Ärger in Anti-Doping-Agentur Nada-Geschäftsführer Wewer tritt zurück 

Zwei Jahre lang hat Nada-Geschäftsführer Göttrik Wewer die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada geleitet, jetzt wirft er hin. Der 56-Jährige war zuletzt intern in die Kritik geraten. Große Erfolge gegen das Doping hat die Nada in seiner Amtszeit nicht vorzuweisen. 

Nada-Geschäftsführer Wewer: Rücktritt nach interner Kritik
dpa

Nada-Geschäftsführer Wewer: Rücktritt nach interner Kritik


Hamburg - Kritik an der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada hat es schon lange gegeben: zu wenig durchschlagskräftig, zu vorsichtig bei der Dopingbekämpfung. Kritik, die sich auch an der Person des Geschäftsführers Göttrik Wewer festmachte. Dennoch kam dieser Schritt am Montag überraschend: Wewer hat seinen Rücktritt zum 30. September erklärt. Ausschlaggebend sind laut der ARD interne Differenzen in der Organisation.

Nada-Sprecher Berthold Mertes wollte den Rücktritt und seine Ursachen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Der Zeitpunkt des Abgangs kommt für die Organisation reichlich ungünstig. Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Sportausschuss des Bundestags den Sitz der Nada in Bonn besuchte, wurde die Personalie öffentlich.

"Wewer hat in einer für die Nada wirtschaftlich schwierigen Situation seinen Beitrag zur Stabilität der Stiftung geleistet", hat Nada-Vorstandsvorsitzender Armin Baumert den scheidenden Geschäftsführer in einer kurzen offiziellen Pressemitteilung gewürdigt. Seit 2008 hatte Wewer den Posten bei der Nada inne. In dieser Zeit ist die Anti-Doping-Agentur in der Öffentlichkeit nur wenig in Erscheinung getreten. Erfolge im Kampf gegen Doping gab es kaum, von dem zuletzt prominentesten Verdachtsfall in Deutschland, dem der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, wurde die Nada komplett überrascht. Die "Berliner Zeitung" hatte angesichts der Jahresbilanz der Organisation im Januar süffisant darauf hingewiesen, dass "selbst in Ländern wie Russland und Jamaika mehr namhafte Doper im Kontrollnetz hängen bleiben als in Deutschland".

Berninger leitet Nada übergangsweise

Bereits zu Jahresbeginn hatte Nada-Sprecherin Ulrike Spitz ihren Posten geräumt, Wewers Abgang ist jetzt der zweite prominente Verlust. Der 56-Jährige hatte zuvor eine politische Karriere hinter sich. Für die SPD war er unter anderem Staatssekretär im Bundesinnenministerium mit der Zuständigkeit für den Sport gewesen. Zudem leitete er die Sportkommission der Kultusministerkonferenz. Zuletzt war er Staatsrat für Bildung und Wissenschaft in Bremen, bevor er den Nada-Job angetreten hatte.

Nach Informationen der ARD hatte es in den vergangenen Wochen heftige Diskussionen innerhalb der Nada um den künftigen Kurs gegeben. Dabei soll Wewer intern kritisiert worden sein. Von dem Geschäftsführer selbst gab es am Montag bis zum Mittag noch keinerlei Stellungnahme. Sein Amt wird kommissarisch zunächst von Wewers Stellvertreterin Anja Berninger geleitet. Berninger garantiere "Stabilität, Professionalität und Homogenität", befand Nada-Kuratoriumschef Hanns Michael Hölz in der Pressemitteilung.

aha/sid



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