Alexander Zverev bei den French Open Reif für den großen Schlag?

Alexander Zverev ist nach seinem Sieg in Rom in der Tennis-Weltspitze angekommen. Bei den French Open gilt der Deutsche sogar als Titelkandidat. Vieles spricht für den 20-Jährigen.

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Was haben Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka gemeinsam? Sie alle sind mehrfache Grand-Slam-Champions, an guten Tagen kaum zu bezwingen - und liegen im ATP-Jahresranking hinter Alexander Zverev. Der Deutsche hat sich durch seinen Erfolg im Finale von Rom nicht nur seinen ersten großen Titel, sondern auch den Einzug in die Top Ten der Weltrangliste gesichert.

Zverev ist mit 20 Jahren der jüngste Spieler seit Djokovic, dem ein Triumph bei einem Masters-Turnier gelang. Er ist der erste deutsche Masters-Sieger seit Tommy Haas 2001 und zugleich der erste Masters-Sieger, der in den Neunzigerjahren geboren wurde. In einer Tennis-Nation wie Deutschland, die seit 1996 auf einen Grand-Slam-Sieger wartet, weckten die jüngsten Erfolge des Hamburgers Hoffnung. Ist Zverev schon bereit für den Titel bei den am Sonntag beginnenden French Open?

Zverevs Potenzial ist seit seinem Profidebüt vor vier Jahren unbestritten. 2014 rückte er als 17-Jähriger am Hamburger Rothenbaum überraschend bis ins Halbfinale vor, um dort gegen David Ferrer 0:6, 1:6 zu verlieren. Sein Aufstieg in der Weltrangliste von Platz 809 (2013) auf Rang zehn ist das Ergebnis harter Arbeit - und eines ruhigen und bescheidenen Umfelds.

Vater Alexander, ein ehemaliger Davis-Cup-Spieler der Sowjetunion, steht ihm ebenso zur Seite wie Mutter Irena, die ebenfalls eine gute Tennisspielerin war. Bruder Mischa, der bei den Australian Open nach einem Erfolg gegen Murray ins Viertelfinale eingezogen war, fungiert als Trainings- und Doppelpartner. Im Endspiel von Rom bewies Zverev erstmals, dass er von der Grundlinie auch mit dem wohl besten Defensivspieler der Geschichte mithalten kann. Es war Djokovic, dem in den langen Ballwechseln die entscheidenden Fehler unterliefen.

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Alexander Zverev in Paris: Angekommen in der Weltspitze

Dass sich Zverev auf Sand wohlfühlt, hat er schon früh gezeigt. 2013 zog er ins Junioren-Finale der French Open ein. Sein damaliger Gegner, Christian Garín aus Chile, blieb der Sprung in die Weltspitze verwehrt. Zverev hingegen hat sich stetig verbessert.

  • Der Aufschlag: Zverevs Quote ist deutlich besser als noch vor Jahren. Doch nicht nur das. Wenn sein erster Aufschlag im gegnerischen Feld landet, geht der Punkt mittlerweile häufiger an ihn (2017: 74 Prozent, 2015: 62 Prozent). Zudem ist es ihm gelungen, die Anzahl an Assen kontinuierlich zu steigern.
  • Das Grundlinienspiel: Zverev verfügt über eine starke und druckvolle Rückhand, mit der ihm nur wenige Fehler unterlaufen. Gegen Djokovic machte er 63 Prozent aller Punkte, wenn der Serbe über den zweiten Aufschlag gehen musste. Das Spiel nach dem zweiten Service gilt eigentlich als Paradedisziplin des Serben. Dennoch war es Zverev, der das Spiel diktierte.
  • Die Nervenstärke: Zverev wehrt nicht nur mehr Breakbälle ab als noch in den Jahren zuvor (2017: 64 Prozent, 2015: 59 Prozent). Er nutzt auch mehr Chancen, die sich ihm bieten (2017: 46 Prozent, 2015: 44 Prozent).

Profitiert Zverev von den Krisen der Stars?

Eine große Schwäche ist nur schwer auszumachen. Nicht umsonst hatte Rafael Nadal im Januar prognostiziert, dass Zverev schon bald die Nummer eins im Tennis sein wird. Der Deutsche liebt große Spiele in großen Stadien, gegen Federer, Djokovic und Wawrinka hat er eine positive Bilanz vorzuweisen. Das kann sonst niemand von sich behaupten. Wegen seiner emotionalen Art und seines charismatischen Auftretens, werden häufig Vergleiche mit Boris Becker gezogen. Zverev ist jemand, der das Publikum mitreißen und auf seine Seite ziehen kann.

Um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, bedarf es aber weiterer Qualitäten. Bislang stand Zverev noch nie in der zweiten Woche eines Major-Turniers. Beim Best-of-Five-Modus bestehen vor allem die Spieler, die sich auch nach einem 0:2-Satzrückstand nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es ist kein Zufall, dass 44 der vergangenen 53 Majors an Federer, Nadal und Djokovic gingen. Vielversprechende Talente wie Gaël Monfils, 30, Jo-Wilfried Tsonga, 32, oder Richard Gasquet, 30, die den Sport zu Jugendzeiten dominierten, scheiterten häufig an ihren Nerven.

Trotzdem darf sich Zverev, der es zunächst mit Fernando Verdasco zu tun bekommt, Hoffnungen machen. Denn er könnte auch von den Krisen der Großen profitieren. Federer hat auf die komplette Sandplatzsaison verzichtet, um sich auf Wimbledon vorzubereiten. Djokovic und Murray durchleben Sinn- oder Formkrisen. Allein Nadal, von dem Zverev zuletzt in Monte Carlo eine Lehrstunde erteilt bekam, ist in Bestform. Zum Match gegen den Spanier kann es erst in der Endphase des Turniers kommen. Es könnte für Alexander Zverev das Schlüsselduell dieser French Open werden.



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Sibylle1969 26.05.2017
1.
Ich traue Alexander Zverev auf jeden Fall zu, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Allerdings glaube ich nicht, dass es schon dieses Jahr sein wird. Dafür ist er körperlich noch nicht genug austrainiert, was aber mit 20 auch noch nicht möglich ist. In einem Best-of-Three-Match kann er die Großen bereits desöfteren schlagen, aber im Januar bei den Australian Open hat man im Drittrundenmatch gegen Nadal gesehen, dass es am Ende doch an der Fitness gemangelt hat. Daran wird er in den nächsten ein bis zwei Jahren sicherlich noch intensiv arbeiten, daher sehe ich ihn, vorausgesetzt er bleibt von schwerwiegenden Verletzungen verschont, auf jeden Fall als Kandidaten für einen Grand-Slam-Turnier-Sieg ab 2018.
annettevon 26.05.2017
2. Kerber zählt wohl nicht
Wir warten seit 1996 auf einen Grand Slam Sieger? Angelique Kerbers Australien Open Sieg 2016 zählt wohl nur als ein zweitklassiger SiegerIN Gewinn, oder was? Ganz toll gemacht.
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