America's Cup Artemis segelt mit Trauerflor

Das Gedenken an Andrew Simpson segelt mit. Nach dem tragischen Unfalltod des Skippers nimmt die Artemis-Crew verspätet das Rennen um den America's Cup auf. Besonders für Teamkollege Iain Percy wird das Halbfinale eine besondere Belastung.

Artemis-Crew: Erster Start nach dem tödlichen Trainingsunfall
REUTERS

Artemis-Crew: Erster Start nach dem tödlichen Trainingsunfall


Hamburg - Ein Trauerflor unter der schwedischen Flagge, schwarze Bänder mit dem Namen "Bart" an der Segelkleidung: Mit der Erinnerung an ihren ertrunkenen Kollegen Andrew "Bart" Simpson beginnt für die Artemis-Crew am Dienstag mit mehrwöchiger Verspätung der 34. America's Cup. "Hinter uns liegt eine harte Zeit. In Gedanken wird Bart immer bei uns sein", sagte Skipper Iain Percy über seinen verstorbenen Jugendfreund Simpson, ehe er zum geplanten ersten Halbfinale gegen die italienische Luna Rossa aufbrach.

Seit ihrem zehnten Lebensjahr waren die Briten Percy und Simpson befreundet. Bei Olympia 2008 in China holte das Duo Seite an Seite Gold, 2012 in London Silber. Bei Simpsons Hochzeit war Percy Trauzeuge.

Am 9. Mai 2013 passierte dann das Unglück, als der Artemis-Katamaran im Training vor San Francisco kenterte. Nach der Havarie in Sichtweite zur Golden Gate Bridge war Simpson unter Wasser eingeklemmt, Percy und weitere Helfer tauchten ab und versuchten vergeblich, den bereits bewusstlosen 36-Jährigen mit Sauerstoff zu versorgen.

Viel Zeit zum Trauern blieb nicht. "Ein paar Gespräche wären sicher nicht schlecht gewesen. Aber wir waren einfach zu beschäftigt", sagt Percy. Denn während die Konkurrenz längst um Punkte segelte, mussten die Schweden unter Hochdruck ein neues Boot bauen. Erst am 25. Juli ging es endlich aufs Wasser. "Ganz ehrlich: Das war ein sehr, sehr schwieriger Tag. Ohne Andrew zu segeln, hat mich tief bewegt. Die Jungs haben das gewusst, und wir haben ihm noch einmal Respekt erwiesen", so Percy.

Seither trainierte die Artemis-Crew intensiv. Ein Sieg gegen die Italiener scheint dennoch ausgeschlossen. "Nach so wenig Zeit auf dem Wasser können wir Luna Rossa kaum schlagen", sagt Steuermann Nathan Outteridge (Australien), der auch bei der Havarie im Mai die schwedische Yacht gelenkt hatte. Die ersten Stunden auf dem schwierig zu segelnden Katamaran offenbarten ernsthafte Probleme. Vier Siege sind nötig, um das Herausforderer-Finale gegen Neuseeland zu erreichen.

Dort wird ab dem 17. August der Gegner von Titelverteidiger Oracle (USA) ermittelt, die Finalregatten finden vom 7. bis zum 21. September statt. Für Iain Percy ist das alles noch weit weg: "Für uns ist es schon ein Erfolg, überhaupt an den Start zu gehen. Jetzt wollen wir unser Bestes geben. Auch für Bart."

aha/sid



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tvinnefossen 06.08.2013
1. seltsam, diese Welt von heute...
Zitat von sysopREUTERSDas Gedenken an Andrew Simpson segelt mit. Nach dem tragischen Unfall-Tod des Skippers nimmt die Artemis-Crew verspätet das Rennen um den America's Cup auf. Besonders für Teamkollege Iain Percy wird das Halbfinale eine besondere Belastung. http://www.spiegel.de/sport/sonst/america-s-cup-artemis-segelt-erstmals-nach-tod-von-andrew-simpson-a-915104.html
Es mag daran liegen, daß dieser Sport ein Millionengeschäft ist, befremdlich bis verabscheuungswürdig wirkt diese Vorgehensweis auf mich dennoch. Man kann es nicht genau beschreiben aber irgendwas dürfte den meisten Lesern an dieser Praxis doch seltsam vorkommen. Wie heißt es so schön: Wenn man es einem Kind nicht erklären kann, könnte mit der Sache irgendwas nicht ganz in Ordnung sein. Ein Mensch ist gestorben, also fährt man nicht... So meine Meinung aus der Ferne!
warp0 06.08.2013
2. hmhm
Zitat von tvinnefossenEs mag daran liegen, daß dieser Sport ein Millionengeschäft ist, befremdlich bis verabscheuungswürdig wirkt diese Vorgehensweis auf mich dennoch. Man kann es nicht genau beschreiben aber irgendwas dürfte den meisten Lesern an dieser Praxis doch seltsam vorkommen. Wie heißt es so schön: Wenn man es einem Kind nicht erklären kann, könnte mit der Sache irgendwas nicht ganz in Ordnung sein. Ein Mensch ist gestorben, also fährt man nicht... So meine Meinung aus der Ferne!
Es kann besser sein, im Alltag drinzubleiben oder Ziele, die man verwirklichen wollte zu verwirklichen statt traurig in der Ecke zu hocken. Für den gestorbenen Menschen ist das ohnehin irrelevant. Bzgl. der Psyche der Hinterbliebenen: Hinterher ist man immer klüger. "Hätte ich mal mehr geredet statt den America's Cup zu fahren" kann genauso gut kommen wie "hätte ich mal den America's Cup versucht zu gewinnen statt zu reden". Das ist nicht schlimm, denn die Entscheidung hatten sie zu dem Zeitpunkt nach bestem Wissen und Gewissen getroffen. Schlimm ist, wenn andere Menschen vorschreiben, was die Hinterbliebenen wie zu tun und zu lassen haben.
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