Dopingsperre für Leichtathletiktrainer Salazar Nike-Boss soll von Testosteron-Experimenten gewusst haben

Alberto Salazar wurde für vier Jahre gesperrt. Das wird zum Problem für Sportartikelhersteller Nike und das dazugehörige Laufprojekt. Geschäftsführer Mark Parker soll von dem Trainer informiert worden sein.

Nike-Geschäftsführer Mark Parker soll eingeweiht gewesen sein
Mary Altaffer/ AP

Nike-Geschäftsführer Mark Parker soll eingeweiht gewesen sein


Der Sportartikelhersteller Nike gerät in der Dopingaffäre Salazar unter Druck. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet (lesen Sie hier den Originaltext), soll der von der amerikanische Antidopingbehörde Usada für vier Jahre gesperrte Leichtathletik-Trainer Salazar bereits 2009 führende Nike-Mitarbeiter über die Ergebnisse seiner Experimente informiert haben. Das soll aus E-Mails hervorgehen, die Salazar unter anderem direkt an Nike-Geschäftsführer Mark Parker geschickt habe. Salazar ist Kopf des Nike Oregon Projects (NOP), einem Eliteteam aus Mittel- und Langstreckenläufern, das die Vorherrschaft afrikanischer Läufer brechen soll. Auch die deutsche Topläuferin Konstanze Klosterhalfen trainiert im NOP.

Gemeinsam mit dem ebenfalls für vier Jahre gesperrten Arzt Jeffrey Brown soll Salazar laut "WSJ" in einem Labor auf dem Gelände des Nike-Hauptquartiers Tests durchgeführt haben, in welcher Konzentration eine neue Testosteroncreme zu positiven Dopingtests führen kann. Parker soll darüber und über andere Experimente explizit informiert worden sein - und laut des WSJ-Berichts konkrete Nachfragen gestellt haben.

Nike will Alberto Salazar weiter unterstützen
Don Ryan/AP/dpa

Nike will Alberto Salazar weiter unterstützen

Salazar bestreitet die Vorwürfe und will beim Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen die Sperre vorgehen. Nike will den 61-Jährigen dabei unterstützen, das teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. "Nike dulde die Anwendung verbotener Substanzen in keiner Weise", hieß es in der Mitteilung. Zu einer weiteren Stellungnahme war Nike für den SPIEGEL nicht zu erreichen. Salazar beruft sich darauf, im Interesse seiner Athleten Grenzen ausgetestet zu haben, um sich vor Manipulationen schützen zu können.

Nikes Mitwisserschaft in dem Dopingskandal ist nicht gänzlich neu. Wie der SPIEGEL bereits vor anderthalb Jahren berichtet hatte, unterstützte Salazar im Jahr 2011 auch den ehemaligen Radprofi Lance Armstrong, der sich nach Beendigung seiner aktiven Radkarriere auf einen Triathlon vorbereitete. Zu diesem Zeitpunkt stand Armstrong bereits unter Dopingverdacht, die lebenslange Sperre des Amerikaners wurde vom Radsport-Weltverband UCI allerdings erst im Oktober 2012 ausgesprochen.

Salazar hatte die intravenöse Nutzung eines Nahrungsergänzungsmittels getestet, der Inhaltsstoff L-Carnitin könne einen Vorteil von zwei bis drei Minuten garantieren. In einer E-Mail an Armstrong schrieb Salazar: "Lance, ruf mich an. Wir haben es getestet, und es ist wirklich unfassbar." Dabei hatte er auch mehrere Nike-Manager in Kopie gesetzt, etwa den damaligen Firmenchef Tom Clarke.

Die Vorwürfe an Nike werfen auch ein schlechtes Licht auf den Leichtathletik-Weltverband IAAF - und die kommende Weltmeisterschaft 2021 in Eugene im US-Bundesstaat Oregon. Die Entscheidung des Weltverbands steht seit Jahren in der Kritik, weil die WM ohne offizielles Bewerbungsverfahren vergeben wurde und der Sportartikelhersteller - ein wichtiger Leichtathletik-Sponsor - in Beaverton in der unmittelbaren Nähe von Eugene beheimatet ist.

krä

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mbu66 02.10.2019
1.
Nike ist eine der unsympathischen Unternehmen, die Wettbewerb als "Krieg" sehen und ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen wollen. Von daher würde es mich nicht wundern, wenn diese Anschuldigungen voll ins Schwarze treffen.
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