Zverevs Aus bei Australian Open Vorgeschmack auf mehr

Trotz der Niederlage gegen Rafael Nadal: Alexander Zverev hat in Melbourne gezeigt, dass er mit 19 Jahren schon jetzt zu den besten Tennisspielern der Welt gehört. Sein Gegner hofft nun auf den Titel.

Alexander Zverev
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Alexander Zverev

Aus Melbourne berichtet Philipp Joubert


Zehn Minuten dauerte der Besuch aus der Zukunft. Zehn Minuten, in denen Alexander Zverev mit Präzision und Kraft sieben Punkte im Tiebreak des dritten Satzes gewann und die ultimative, physische Reifeprüfung eines jeden jungen Tennisspielers zu bestehen schien - durch einen Sieg gegen Rafael Nadal. Mit geradem Rücken, angespannten Armen und zusammengekniffenen Augen schaute der 19-Jährige nach zwei erfolgreichen Punktgewinnen sekundenlang zur Familie in die Spielerbox.

Als er den Satz gewonnen hatte und nur noch sechs Spiele vom Matchgewinn entfernt war, sprang der 1,98-Meter-Mann in die Luft. Brüllend streckte Zverev die rechte Faust empor. Er hatte die vermeintlich wichtigste Schlacht an diesem milden Samstagnachmittag für sich entschieden.

Vergleiche zwischen Tennis und Boxen sind wenig sinnvoll. Doch das mehr als vier Stunden dauernde Match zwischen Zverev und dem ehemaligen Weltranglistenersten war ein physischer Kampf um die Grundlinie. Im Nachgang bezeichnete Zverev Nadal als einen der fittesten Spieler der Geschichte. Nicht nur drückte Nadal seinen Gegner mit Topspin-Vorhänden unentwegt zurück, er schubste Zverev regelrecht aus dem Platz. Immer und immer wieder musste Zverev zurückweichen und kam doch fast jedes Mal mit großem Schritt zurück.

"Rafa ist ein einzigartiger Spieler. Niemand spielt so wie er," sagte Zverev nach der 6:4, 3:6, 7:6(5), 3:6, 2:6 Niederlage. Der 19-Jährige war, wie nach Niederlagen üblich, kurz angebunden, zwischenzeitlich schnippisch und doch realistisch in der Selbsteinschätzung. Zverev attestierte sich selber eine gute Leistung. "Es war ein sehr positives Match, vieles war gut," sagte der Hamburger. "Allerdings habe ich in jedem Satz, den ich verloren habe, direkt mein erstes Aufschlagspiel abgegeben. Solche Sachen hängen einfach mit der Konzentration zusammen, da muss ich noch dran arbeiten."

Zverev kann eigenes Repertoire voll ausschöpfen

So wenig Zverev auf Einzelheiten eingehen wollte, was denn nun genau gut und weniger gut gelaufen war, sein Auftreten auf dem Court verrät, wie viele Puzzleteile im Spiel von Zverev mittlerweile zusammenpassen. Die Winkel auf der Rückhand waren selbst in kritischen Momenten genau. Der Aufschlag ließ ihn nur selten im Stich, mit der Vorhand dominierte Zverev nicht nur im Tiebreak des dritten Satzes.

Doch was am meisten erstaunt - Zverev bewegt sich für einen fast zwei Meter großen Spieler exzellent. Tennis ist über das letzte Jahrzehnt so physisch geworden, dass die Beinarbeit nicht nur enorm wichtig in der Defensive ist. Vor allem ist sie Grundlage dafür, das eigene Repertoire am Ende voll auszuschöpfen.

Auch wenn die Unterstützung des Publikums für Zverev eher respektvoll als liebend war, der 19-Jährige hatte sich auf der großen Bühne gut präsentiert. Nadal attestierte Zverev nach dem Match, schon jetzt einer der besten Spieler der Welt zu sein. "Er hat ein verblüffendes Potential und großartige Schläge. Er kann um die größten Titel im Sport spielen," stellte Nadal fest.

Die Wichtigkeit des Siegs für den Spanier sollte nicht unterschätzt werden. So sehr Nadal den jungen Deutschen auch seit dem letzten Frühjahr gelobt hatte. Der Spieler zu sein, gegen den Zverev der große Durchbruch bei einem Grand Slam gelingt, das wollte Nadal sicher nicht. Denn den Nimbus als die größtmögliche Hürde für jeden jungen Gegner hat Nadal sich hart erarbeitet. Seine Intensität auf dem Platz ist weiterhin einzigartig, die körperliche Überlegenheit bemerkenswert. Nadal war schon als Teenager physisch stärker als die Allermeisten.

Letzte Chance für Nadal

Doch Nadals Sieg ist nicht nur eine Vergewisserung der eigenen Position. Sie könnte der entscheidende Schritt gewesen sein, doch noch mal einen ganz großen Titel zu gewinnen. Der 30-jährige Spanier hat seit seinem letzten Grand-Slam-Sieg bei den French Open 2014 kein Viertelfinale mehr bei einem Major erreicht. Oft waren es dabei die Stärken von einst, die ihn stolpern ließen. Nadals Körper litt unter dem physischen Spiel, er machte unter Druck Fehler mit der Vorhand und schob zu viele Returns lediglich ins Feld.

Aber jetzt eröffnet sich Nadal eine vielleicht letzte Chance. Die untere Hälfte des Tableaus ist weit offen. Bis zu dessen Sensationsniederlage gegen Denis Istomin hatte Nadal noch Novak Djokovic als Gegner im Halbfinale gedroht. Gegen den hatte der Spanier die letzten sieben Matches verloren - ohne dabei einen Satz zu gewinnen. Nun bleibt als prominentester Name abseits von Nadal der Wimbledon-Finalist aus dem letzten Jahr, Milos Raonic.

Nadal, dessen Selbstvertrauen sich stets erst langsam aufbaut und dann in Erfolgsphasen zu einem reißenden Fluss wird, sieht sich auf einem guten Weg: "Das war heute ein ganz wichtiger Sieg, nachdem ich zuletzt bei großen Turnieren ein paar Fünfsatzmatches verloren habe." Es ist also gut möglich, dass Nadal, nachdem er am Samstag die Zukunft noch etwas hinausgezögerte, in einer Woche selbst um seinen zweiten Australian-Open-Titel spielt.



insgesamt 5 Beiträge
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shoper34 21.01.2017
1. Werbewirtschaft
Das systematische Hochjubeln des jungen Russen in Medien und Werbewirtschaft zeigt nur , dass im Profisport vor allem ums Geschäft geht , weniger um den ehemals "weissen" Sport. Textagenturen, Marketingfirmen , Investoren, Werbewirtschaft und korrupte Journalisten arbeiten Hand in Hand, um ein "Produkt" zu entwickeln , das dann den Leuten als Werbeträger verkauft wird. Und Ausländerämter, die gegenüber armen "Flüchtlingen" sonst sehr restriktiv sind, verteilen deutsche Pässe, damit irgendein Fußball- , Handball-, Schwimm- oder Tennistalent deutsch werden kann . Das wird dann auf kommunaler Ebene ausbaldowert.
Jörg68 21.01.2017
2. Russe?
Ich wusste gar nicht, dass Hamburg in Russland liegt! Alexander Zverev ist in Hamburg geboren, in Deutschland aufgewachsen und hat hier Tennis spielen gelernt. Und: Muss man jetzt auch schon fast jeden Artikel aus dem Spott mit dem Thema Flüchtlinge verlinken?
andererblickwinkel 21.01.2017
3. Tolle Zukunft!
Also zunächst mal @1: Also so einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Wie sie darauf kommen, dass ein in Hamburg geborener Junge keinen deutschen Pass haben sollte ist mir absolut unerklärlich. Aber wenn man ihren doch sehr sehr sehr sehr konservativen Kommentar liest, dann ist das Kreuz bei der nächsten Bundestagswahl schon erkennbar. Also: A.Z. ist deutscher mit ausländischen Wurzeln. Wie sehr viele von uns. Wie Wowereit einst (in anderem Kontext) sagte: "Und das ist auch gut so." Zu A.Z. Als Spieler: sehr viel Potential, welches der Junge hier mitbringt. Bewegt sich gut und ist in der Lage einen Ballwechsel clever zu steuern. Natürlich hat er ab und an jugendliche Fehler mit drin, aber das ist nun wirklich verzeihlich. Sein Grundlinienspiel zieht er souverän auf und ist auch nach langen Ballwechseln in der Lage einen Winner zu schlagen. Da wächst etwas heran. In 2-3 Jahren kann sicherlich der große Sprung gelingen.
StefanXX 21.01.2017
4. Unsymphatisch
Ich habe von Zverev zwar noch nie ein gesamtes Spiel gesehen, aber immer mal wieder Ausschnitte in diversen Sportsendungen und mir persönlich war sein Auftreten und seine Körpersprache dabei immer zu aggressiv. Auf mich macht er auf dem Platz auf jeden Fall einen unsymphatischen Eindruck.
Bueckstueck 22.01.2017
5.
Zitat von shoper34Das systematische Hochjubeln des jungen Russen in Medien und Werbewirtschaft zeigt nur , dass im Profisport vor allem ums Geschäft geht , weniger um den ehemals "weissen" Sport. Textagenturen, Marketingfirmen , Investoren, Werbewirtschaft und korrupte Journalisten arbeiten Hand in Hand, um ein "Produkt" zu entwickeln , das dann den Leuten als Werbeträger verkauft wird. Und Ausländerämter, die gegenüber armen "Flüchtlingen" sonst sehr restriktiv sind, verteilen deutsche Pässe, damit irgendein Fußball- , Handball-, Schwimm- oder Tennistalent deutsch werden kann . Das wird dann auf kommunaler Ebene ausbaldowert.
Das ist also die möchtergern-deutsche Neidmichelkultur: Aus einem Deutschen wird ein Russe gemacht, aus grossem Talent wird "hochgejubelt" gemacht und durch endloses Geschwurbel die eigene Naivität bezüglich Profisport zu Markte getragen, weil sonst zu wenig auf dem Bildschirm zu lesen wäre. Und dieses Gebräu würzt du dann noch mit erbärmlicher Fremdenfeindlichkeit. Da hast du dir gleich mehrere Eigentore geschossen.
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