America's Cup Demonstration der Dominanz

Titelverteidiger Alinghi wurde beim America's Cup von BMW Oracle Racing deklassiert. Das Magazin "Segeln" hat das erste Rennen analysiert - und sieht wenig Chancen für einen anderen Ausgang im zweiten Aufeinandertreffen. Selbst auf dem Paradeabschnitt von Alinghi waren die Amerikaner besser.
Team BMW Oracle Racing: Erfolg im ersten Rennen

Team BMW Oracle Racing: Erfolg im ersten Rennen

Foto: REUTERS

Die älteste Sporttrophäe der Welt wird vermutlich wieder den Besitzer wechseln. Das scheint schon nach dem ersten Rennen des 33. America's Cups klar zu werden. Das Team von Oracle-Chef Larry Ellison dominierte seinen Gegner Ernesto Bertarelli am Steuer der "Alinghi 5" nach Belieben. Die Amerikaner benötigen jetzt nur noch einen weiteren Sieg am Sonntag, um den Cup nach San Francisco zu entführen.

Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli scheint von Anfang an gewusst zu haben, was da auf ihn zukommt. Er hat sich warm angezogen. Dicke rote Jacke, rote Fingerhandschuhe. Der Fahrtwind schneidet kalt in jedes Stück ungeschützten Fleisches, wenn sein Mega-Katamaran auf über 20 Knoten beschleunigt.

Bertarelli ragt nicht nur optisch aus seiner weiß bekleideten Truppe heraus. Er hat sich vom Mitsegler zum Steuermann befördert und steht jetzt am Rad seines 100-Millionen-Kats. Das ist der Tag, auf den er gewartet hat. Jetzt will er es seinem Milliardär-Kollegen Larry Ellison zeigen. Zeigen, wer der Beste ist. Auch Ellison steht am Steuer - er hat seine 140 Meter Yacht "Rising Sun" am Rande der Startzone verlassen und führt ein kleines Schlauchboot. Er will eng dran sein am Geschehen. Schweren Herzens verzichtet er darauf, an Bord zu sein.

Die Botschaft ist klar: Alinghi ist bereit

Es ist Alinghi Wetter. Leichter Wind, um fünf Knoten. So leicht, dass Wettfahrtleiter Harold Bennett die Geduld aller Beteiligten auf eine harte Probe stellt. Viereinhalb Stunden verschiebt er den Start, bis er die Bedingungen für ein faires Rennen gegeben sieht.

In der Zeit steuert Bertarelli seinen Kat um das Startschiff herum. Um die teilnahmslos im Wasser treibende gegnerische Yacht. Wie ein nervöses Rennpferd. Die Botschaft ist klar: Alinghi ist bereit. Der Wind reicht für einen Start aus. Dann zieht Bertarelli die rote Jacke aus. Heute soll ein Alinghi-Tag werden.

Um 14:30 Uhr beginnt die zehnminütige Startsequenz. Nach fünf Minuten werden die Kontrahenten aufeinander losgelassen. Die Startlinie wurde für dieses Rennen modifiziert. Damit diese schwer zu manövrierenden Monster bloß nicht am Anfang mit maximaler Geschwindigkeit aufeinandertreffen.

Die Regel besagt: "rechtzeitig". Aber was ist rechtzeitig?

Trotzdem passiert genau das. Alinghi ist in der kritischen Eintauchphase spät dran. Außerdem hat der Wind ungünstig nach links gedreht. Bertarelli schafft es nicht, vor dem Gegner zu passieren. Er realisiert das nur langsam, will es nicht wahrhaben und weicht spät mit einem Wendemanöver aus.

Zu spät, sagen die Schiedsrichter, die mit drei Motorbooten die Duellanten umkreisen. Regelverletzungen entgehen ihnen nicht. Auf dem Umpire-Boot wird ein Blaulicht eingeschaltet. Alinghi muss irgendwo auf dem Kurs einen 270-Grad-Strafkreis drehen. Eine harte Entscheidung. Hat Bertarelli wirklich zu spät mit seinem Ausweichmanöver begonnen? Es gibt keine Definition, keine Erfahrungswerte für diesen Bootstyp. Die Regel besagt: "rechtzeitig". Aber was ist rechtzeitig?

Schlimmer kann dieses Rennen für Alinghi nicht beginnen. James Spithill am Steuer der "USA" gelingt es danach obendrein, in der fünfminütigen Vorstartphase eine klar dominierende Position einzunehmen. Er blockiert den Gegner. Alinghi ist gefangen. Das Rennen scheint vorbei, bevor es begonnen hat.

Doch dann steht "USA" im Wind. Wie Anfänger treiben die Amerikaner rückwärts. Sie müssen hilflos zusehen, wie Alinghi sich aus der aussichtslosen Position löst. Als der Startschuss fällt, treibt BMW Oracle noch immer rückwärts. Alinghi startet mit einer Minute und 27 Sekunden Vorsprung.

Aber das Rennen ist lang. 20 Meilen. So wie es seit 1851 in der Stiftungsurkunde für den America's Cup steht. Nun muss sich zeigen, wie gut die Designer gearbeitet haben, welcher Speed erreicht wird, wie hoch die Boote an den Wind gehen können.

Vierfache Windgeschwindigkeit am Wind

BMW Oracle segelt hinterher. Das Schiff mit den drei Rümpfen krängt deutlich mehr zur Seite. Aber der 68 Meter hohe Flügelmast wird per Motor und Hydraulik 15 Grad nach Luv gezogen. Nun muss sich zeigen wie effektiv dieses feste Profil mit den neun beweglichen Segmenten im Vergleich zum konventionellen Alinghi-Segel ist. Bei einer Windstärke von fünf Knoten erreichen beide Boote die 20 Knoten-Marke. Vierfache Windgeschwindigkeit am Wind. Das sind unglaubliche Werte.

"USA" holt langsam auf. Nicht weil der Trimaran schneller ist. Er segelt etwas höher am Wind. Bei dem wenigen Wind ist noch ein zusätzliches Vorsegel gesetzt. Sechs Minuten nach dem Start ist der Abstand auf 360 Meter gesunken. Aber dann erhöht Alinghi das Tempo. 430 Meter. Zwölf Minuten lang sind die Boote etwa gleich schnell.

Dann kommt die Stunde von James Spithill. Nach exakt 15 Minuten und 27 Sekunden überholt der australische Steuermann den Schweizer Katamaran. Der Wind nimmt zu auf sieben Knoten. Das Vorsegel auf der "USA" flattert. Ein Schaden? Nein, es wird eingerollt. Es ist überflüssig. Bei höherer Geschwindigkeit ist sein Widerstand größer als der Vortrieb.

BMW Oracle fällt durch das Manöver kurz zurück. Nach einer halben Stunde beträgt der Vorsprung nur noch 150 Meter. Alinghi Fans schöpfen Hoffnung. Aber die Schweizer haben keine Chance. Eineinhalb Stunden nach dem Start liegen sie an der einzigen Wendetonne bereits über einen Kilometer zurück.

Das ändert sich auch nicht auf dem abschließenden Vorwindkurs. Und das ist die eigentliche Überraschung. Hier waren dem leichteren Katamaran klare Vorteile eingeräumt worden. Nach zwei Stunden und 30 Minuten quert "USA" die Ziellinie 3800 Meter vor dem Konkurrenten.

Kaum jemand glaubt, dass sich dieses Bild beim zweiten entscheidenden Rennen am Sonntag ändert.

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