Alba Berlin im EuroCup-Finale Wann geht's nach Amerika?

Alba Berlin setzt im Finale des EuroCups auch auf seine eigenen Talente - wie den 17-jährigen Franz Wagner. Wie lange der Klub seine Jungstars halten kann, ist offen. Die NBA und das Vorbild Dirk Nowitzki locken.

Große Träume: Alba-Talent Franz Wagner
Bernd König/ imago images

Große Träume: Alba-Talent Franz Wagner

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Als Dirk Nowitzki 1998 seine erste NBA-Saison in den USA absolvierte, hatte Franz Wagner in seinem Leben noch nie einen Basketball in der Hand gehabt. Was auch logisch ist, denn Wagner ist erst vier Jahre später auf die Welt gekommen. Jetzt ist er 17 Jahre alt, spielt als Teenager bei Alba Berlin bereits auf europäischem Niveau und sagt über den großen Nowitzki, den Mann der Woche im deutschen Sport: "Er ist die Inspiration für uns alle."

Die Inspiration, dass man als Deutscher in der NBA zum Star werden kann. Die nordamerikanische Profiliga, sie ist immer noch der Traum jedes jungen Basketballers, und Wagner würde lügen, wenn er diesen Traum nicht auch hätte.

Schließlich hat er mit seinem älteren Bruder ein weiteres Vorbild in der eigenen Familie: Moritz Wagner hat den Sprung gewagt, der 21-Jährige steht bei den Los Angeles Lakers unter Vertrag. Er hat das getan, was viele junge Europäer anstreben: Früh in die USA gehen, dort im College Basketball spielen und so die NBA-Scouts aufmerksam machen. Bei ihm hat es funktioniert.

Jüngster Alba-Spieler der Bundesliga-Geschichte

Moritz Wagner (l.)
Mark J. Terrill / AP

Moritz Wagner (l.)

Sein Bruder Franz sagt, er würde nicht dauernd über seine sportliche Zukunft nachdenken, das bereite ihm ansonsten nur Druck, "ich bin da lieber im Hier und Jetzt". Das Hier und Jetzt, das ist aktuell das Final-Rückspiel im EuroCup am Abend gegen Valencia BC (Anpfiff 20 Uhr).

Die Spanier haben die erste Partie vor eigenem Publikum 89:75 gewonnen, Alba rannte von Beginn an einem Rückstand hinterher, die Rebounds haben nicht funktioniert, Wagner war mit seinen zwei Punkten auch nicht zufrieden. Aber das ist abgehakt. Jetzt geht es vor fast 15.000 Fans in der heimischen Arena darum, den Ausgleich herzustellen.

Dass Wagner als jüngster Spieler, der je bei Alba in der Bundesliga aktiv war, schon seine Chance bei einem Spitzenteam bekommt, hat er dem ältesten Trainer der Liga zu verdanken. Aito Garcia Reneses hat als Coach in Spanien unzählige Erfolge gesammelt, er hat zig Spieler geformt, die später zu Weltstars wurden: Pau Gasol, Ricky Rubio, zuletztden Letten Kristaps Porzingis, der auf dem Weg ist, die nächste ganz große Nummer im Basketball zu werden.

Aito Garcia Reneses (r.)
Francesc Juan / DPA

Aito Garcia Reneses (r.)

Die Angst, den Moment zu verpassen

Sie alle sind in der NBA zu Millionären und Basketball-Superhelden aufgestiegen, und Aito, wie ihn alle nennen, sagt mit seiner ganzen Routine: "Für viele junge Spieler ist es besser, erst einmal in Europa zu bleiben und Erfahrung zu sammeln."

Der 72-Jährige nennt als Beispiel den Argentinier Manu Ginóbili, der erst mit Mitte 20 nach erfolgreichen Jahren als Italienprofi aus Europa in die NBA wechselte und dort bei den San Antonio Spurs zur Legende wurde. So wie der Südamerikaner machen es aber nur wenige, "bei vielen jungen Spielern in Europa gibt es die Angst, den Moment zu verpassen", sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi und fügt an: "Die Ungeduld bei den Jungen ist größer geworden." Baldi muss das wissen, er führt Alba seit mittlerweile 29 Jahren, vor ihm am Schreibtisch haben schon viele junge Kerle gesessen und von der NBA geträumt.

"Spieler, die ein gewisses Level erreicht haben, wollen weiterkommen, das ist doch klar", hat Baldi "volles Verständnis dafür, dass sie dem Reiz folgen". Alba setzt seit vielen Jahren auf Nachwuchsarbeit, im aktuellen Kader stehen acht Spieler, die aus der eigenen Jugend kommen. Wie lange sie in Berlin bleiben, wer das Zeug hat, den ganz großen Schritt zu machen - die Frage steht für den Verein immer im Raum.

Marco Baldi (Archivbild)
Matthias Kern / Getty Images

Marco Baldi (Archivbild)

"Nicht als Handtuchschwenker enden"

Baldi plädiert dafür, "lieber noch ein, zwei Jahre zu reifen und nicht nur in der NBA als Handtuchschwenker auf der Bank zu enden". Nicht jede NBA-Karriere ist tatsächlich eine Karriere, manche kommen über ein paar Minuten Einsatzzeit in der Saison nicht hinaus, in ihrer Biografie steht dann zwar NBA-Profi, aber "das wäre für mich nicht erstrebenswert", sagt Coach Reneses.

Auch für Moritz Wagner lief die erste Spielzeit in der Profiliga nicht unbedingt nach Wunsch, "er hatte natürlich ganz andere Erwartungen", sagt sein jüngerer Bruder. Wagner verletzte sich gleich zu Beginn, "und es ist so wichtig, am Anfang der Saison dabei zu sein, um in die Rotation des Teams hineinzukommen". Das hat Moritz Wagner verletzungsbedingt verpasst, er brauchte Monate, um sich heranzukämpfen, Einsatzzeit zu bekommen. Sein Bruder hat das von Berlin aus sehr genau verfolgt.

Alba-Sportdirektor Himar Ojeda, wie der Trainer aus Spanien nach Berlin gekommen und vor seiner Zeit bei Alba jahrelang Scout für die NBA, hat auf seinem Handy eine Excel-Tabelle abgespeichert. Dort sind die Karrierewege in die NBA statistisch erfasst. Die überwiegende Mehrheit der Spieler, die es nach Übersee geschafft haben, ist direkt aus den europäischen Ligen in die NBA gewechselt, sehr viel weniger sind über den Umweg College ins US-Profigeschäft gekommen. "Das College-System ist eine tolle Erfahrung, aber mehr auch nicht", sagt Ojeda.

Franz Wagner wird das alles in seinem Kopf hin und her bewegen müssen. Er ist erst 17. Und er hat jetzt schon die Chance, Europacupsieger zu werden. Das hat er Dirk Nowitzki voraus.



insgesamt 2 Beiträge
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eagle2014 12.04.2019
1. Aber warum?
Warum in Europa bleiben, wenn man an den US Colleges deutlich bessere und zum Teil auch professionellere Bedingungen vorfinden kann? Es gibt bessere Facilties, spielt in groesseren Arenen, gute Coaches und das Niveau ist insgesamt auch sehr hoch. Marketing und Promotion von College Sports in den USA ist auch besser als Profisport in Europa. Ausserdem bekommt man noch eine Ausbildung an einer Top-Uni - also Uni Abschluss und evtl dann noch NBA Vertrag. Notfalls kann man dann immer noch zurueck nach Europa. Moritz Wagner hat alles richtig gemacht. Abschluss an einer Public Ivy / University of Michigan und jetzt L.A. Lakers.
slideaway 12.04.2019
2.
Zitat von eagle2014Warum in Europa bleiben, wenn man an den US Colleges deutlich bessere und zum Teil auch professionellere Bedingungen vorfinden kann? Es gibt bessere Facilties, spielt in groesseren Arenen, gute Coaches und das Niveau ist insgesamt auch sehr hoch. Marketing und Promotion von College Sports in den USA ist auch besser als Profisport in Europa. Ausserdem bekommt man noch eine Ausbildung an einer Top-Uni - also Uni Abschluss und evtl dann noch NBA Vertrag. Notfalls kann man dann immer noch zurueck nach Europa. Moritz Wagner hat alles richtig gemacht. Abschluss an einer Public Ivy / University of Michigan und jetzt L.A. Lakers.
an diesem beitrag ist leider so ziemlich alles falsch, was nur falsch sein kann. der reihe nach: 1. das spielerische niveau am college ist NICHT höher als in einer europäischen spitzenliga. es ist in der breite nicht mal annähernd so hoch. ausnahmslos keine college-team hätte auch nur den hauch einer chance, ein europäisches profi-team aus einer der top-ligen zu besiegen. 2. die trainingsbedingungen sind NICHT besser. allein schon deshalb, weil man als student zeitlich nur sehr beschränkt offiziell in den facilities der unis trainieren darf. als profi in europa kann man soviel trainieren wie man will. 3. moritz wagner hat KEINEN abschluss. er hat die uni nach drei jahren verlassen, um sich vorzeitig zum draft anzumelden. einen abschluss gibt es aber erst nach vier jahren.
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