America's-Cup-Finale Respektvolle Revanchisten

Für Spannung ist gesorgt. Am Samstag misst sich Titelverteidiger Alinghi wieder mit Team New Zealand im Kampf um den America's Cup. Die Finalserie 2003 war freilich eine sehr einseitige Angelegenheit. Gerade deshalb wollen es die Neuseeländer dieses Mal besser machen.

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Der sportliche Untergang begann bereits im Auftaktrennen. Das Boot von Team New Zealand lief voll Wasser und die Verankerung des Vorsegels riss. Die 31. und bislang letzte Auflage des America's Cup endete für die Gastgeber vor Auckland mit einer bitteren, teilweise gar peinlichen 0:5-Niederlage. Und das, obwohl die Neuseeländer vor dem ersten Startschuss bei Buchmachern und Experten als Favorit gehandelt worden waren. Doch sie erreichten im ersten Match ebenso wenig das Ziel wie bei Wettfahrt Nummer vier, als ihnen der Mast brach. Zu den Materialproblemen kamen Patzer der Segler. Während der zweiten Wettfahrt verspielte Skipper Dean Barker leichtfertig einen klaren Vorsprung, die Alinghi konnte ihn und seine Crew kurz vor der Ziellinie noch überholen. Match drei wurde bereits in der Vorstart-Phase entschieden. Nach einer letzten Überprüfung der Wetterdaten wählten die Schweizer die rechte Seite. Das brachte mehr Wind und einen Vorsprung, der nicht mehr in Gefahr geraten sollte. Auch in der Gesamtwertung. "Es ist noch keine Vorentscheidung gefallen, aber in Sachen Punktestand sind wir über den Berg", sagte damals der deutsche Alinghi-Sportdirektor Jochen Schümann anschließend.

Dabei hatte der dreimalige Olympiasieger wohl auch folgende Statistik im Kopf: Noch nie ist es einem Team in der 156-jährigen Geschichte des America's Cup gelungen, einen 0:3-Rückstand aufzuholen. Dass dies auch Team New Zealand nicht glückte, sorgte für ungewohnte Szenen in Auckland. Hunderte Schweizer Fans empfingen die Alinghi-Mannschaft im Hafen mit minutenlangem Kuhglocken-Geläut und Jodel-Einlagen. Die neuseeländischen Anhänger hatten ihr einstiges "Black Magic"-Team zu diesem Zeitpunkt längst in "Black Tragic" umgetauft.

Der Alinghi-Triumph war der erste Sieg eines europäischen Teams in der 152-jährigen Geschichte des America's Cups. Verbittert zeigten sich viele Neuseeländer vor allem darüber, dass mit Russel Coutts ein "Kiwi" die Alinghi steuerte. Coutts hatte 1995 und 2000 den Cup für Neuseeland gewonnen und war anschließend zu den Schweizern gewechselt. Mit 14 Siegen in Serie bei America's-Cup-Wettfahrten steht der 45-Jährige an der Spitze der ewigen Bestenliste. Nach einem Streit mit der Alinghi-Führung trennten sich die Schweizer 2004 von ihm. Mit Brad Butterworth haben sie jedoch wieder einen neuseeländischen Skipper verpflichtet.

Dieses Jahr geht es vor der auf maximal neun Rennen angesetzten Finalserie weitaus gesitteter zu als 2003. Damals hatte unter anderem ein Spionagefall für Aufsehen gesorgt. Während einer Trainingsfahrt war ein Alinghi-Begleitboot Team New Zealand verbotenerweise in dessen Trainingszone gefolgt und hatte die gegnerische Yacht fotografiert.

Heute verteilen die Konkurrenten überwiegend Komplimente an die Gegenseite. "Wir werden Alinghi nicht unterschätzen", sagt Neuseelands Skipper Dean Barker. Er will sich zwar für das Debakel von Auckland revanchieren, ist aber auch davon überzeugt, dass die neue Schweizer Yacht "noch einen Tick schneller sein wird" als das Vorgängermodell. Alinghis australischer Teammanager Grant Simmer rechnet mit einer knapperen Entscheidung als vor vier Jahren.

"Wir werden uns auf einiges vorbereiten müssen, auch darauf, einige Rennen zu verlieren", sagte Simmer nach dem Finale in der Herausforderer-Runde, dem Louis Vuitton Cup, das Team New Zealand 5:0 gegen die italienische Luna Rossa gewonnen hatte. Angst vor der Leichtwindstärke des Kontrahenten haben die Schweizer jedoch nicht. "Wichtig ist das Vertrauen in das eigene Schiff. Das haben wir", sagt Schümann. Neben internen Rennen mit den eigenen Booten SUI 100 und SUI 91 legte der 53-Jährige in der Vorbereitung auch Wert darauf, sich mit anderen Topteams zu messen.

Das Duell um den America's Cup wird im Best-of-nine-Modus ausgetragen. Die Yacht, die zuerst fünf Wettfahrten gewinnt, hat den Gesamtsieg sicher. Nach dem ersten Match am Samstag (23. Juni) folgt am Sonntag Rennen Nummer zwei. Montag (25. Juni) ist Ruhetag. Doch für einen Großteil der Crew wird es keine Ruhe geben. In der Regel sind Testfahrten angesetzt und ausgiebige Analysen der vorangegangenen Rennen.

Die weitere Abfolge von Renn- und Ruhetagen steht ebenfalls bereits fest. Am Dienstag und Mittwoch (26./27. Juni) wird wieder gesegelt, Donnerstag ist frei. Am Freitag (29. Juni) steht das fünfte Rennen auf dem Plan. Da könnte es für ein Team schon vorbei sein mit dem Traum vom großen Sieg. Sollte noch keine Entscheidung gefallen sein, sind Samstag (30. Juni), Sonntag (1. Juli) und Dienstag (3. Juli) als weitere Renntermine vorgesehen. Spätestens am Mittwoch (4. Juli) ist, wenn alles planmäßig verläuft, nach dem neunten und letzten Rennen klar, wer den Triumph feiern darf.

Die ganzen Ansetzungen können allerdings auch Makulatur werden. Sollte der Wind zu stark wehen oder – wie am Anfang der Regatten in Valencia - Flaute herrschen, müssten Wettfahrten abgesagt werden. Als Reservetage sind der 5. bis 7. Juli vorgesehen.



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