Tenniscoach Mauresmo Die Erfolgstrainerin

Der Franzose Lucas Pouille hatte bei den Australian Open zuvor noch nie ein Spiel gewonnen. Jetzt steht er im Halbfinale. Zu verdanken hat er dies auch seiner Trainerin, Amélie Mauresmo.

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Amélie Mauresmo hat als Tennisspielerin viel erreicht, man könnte sagen: fast alles. Sie war die Nummer eins der Weltrangliste, sie hat die Australian Open 2006 gewonnen, im gleichen Jahr triumphierte sie auch in Wimbledon. Sie war die erste Französin, der dies gelang - seit Suzanne Lenglen. Und das war 1925.

Mauresmo weiß also alles über diesen Sport, und es ist nur logisch, dass sie dieses Wissen jetzt als Trainerin an Jüngere weitergibt. Dass dennoch zurzeit über sie diskutiert wird, dass darüber - wie auch hier gerade - extra Artikel verfasst werden, zeigt, welch langen Weg manche Dinge noch vor sich haben, bis sie völlig normal sind. Denn Mauresmo trainiert einen Mann.

Seit Beginn des Jahres coacht sie ihren Landsmann Lucas Pouille. Der Franzose ist der einzige Profi unter den Top 100 mit einer professionellen Trainerin. Er hatte sich an Mauresmo gewandt, nachdem sein Jahr 2018 für ihn eher frustrierend gelaufen war. Er war aus den Top Ten der Welt herausgerutscht, bei den Grand-Slam-Turnieren lief es nicht, er brauchte nach sechs Jahren der Zusammenarbeit mit seinem Coach Emmanuel Planque einen neuen Impuls.

Das ganz neue Gefühl des Sieges in Melbourne

Mauresmo ließ sich von Pouille überzeugen, es miteinander zu versuchen. Schon nach kurzer Zeit hat die Zusammenarbeit Ergebnisse gebracht: In fünf Jahren zuvor war Pouille bei den Australien Open immer in der ersten Runde ausgeschieden, er wusste überhaupt nicht, wie das ist, in Melbourne mal zu gewinnen. Jetzt steht er zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Nach dem Vier-Satz-Erfolg über den kanadischen Aufschlaghünen Milos Raonic im Viertelfinale ist es jetzt schon das erfolgreichste Turnier seiner Karriere. Am Freitag wartet mit Novak Djokovic allerdings ein ganz harter Brocken.

"Für mich ist es total egal, ob sie ein Mann ist, eine Frau, Großvater oder Großmutter", wird Pouille in der "New York Times" zitiert, ihm sei es ausschließlich wichtig, "jemanden um mich zu haben, der an mich glaubt und mir den Glauben gibt, dass wir es gemeinsam weit schaffen können". Dass es Leute gibt, die Bedenken anmelden, wie das denn so sei mit einer Trainerin in der Umkleidekabine, findet er lächerlich: "Wichtig ist, was auf dem Platz passiert, wie die Vorbereitung läuft und was nach dem Match passiert - wer in der Umkleidekabine ist, spielt für mich keine Rolle."

Mauresmo verzichtete für ihr Engagement an der Seite Pouilles auf einen anderen Job, der bisher männertypisch war. Der französische Verband hatte sie bereits für die kommende Saison als Nachfolger von Yannick Noah im Amt des Davis-Cup-Kapitäns angekündigt - auch hier wäre sie die erste Frau auf diesem Niveau gewesen. Ein langes Gespräch mit Pouille hat sie umdenken lassen.

Schon Bartoli zum Erfolg geführt

Ihre Kompetenz als erfolgreicher Coach hat die 39-Jährige ohnehin schon zu Genüge nachgewiesen. 2013 betreute sie Marion Bartoli, als die Französin ihr Karrierehighlight feiern durfte: Sieben Jahre nach Mauresmos Hauptgewinn auf dem Rasen von Wimbledon tat Bartoli es ihr nach und holte sich die begehrteste Trophäe im Tennis durch einen Sieg über Sabine Lisicki. Zuvor hatte sie mit Victoria Azarenka zusammengearbeitet, als die Weißrussin die Weltrangliste anführte. Drei Jahre lang hatte sie zudem die Verantwortung für das französische Fed-Cup-Team.

"Ob Frauensport oder Männersport, am Ende geht es auf dem Platz doch um exakt dasselbe", sagte Pouille vor dem Turnier in Melbourne, und nach diesen zwei Wochen dürfte es nicht mehr notwendig sein, die Entscheidung in der Öffentlichkeit ausführlich zu begründen. Die Resultate sprechen für sich.

Auf diesem Level im Männertennis hat bisher erst ein Spieler wirklich versucht, mit einer Trainerin im Rücken zu spielen. Großbritanniens Tennis-Hero Andy Murray engagierte 2014 einen weiblichen Coach und arbeitete zwei Jahre lang mit ihr zusammen. Der Hartplatzspezialist Murray hat in dieser Zeit sein erstes großes Sandplatzturnier gewonnen, in Madrid gelang es ihm dabei gar, den ultimativen Sandplatz-Matador Rafael Nadal zu schlagen.

Die damalige Trainerin hieß Amélie Mauresmo.



insgesamt 8 Beiträge
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schueler79 23.01.2019
1. Tolle Frau
Habe ja früher oft und gerne ihrem Spiel zugeschaut, eine richtige Powerfrau, hätte aber nicht gedacht, dass sie auch als Trainerin taugt. Tja so kann man sich irren, zur Zeit auch mit ihrem Schützling Pouille im Halbfinale der Australian Open sehr erfolgreich vertreten. Dort wird allerdings auch Schluss sein, denn dort wartet kein Geringerer als Djokovic.
roenga 23.01.2019
2. Was SPON hier nicht erwähnt
Ja, Murray hat dieses Sandplatzturnier gegen Nadal damals gewonnen, aber bei den Grand Slam Turnieren, also den Turnieren auf die es in der Karriere eines Tennisprofis ganz besonders ankommt, hat er mit der Trainerin Mauresmo wenig gerissen. Deshalb hat er dann ja auch den Schwenk zu seinem alten Trainer Ivan lendl vollzogen, mit dem er mehr Erfolg hatte ( insgesamt 3 Turnersiege bei Grand Slam Turnieren).
hooge789 23.01.2019
3. Fachkenntnisse werden unterschätzt
Ob Mann oder Frau, es wird nur all zu leicht übersehen wie viele Jahre sich ehemalige Spieler und Spielerinnen sich mit ihrem Sport beschäftigt haben. Was diese Leute an Erfahrung weitergeben können ist enorm. Da kann man als unbekannter Spieler nur zugreifen.
Sibylle1969 23.01.2019
4.
Als Mauresmo noch aktiv war, war sie meine Lieblingsspielerin, denn ich fand ihr Spiel sehr attraktiv. Kraftvoll, athletisch, dazu eine tolle einhändige Rückhand, die zu dieser Zeit nur von Justine Henin getoppt wurde.
Cogitatio33 23.01.2019
5. Klasse Arbeit
Absolut bewundernswert, was Pouille mit Mauresmo bei den Australian Open erreicht hat, vor allem wenn man bedenkt, dass er auch im Vorbereitungsturnier bereits in der ersten Runde ausgeschieden ist und es auch bis dahin sonst nicht wirklich gut lief. Bei den AO läuft es einfach...super. Ich hatte in meiner Jugend als Mannschaft-Sportler auch (unter anderen) eine weibliche Trainerin. Die war genauso gut, nervig und alles was dazugehört, als ihre männlichen Kollegen. Habe viel gelernt und auch Erfolge feiern dürfen. Ich denke, als Sportler macht man da keine Unterschiede. Das war vor über 30 Jahren. Damals gab es die ganze Diskussion noch nicht und man hat auch keine Artikel darüber geschrieben - war einfach so - und war auch gut so.
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