America's-Cup-Sieger BMW Oracle "Wing is King"

Amerikanischer Triumph vor Valencia: BMW Oracle hat den 33. America's Cup gewonnen. Trotz Alinghi-Wetters kamen die Schweizer mit riesigem Rückstand ins Ziel. Das Magazin "Segeln" nennt Gründe für die Niederlage - darunter ein Anfängerfehler vor dem Start.
Eigner Ellison, Taktiker Kostecki, Steuermann Spithill (v.l.n.r.): Berauscht vom Sieg

Eigner Ellison, Taktiker Kostecki, Steuermann Spithill (v.l.n.r.): Berauscht vom Sieg

Foto: Alberto Saiz/ AP

Larry Ellison hat es geschafft. Er hält diesen verdammten Cup in Händen, stemmt ihn in die Luft. Die Bässe der Triumphmusik wummern. Silberblaue, glänzende Schnipsel fliegen durch die Luft. Sein Gesicht ist rot. Vom Adrenalin, von der Kälte, von der Aufregung.

Diese Kanne wird ihn bei seiner zehnjährigen Jagd gut eine Dreiviertel Milliarde Euro gekostet haben. Aber in diesem Moment ist Ellison kein Milliardär, der sich etwas Nettes gekauft hat. Er ist nur ein Sportler. Berauscht vom Gefühl des Sieges. Für diesen Moment lohnt sich alles. Die Ausgaben, der Ärger, die Niederlagen. Im Moment des Sieges macht alles einen Sinn.

Ellison ist berauscht von dem Moment. Er ist ein guter Sieger. Bedankt sich bei seinem Team BMW Oracle, findet freundliche Worte für den Unterlegenen und drückt Konkurrent Ernesto Bertarelli schließlich die Hand. Je härter der Gegner, umso süßer schmeckt der Sieg. Der Schweizer hat ihm ein ordentliches Rennen geliefert. Ein besseres, als man nach dem ersten Renntag vermuten konnte.

Wieder müssen beide Teams lange warten, bis sie vom neuseeländischen Wettfahrtleiter Harold Bennett auf die Bahn gelassen werden. Der Mann versteht es, die Nerven aller Beteiligten auf eine harte Probe zu stellen. Erst Minuten vor der als letztmöglich angekündigten Startzeit (16.30 Uhr) lässt er das Rennen beginnen. Er will sich keine Parteilichkeit nachsagen lassen. Denn wieder herrscht leichtes Alinghi-Wetter. Die Schweizer wollen segeln. Sie wissen, dass sie bei mehr Wind chancenlos sind. Ernesto Bertarelli steht wieder selbst am Steuer. Er hat nach dem ersten Rennen viel Kritik einstecken müssen. Aber die Blöße, den Platz zu räumen, gibt er sich nicht.

Anfängerfehler der Alinghi

Dabei beginnt das Rennen wieder mit einem unglaublichen Anfängerfehler. Fünf Minuten vor Beginn der Vorstart-Phase befindet sich Bertarelli in einer verbotenen Zone. Ohne den Einfluss des Gegners wird Alinghi mit einem Penalty bestraft: Die Crew muss irgendwo auf dem Kurs einen Strafkreis absolvieren, der einige Minuten dauern wird.

Taktiker Brad Butterworth sagt später, Zuschauerboote hätten den Weg versperrt, um in die vorgesehene Startzone zu gelangen. Dabei waren nur 30 Zuschauerboote auf dem Kurs. So wenig Resonanz dürfte das Cup-Spektakel in seiner gesamten Geschichte selten gehabt haben. Butterworth setzt später im Rennen die rote Protestflagge. Es wäre ein unwürdiger Versuch geworden, das Ergebnis zu drehen. Er zog den Protest zurück.

Das Bertarelli/Butterworth-Gespann ist nach dem Schock über die Strafe sichtlich aus dem Rhythmus geraten. Es gestaltet auch den Rest der Vorstartphase wenig überzeugend. BMW Oracle kommt mit zwanzig Knoten und Vorfahrt angeschossen, setzt Alinghi unter Druck, zwingt die Schweizer zur Wende und startet mit einem Vorsprung von 24 Sekunden.

Funktioniert die Aerodynamik jetzt nicht mehr? War man sich zu sicher?

Das Rennen scheint gelaufen. Aber Alinghi schlägt zurück. Das Boot ist deutlich schneller als beim ersten Rennen. Es ist weniger Wind. Nur sechs Knoten. Funktioniert der BMW-Oracle-Flügel jetzt nicht mehr?

Thomas Hahn, neben Christoph Erbelding der zweite BMW-Ingenieur, der maßgeblich an der Entwicklung des Wunderflügels beteiligt war, kann auf dem Zuschauerboot kaum noch hinsehen. Funktioniert die Aerodynamik jetzt nicht mehr? War man sich zu sicher? War es doch ein Fehler von Larry Ellison und Russell Coutts, diesmal an Bord des Trimarans zu gehen?

Im ersten Rennen hatten sie noch gepasst. Der Grund: Ihr zusätzliches Gewicht würde bremsen. Nun ist der Wind aber noch leichter. Das Vorsegel bleibt zusätzlich zum starren Profil gesetzt, um zwei der drei Beine aus dem Wasser zu hebeln. Das ist der Problembereich für die "USA".

Alinghi wendet, kommt auf der rechten Seite des Kurses in günstigeren Wind und übernimmt die Führung. Das hat niemand erwartet. Plötzlich wird aus einer Machtdemonstration von BMW Oracle ein spannendes America's-Cup-Match. Sollte es nur durch den ausstehenden Strafkreis von Alinghi entschieden werden? Die Schweizer müssen etwas tun. Sie haben Vorfahrt, halten auf den Gegner zu, könnten ihn ausbremsen, noch einmal alles versuchen.

Über fünf Minuten Vorsprung im Ziel

Vor drei Jahren nutzte der damalige Alinghi-Steuermann Ed Baird genau diese Situation, um den Gegnern aus Neuseeland eine Strafe aufzubrummen. Es war ein geniales Manöver. Aber diesmal steht der Amerikaner nicht am Steuer. Das Verhalten dieser Mehrrumpf-Monster ist kaum bekannt, und es hätte wohl auch nichts gebracht. Auf den folgenden zwei Raumschotkursen zeigt der amerikanische Trimaran seine Überlegenheit. Dafür ist der Flügel gemacht. Er entwickelt maximalen Vortrieb. "Wing is King", feiern die BMW-Oracle-Fans. "USA" segelt einfach davon. Der Vorsprung im Ziel beträgt fünf Minuten und 26 Sekunden, als Alinghi seinen Strafkreis vor der Linie dreht. Larry Ellison hat mit seinem Team den America's Cup gewonnen.

Ernesto Bertarelli ist niedergeschlagen. Sticheleien kann er sich nicht verkneifen. Aber er hält sich gut. Bis Russell Coutts, sein ärgster Widersacher, ihn umarmen will. Erst macht er mit, dann schüttelt er den Kopf. Das ist ihm dann doch zu viel.

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