America's Cup Alinghis Triumph heizt Spekulationen an

Es war eine der spannendsten Entscheidungen der America's-Cup-Geschichte. Die Schweizer Alinghi holte sich quasi im Foto-Finish die Trophäe gegen Team New Zealand. Ebenso spannend ist die Zukunft des Cups: Zahlreiche Gerüchte über Hauptsponsor, Modus und Austragungsort machen die Runde.

Aus Valencia berichtet Frank Neumann


Das Ergebnis ist eindeutig, aber es sagt gar nichts aus über die Spannung des Duells. Auch wenn Titelverteidiger Alinghi mit 5:2 den Herausforderer Team New Zealand letztlich deutlich besiegte und zum zweiten Mal nach 2003 die alte Silberkanne eroberte, so waren die Finalmatches doch so hart umkämpft wie schon lange nicht mehr. Vor allem das letztlich entscheidende siebte Duell war an Dramatik nicht zu überbieten.

Finalisten Alinghi, Team New Zealand: Kollektiver Stoßseufzer
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Finalisten Alinghi, Team New Zealand: Kollektiver Stoßseufzer

Sportlich stellte die 32. Auflage des America's Cup deshalb die vorherigen Wettbewerbe klar in den Schatten. Allein das Finale 1983 vor dem amerikanischen Newport, als die Australier die US-Yacht Liberty von Dennis Connor 4:3 besiegte, gilt in der langen Geschichte der 156 Jahre alten Veranstaltung als ähnlich spektakulär.

Unbestritten ist auch, dass ein kollektiver Stoßseufzer der Erleichterung durch die Reihen der mehrheitlich auf den europäischen Markt fixierten Sponsoren gegangen sein wird, die eine Rückkehr des America's Cup ans andere Ende der Welt nach Ozeanien nicht besonders freudig begrüßt hätten. Dies hätte bei einem Erfolg des Teams New Zealand gedroht. Nun aber bleibt der America's Cup in Europa. Das darf nach dem Triumph des Schweizer Syndikats als gesichert gelten.

Merkwürdige Gerüchte

Erleichtert wird man auch bei der deutschen Kampagne sein, die stets betont hatte, ohne Events in Europa nicht weitermachen zu wollen. Die geglückte Titelverteidigung des Schweizer Milliardärs und Alinghi-Bosses Ernesto Bertarelli, die Verpflichtung des Deutsch-Polen Karol Jablonski (von Desafio) als künftigen Steuermann und die Tatsache, dass die Deutschen schon mit dem Bau einer neuen Yacht begonnen und sich bereits eine offizielle Segelnummer (GER 101) gesichert haben, lässt es als sehr wahrscheinlich erscheinen, dass das Team Germany noch einmal antritt.

Doch darüber hinaus kann eigentlich nur spekuliert werden. Mag der America's Cup auch noch so sehr den Umbruch von einer elitären Segelveranstaltung zum massentauglichen Medienevent bewerkstelligt haben: In Sachen Geheimhaltung geht es immer noch zu wie in einem Altherrenclub. Die entscheidenden Deals werden von den Mächtigen in Hinterzimmer ausgehandelt. Nach außen verrät man erstmal lieber nichts und lässt die interessierte Öffentlichkeit im Unklaren. Was bisweilen merkwürdige Gerüchte hervorbringt: So zum Beispiel die Behauptung, Alinghi-Eigner Ernesto Bertarelli plane, sich vom Segeln ab- und der Formel 1 zuzuwenden, um den Motorsport-Impresario Bernie Ecclestone zu beerben.

Vieles ist natürlich auch Verhandlungstaktik. Den Anfang machte ausgerechnet Bruno Troublé. Der Botschafter und Sprecher von Louis Vuitton, der kürzlich in die Hall of Fame des Cups aufgenommen wurde, ließ durchblicken, dass der Luxuskonzern sich möglicherweise als einer der Hauptsponsoren aus dem Cup zurückziehen werde. Die Worte Troublés, der im Segeln eine Institution ist und 1983 die nach Louis Vuitton benannte Herausfordererrunde einführte, wiegen schwer. "Wir werden nicht mehr dabei sein, wenn sich der America's Cup zu einer rein kommerziellen Sport-Veranstaltung entwickelt, in der es nur ums Geld geht. Das interessiert uns nicht, weil die Marke Louis Vuitton keine Sport-Marke ist", sagte Troublé.

Red Bull statt Kristallschalen

Im firmeneigenen Shop am Hafen von Valencia ist ein Schlüsselanhänger für 150 Euro eines der günstigsten Souvenirs, eine Kristallschale von Louis Vuitton kostet 3200 Euro. Das zeigt, dass das Fußvolk der fünf Millionen Besucher, die im Laufe der vergangenen drei Jahre zum Cup gepilgert sind, und lieber Bier oder die Energiedrinks von Victory-Challenge-Sponsor Red Bull trinken, kaum noch etwas mit der Klientel der Edelmarke gemein hat. Die wünscht sich für den Cup einen exklusiveren Anstrich. Freilich ist der Ausstieg noch keine beschlossene Sache.

Ebensowenig ist der Verbleib des America's Cup in Valencia offiziell, obwohl in diesem Fall Fotografen wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet haben. Auf Internetseiten tauchten Bilder von Alinghi-Unterhändlern mit dem Präsidenten der Region Valencia und Sanchez Galan, dem Chef der spanischen Segelkampagne und deren Hauptsponsor Iberdrola, auf. Unterzeichnet wurde wohl der Vertrag, der die Spanier als sogenannter "Challenger of Record" anerkennt. So bezeichnet man im Cup das erste Team, das den neuen Titelträger herausfordert.

Es ist mehr als ein symbolischer Akt, weil der "Challenger of Record" größere Mitspracherechte beim künftigen Cup genießt als die übrigen Herausforderer. Kaum zu glauben, dass diese Einigung zustande käme, falls der America's Cup nicht vor der Küste Spaniens bliebe. Aber letztlich hat der Sieger zu entscheiden. Und Bertarellis Statthalter Michael Bonnefous, Chef des America's Cup Management (ACM), sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", es sei "eine Option, dass wir in Valencia bleiben, aber eben nur eine Option".

"Vier Jahre sind eine lange Zeit"

Zwar verhandelt ACM derzeit noch exklusiv mit Valencia, doch falls es zu keiner schnellen Einigung komme, werde man auch mit anderen Städten reden. "Der America's Cup ist extrem begehrt. Es gibt vier europäische Orte, die sehr interessiert sind", sagte Bonnefous. Auch so kann man Preisverhandlungen anheizen. Denn allein um den Zuschlag als Austragungsort zu erhalten, zahlte Valencia 90 Millionen Euro an ACM. Eine Summe, die in den laufenden Verhandlungen bestimmt nicht geringer geworden ist.

Eine konkrete Aussage zum künftigen Modus der Veranstaltung fehlt ebenfalls. Mit Einführung der sogenannten Acts, also den Vorregatten, die als europäische Roadshow gestartet wurde, hat Bertarelli den Terminplan schon jetzt aufgeblasen. Bei 13 Acts in vier Ländern sahen die Zuschauer Hunderte von Segelduellen, bevor der eigentliche America's Cup begonnen hatte. Nun wird darüber nachgedacht, das Austragungsintervall zu verkürzen - alle zwei statt vier Jahre soll der Cup womöglich stattfinden.

Aber auch hier legte sich Bertarelli im Interview mit dem SPIEGEL nicht fest. "Vier Jahre sind eine lange Zeit", stellte Bertarelli lediglich fest. Selbst ein Modus nach dem Vorbild der Formel 1 mit einer jährlichen Weltmeisterschaft an verschiedenen Orten wurde bereits als Option gehandelt. Erste Klarheit wird es frühestens in einigen Tagen geben. Wenigstens bleibt es nun sogar nach dem Ende des America's Cups spannend.

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