgeprägten Schenkeln wackelt ein schlaffer Sack, der mal ein Oberkörper werden will. Wer regelmäßiges Schwimmtraining scheut, kann mit dem guten alten Expander ein wenig nachhelfen, damit der Hemdenwechsel im nächsten Jahr nicht wieder zur Peinlichkeit gerät.

Für Hello-Kitty-Freunde
Es gibt schlichte Gemüter, die "Liebe ist..."-Cartoons an den Badezimmer-Spiegel kleben, Schwitzen für eine Krankheit halten und auch sonst total sanft durchs Leben gehen. Man nennt sie Walker. Derlei Sportsfreunde freuen sich bestimmt über Motivationskarten, aquarellmundgemalt.

Für Triathleten mit Trainingsrückstand
Das Fahrrad mit Düsenantrieb ist der Hit in der Wechselzone. Da können die ganzen Carbon-Fritzen locker einpacken. Einziges Problem: Wie übertönt man das Geknatter, wenn die Wettkampfleitung kommt? Großzügig dosiertes Eiweiß hilft.

Für den anarchischen Läufer
Ob im Wendland, rund um den Stuttgarter Bahnhof oder in der Nähe teurer Autos in Kreuzberg - immer wieder kommen gerade jugendliche Freizeitläufer in Situationen, wo sie lieber nicht erkannt werden wollen. Eine schmucke Gesichtsmaske hilft, übrigens auch als Atemfilter für die Freunde vom samstäglichen Lauftreff nach einer durchgezechten Nacht.

Für den Hygiene-Freak
Multifunktionale Deokugeln, die vom ersten Schritt an hässliche Gerüche stopppen. Die kann man sich schon während des Laufs aus Repräsentationsgründen vorne in die Hose stopfen, hinterher in die Schuhe und zum Auslüften an den Weihnachtsbaum hängen. Kostenbewusste rollen die Kugeln selbst, aus eingeweichten Duftbäumen.

Für Läufer mit Reizmagen
Wer kennt das nicht: Kaum drei Kilometer getrabt, da melden sich die Eingeweide. Widerstand zwecklos. Doch nicht immer liegt schützendes Gebüsch an der Strecke. Da hilft der mobile Tarnunterstand, dient auch als Zuflucht bei Wildschwein-Attacken.

Für den Funrunner
Einen Startplatz beim Reggae-Marathon auf Jamaica. Dort gibt es ja angeblich allerlei Mittel, die den Lauf beschleunigen oder verlangsamen. Und die Gattin darf am Strand entspannen.

Für das optimale Wettkampfgewicht
Gerade über Weihnachten legen sich nahezu unbemerkt zarte Ringe um die Läuferhüfte. Schwitzgürtel und -shorts lassen den Hüftspeck im Nu verschwinden. Wegen verstärkten Abwasseraufkommens ist die Mobilsauna gewöhnungsbedürftig, vor allem für sensible Mitläufer. Kleiner Tipp deswegen: Lieber alleine ausprobieren.

Fotos von allen Geschenk-Tipps gibt es auf Achim-Achilles.de . Außerdem gibt es dort im Achilles-Weihnachtskalender weiterhin tolle Läufer-Präsente zu gewinnen.

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