Christian Teevs

Adidas-Ausstieg bei der Leichtathletik Ein richtig verlogener Schritt

Wegen des Korruptionsskandals in der Leichtathletik will sich Großsponsor Adidas zurückziehen. Das wirkt konsequent, ist aber unglaubwürdig.
Adidas-Chef Hainer: "Gegen Doping in jeglicher Form"

Adidas-Chef Hainer: "Gegen Doping in jeglicher Form"

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / dpa

Das hört sich doch mal nach tatkräftigem Handeln an: Der Sportartikelhersteller Adidas will sein Sponsoring in der Leichtathletik aufgeben. Wegen der Korruptions- und Dopingaffäre beim Weltverband IAAF soll Schluss sein mit den Millionenzahlungen, berichtet die BBC.

Ein deutscher Konzern stellt die Unterstützung eines nachweislich korrupten Verbands ein und setzt damit ein Zeichen? Genau das fordern kritische Beobachter seit Langem.

Doch das Verhalten von Adidas ist verlogen. Der Konzern handelt aus den falschen Gründen. Bisher war es den Bossen in Herzogenaurach nämlich herzlich egal, was die Sportfunktionäre mit ihren Millionen treiben. In der Fifa-Krise hat Adidas auch dann noch zu Joseph Blatter gehalten, als US-Sponsoren wie Visa längst den Rücktritt des Präsidenten forderten. Inzwischen wurde Blatter für acht Jahre gesperrt.

Adidas-Chef Herbert Hainer hat stets bestritten, dass die Skandale des Sports seiner Marke schadeten. Dem Konzern gehe es hervorragend, man habe so viele Aufträge wie nie zuvor. Das stimmt sogar, jedoch ist es im Wesentlichen das Geschäft mit dem Fußball, das gut läuft. Im dritten Quartal 2015 steigerte Adidas seinen Umsatz mit Fußballschuhen, Trikots und Bällen um 19 Prozent, auch im Jahr nach der WM in Brasilien feierte der Konzern Rekordabsätze. Im Fußball liegen die Deutschen vor dem US-Konkurrenten Nike, der ansonsten weit davongezogen ist.

Diese Position scheint Adidas, mit aller Macht verteidigen zu wollen. Ab dieser Saison überweist der Konzern Manchester United jeweils 94 Millionen Euro in den kommenden zehn Spielzeiten. Der FC Bayern bekommt immerhin 60 Millionen Euro im Jahr. Auch der Vertrag mit dem DFB dürfte deutlich teurer werden als 25 Millionen Euro, die Adidas dem Vernehmen nach bislang jährlich zahlt.

Angesichts dieser Summen und der Ausrichtung des Konzerns scheinen die IAAF-Skandale eine willkommene Gelegenheit zu sein, sich aus der Leichtathletik zurückzuziehen. Knapp 30 Millionen Euro könnte Adidas so bis 2019 sparen.

Auch wenn Adidas den Ausstieg bislang nicht offiziell bestätigt hat, so ist die Stellungnahme des Konzerns durchaus interessant. Man sei "gegen Doping in jeglicher Form", teilte Adidas in einer zweizeiligen E-Mail mit. Von Korruption ist keine Rede.

Das ist auf eine unangenehme Art durchaus clever: Denn bei einer Kampfansage an den schmutzigen Umgang der Funktionäre mit Geld würde Adidas auch das Engagement bei der Fifa infrage stellen. Und soweit soll es natürlich nicht kommen.

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