Alba Berlins McLean Meister-Schreck

Kleiner Etat, große Siege: Die Basketballer von Alba Berlin haben in dieser Saison gegen den NBA-Champion und viele europäische Top-Teams gewonnen. Die entscheidenden Würfe macht der US-Amerikaner Jamel McLean. Wer ist der Mann?

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Hamburg - Jamel McLean gewinnt Spiele. Natürlich ist Basketball ein Mannschaftssport, auch die besten Spieler brauchen Unterstützung von mindestens vier Teamkameraden. Doch Alba Berlins Bester ist da, wenn es darauf ankommt, er erzielt die entscheidenden Punkte. Zum Beispiel gegen Maccabi Tel Aviv in der vergangenen Woche: Mit einem spektakulären beidhändigen Dunking 14 Sekunden vor Schluss entschied McLean die Partie beim Titelverteidiger der Euroleague, der Champions League des Basketballs.

Auch am bislang größten Coup, dem Sieg gegen die San Antonio Spurs Anfang Oktober in Berlin, hatte der US-Amerikaner zentralen Anteil: In der letzten Sekunde nahm McLean einen Wurf aus vollem Lauf, traf und bescherte Alba einen 94:93-Erfolg gegen den NBA-Champion - eine Sensation, auch wenn es nur ein Werbespiel der US-Profiliga war.

Die Berliner gewannen später auch gegen den spanischen Meister FC Barcelona, gegen Limoges, den französischen Titelträger, und gegen den Deutschen Meister FC Bayern München. Dabei liegt der Etat der Berliner mit etwa acht Millionen Euro deutlich unter jenem europäischer Top-Klubs. Barcelona etwa gibt dank der Unterstützung der Fußballabteilung geschätzt 30 Millionen Euro aus, ZSKA Moskau sogar 37 Millionen Euro.

Für McLean macht sich der Sieg gegen die NBA-Stars bis heute bemerkbar: "Das Spiel gegen die Spurs hat uns Selbstvertrauen gegeben", sagt der 26-Jährige SPIEGEL ONLINE. "Wir konnten zeigen, dass wir auf diesem Niveau mithalten." Wichtig sei, nicht zu viel Respekt zu haben, so McLean: "Wenn wir unsere Leistung bringen, haben wir eine Chance, egal wie der Gegner heißt."

Favorit für die Wahl des MVP

Dieses Selbstbewusstsein ist neu im deutschen Basketball. Jahrelang kassierten die Bundesligisten hohe Niederlagen gegen die europäischen Spitzenteams, nur in den zweit- und drittklassigen Wettbewerben Eurocup und Eurochallenge konnte man mithalten. In der vergangenen Saison schaffte es dann der FC Bayern in die Top 16 der Euroleague, in diesem Jahr steht Alba dort. McLean ist mit 18,4 Punkten und 5,5 Rebounds einer der Top-Ten-Spieler, auch in der Bundesliga sind seine Werte hervorragend (14,7 Punkte, 6,9 Rebounds). McLean gilt als Favorit für die Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Saison.

Alba dürfte es schwer haben, den Amerikaner auch in der kommenden Saison zu halten. Nach einer guten Saison in Bonn, wo McLean bereits bester Rebounder der Liga war, hat er sich noch einmal deutlich gesteigert. Für sein großes Ziel, die NBA, ist der 2,03 Meter große Power Forward vielleicht ein paar Zentimeter zu klein, auch aus der Mitteldistanz trifft er nicht konstant. Aber McLean gibt sich gelassen: "Ich will zu den besten Power Forwards gehören - in Europa oder in der NBA."

Auch sein Team spielt eine erfolgreiche Saison: Berlin ist in der Bundesliga Zweiter, punktgleich mit Tabellenführer Bamberg. Und in der Euroleague gibt es nach drei Siegen aus sieben Spielen noch Chancen auf das Viertelfinale.

Am Mittwochabend (20 Uhr) empfängt Berlin im Pokalviertelfinale den FC Bayern, jenes Team, gegen das Alba im vergangenen Jahr das Finale verlor. "Wir haben etwas gutzumachen", sagt McLean mit Blick auf die Heimniederlage gegen Oldenburg am vergangenen Sonntag: "Ich bin bereit."



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