Spurs-Co-Trainerin Hammon "Andere sehen mich mehr als Pionierin als ich"

Als Kind wollte sie unbedingt in die NBA, nun hat es Becky Hammon zumindest als Trainerin geschafft. Die ehemalige Weltklasse-Spielerin ist die erste Frau im Trainerstab eines NBA-Klubs.

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Hamburg - Im Training der Superstars vom NBA-Champion San Antonio Spurs fällt Becky Hammon auf. Nicht nur weil die 1,68 Meter große frühere Weltklasse-Aufbauspielerin von den 17 Profis und dem guten Dutzend Betreuer um mehrere Köpfe überragt wird. Die 37-Jährige mit dem Pferdeschwanz gibt mit klarer, lauter Stimme Kommandos - als erste Frau im Trainerstab eines NBA-Klubs.

"Es ist eine Ehre, aber jetzt sollte es nur noch um Basketball gehen", sagt Hammon vor dem Werbespiel beim Bundesligisten Alba Berlin (20 Uhr, TV: Sport 1). "Andere Leute sehen mich mehr als Pionierin an als ich."

Nach einem Kreuzbandriss verbrachte Rebecca Lynn Hammon, genannt Becky, bereits die vergangene Saison als eine Art Praktikantin beim Top-Klub aus Texas und hinterließ Eindruck beim Erfolgstrainer Gregg Popovich der die Spurs zu fünf Meistertiteln führte. "Sie hat mit uns gestritten, es ging hin und her", sagte Popovich. "Sie ist eine großartige Kommunikatorin und hat einen sehr hohen Basketball-IQ. Sie wird von allen Spielern respektiert, es war eine einfache Entscheidung."

Schon während ihrer aktiven Karriere ging Hammon nicht immer den klassischen Weg. Nachdem sie vor Olympia 2008 nicht für die US-Nationalmannschaft ausgewählt worden war, nahm sie auch die russische Staatsbürgerschaft an, spielte für Russland und musste sich gegen Vorwürfe wehren, sie sei keine Patriotin.

"Sie bringt eine andere Perspektive"

Beim Rückflug von den Sommerspielen in London vier Jahre später saß Hammon ausgerechnet neben Popovich. Statt um Basketball sei es in dem Gespräch um Politik, Wein, die Geschichte und Kultur Russlands gegangen, berichtete Hammon später. Nur kurz habe Popovich sie gefragt, ob sie ihm die Wahrheit sagen würde, wenn er um Rat bitten würde. Als sie bejahte, war die Zusammenarbeit mit der Spielerin des WNBA-Clubs San Antonio Stars endgültig angebahnt. "Ich will keinen Haufen von Ja-Sagern", erklärte Popovich. "Eine sehr hohe, sehr dicke Glaswand ist zersprungen", umschrieb ESPN den Vorstoß in die Männerdomäne.

Auch die Superstars sind von den neuen Ansätzen angetan. "Sie hat großes Wissen über das Spiel, und bringt eine andere Perspektive", sagte Tony Parker. Der Franzose wurde am Dienstag in Berlin als Europas Basketballer des Jahres ausgezeichnet.

Die "New York Times" sieht durch Hammon gar eine Zeitenwende im Basketballs "Im weiteren Sinne signalisierte ihre Anstellung durch die Spurs, dass die Fähigkeiten einer Frau als Coach nicht länger mit der Behauptung zurückgewiesen werden können, dass Männer-Basketball ein anderes Spiel sei, unerreichbar."

Ähnlich hatte ihr Vater stets erklärt, dass ihr Wunsch, in der NBA zu spielen, abwegig sei - nun erfüllt sich der Kindertraum von der besten Liga der Welt auf einem anderen Weg.

Von Florian Lütticke, dpa



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gerd.leineune 16.10.2014
1.
Man kann auch weiterhin durchaus behaupten, Frauen- und Männerbasketball seien unterschiedlich. Das wird, außer von sportunkundigen sozialromantischen und realitätsfernen medien, auch nicht bezweifelt. Hammon ist ja eben wegen der anderen Perspektive auf das Spiel (oTon) eingestellt worden. Kleine Nebeninfo dazu: Dunks sind seit Jahrzehnten völlig normal und selbst Spieler die kaum 1,7 groß sind schaffen das. Wohingegen im Frauenbasketball, wo die Spielerinnen bis über 2,1m groß sind, der erste Dunk in der amer. WNBA erst in 2002 und bei Olympia erst 2012 erzielt wurden... !
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