America's Cup Abheben oder untergehen

Der 33. America's Cup ist Geschichte: Langeweile auf dem Wasser, kostspielige Technik und zerstrittene Teams werfen Fragen nach der Zukunft des Rennens auf. Das Magazin "Segeln" analysiert den Wettbewerb - und sagt, wie der Cup überleben kann.
Abendstimmung beim America's Cup: Viele offene Fragen

Abendstimmung beim America's Cup: Viele offene Fragen

Foto: Manuel Queimadelos Alonso/ Getty Images

Es regnet und stürmt in Valencia an Tag eins nach dem America's-Cup-Triumph von BMW Oracle. Und es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Wogen glätten. Larry Ellison, Eigner des Sieger-Teams, hat am Abend seines Sieges versprochen, dass jetzt alles besser werden soll. Aber die Cup-Gemeinde ist skeptisch.

Findet der nächste Cup in San Francisco statt? Werden die Europäer es sich leisten können, dort anzutreten? Welche Boote werden gewählt - Einrumpfer oder Mehrrumpfer? Gibt es eine Ausscheidungsserie in Europa? Und schließlich: Wird der entthronte Titelverteidiger Alinghi wieder dabei sein? Russell Coutts von BMW Oracle sagt: "Natürlich sollten die besten Teams dabei sein." Er muss hoffen, dass Alinghi-Eigner Ernesto Bertarelli wieder antritt. Eine neue Auflage des Duells würde dem 34. Cup die Würze geben.

Für den Schweizer Bertarelli sind Multihulls (Mehrrumpfboote) die Zukunft des Wettbewerbs. Für die Segel-Teams, die zur Zeit in Valencia für die Louis Vuitton Series in Auckland trainieren (9. bis 21. März), hatte er nur Spott übrig. "Habt ihr die Boote im Vergleich zu unseren draußen gesehen?", fragte er die Medienvertreter und lachte höhnisch. Tatsächlich wirken die schmalen, schweren Yachten wie Dinosaurier. "Warum sollte man langsam segeln, wenn es auch schnell geht? Die Zeit der Spinnaker ist endgültig vorbei." Auch Alinghi-Taktiker Brad Butterworth sagte: "Ich bin ein Fan von Multihulls." Alinghi will seinen Technik-Vorsprung in dieser Klasse ausspielen.

Genau deshalb wollen die Teams in der Warteschleife als potentielle Konkurrenten keine derartigen Boote. Für neue Teams wie die Überreste der deutschen Kampagne, bei der Jochen Schümann mit den Franzosen im All4One-Team kooperiert, wäre der Wissensvorsprung nicht aufzuholen. Sie hätten keine Chance - und würden nicht mitmachen.

Zu wenig Raum für Taktik

Der Bootstyp ist nicht der einzige Streitpunkt. Viele Kritiker halten das Match-Race-Verhalten von Katamaranen für wenig spektakulär. Weil eine Wende im Vergleich zum Bootspeed extrem viel Zeit kostet, vermeiden Teams diese Manöver. Das begrenzt die taktischen Möglichkeiten auf dem Kreuzkurs. Es wird befürchtet, dass kaum noch spannende Bord-an-Bord-Kämpfe stattfinden.

Auch das Thema Kostensenkung ist für potentielle Syndikate ein großes Thema. Alinghi-Designer Rolf Vrolijk glaubt, dass es beim vergangenen Cup kaum ein halbes Dutzend der ursprünglich gemeldeten 19 Teams tatsächlich an die Startlinie geschafft hätten. Die Wirtschaftskrise wäre eine unüberwindliche Hürde gewesen. Ellison sagt vorerst nur: "Wir werden uns mit allen Herausforderern einigen." Das hat er immer gesagt. Daran wird er gemessen. Er kann es sich nicht leisten, einen ähnlichen Alleingang wie Alinghi zu starten.

Das ist die Hoffnung für den Cup. Denn nie war diese Regatta so am Boden wie nach der Schlammschlacht in den vergangenen zweieinhalb Jahren, als sich die Teams endlos über den Modus stritten. Das Interesse mag dadurch und durch das obszöne Technik-Wettrüsten kurz aufgeflackert sein. Ellison preist das schon als Erfolg.

Aber für die vielen arbeitslosen Cup-Profis klingt das wie Hohn. Wenn der Segelsport als Sponsor-Plattform eine Zukunft haben soll, muss sich jemand ohne großes Eigeninteresse um die Premium-Veranstaltung, den America's Cup kümmern.

Rhode Island, San Francisco - wo steigt der nächste America's Cup?

Ellison könnte diese Person sein. Genug Geld und die Liebe zum Sport bringt er mit. Das zeigt er bei der Pressekonferenz, als er nach seinen coolsten Momenten auf einem Segelboot befragt wird. Enthusiastisch mit leuchtenden Augen spricht er vom Steuer auf seinem Flügel-Tri.

Fest steht bis jetzt nur, dass der italienische Reeder Vincenzo Onorato mit seinem Mascalzone Latino Team Ellisons neuer Partner ist. Der streitbare mehrfache Weltmeister in der renommierten Kielbootklasse Farr 40 ist der neue Challenger of Record. Mit ihm und dessen Yacht Club Roma organisiert der Verteidiger den Cup.

Onorato stand beim Kampf gegen Alinghi von Anfang an auf der Seite Ellisons. Er ist ein enger Freund von Coutts und wird in der Szene als gute Wahl gesehen. "Wir wollen ein neutrales Management, eine unabhängige Jury und ein faires Spielfeld für alle Teilnehmer", sagte Ellison. Es ist die Antwort auf Bertarellis trotzige Aussage: "Sie haben nun eine große Verantwortung. Ich hoffe, sie machen es so gut wie wir."

Ebenfalls noch offen ist der zukünftige Austragungsort für den 34. America's Cup. Ellison wollte sich dazu noch nicht äußern. Es wird über den geschichtsträchtigen Cup-Hafen von Newport im US-Bundesstaat Rhode Island spekuliert. Dort hat Ellison im Januar ein Gelände erworben. Aber auch sein Heimatrevier unter der Golden Gate Bridge in San Francisco ist nicht unwahrscheinlich. Für Valencia hatte er auch warme Worte. "Das ist ein tolles Segelrevier."

Der America's Cup lebt noch. Aber nun kommt wohl die entscheidende Phase in seiner 159-jährigen Geschichte. Wird die Chance vergeben, dann ist diese Segelregatta kaum noch zu retten.

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