Neue NFL-Saison Skandale, Rekorde und ein alter Mann

Der Football fliegt wieder: Die NFL ist in die neue Spielzeit gestartet und Patriots-Quarterback Tom Brady könnte endgültig Legendenstatus erlangen. Zehn Gründe, warum die neue Saison spannend wird.

Patriots-Quarterback Brady: Bislang vier Super-Bowl-Siege
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Patriots-Quarterback Brady: Bislang vier Super-Bowl-Siege

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Eigentlich hätte er gar nicht spielen sollen. Vier Partien Sperre, so lautete das Urteil der National Football League (NFL) gegen Tom Brady im Deflategate, dem Skandal um zu wenig aufgepumpte Bälle. Doch Brady spielte und führte die New England Patriots in der Eröffnungspartie zu einem Sieg gegen die Pittsburgh Steelers, weil ein Zivilgericht die Sperre kurz vor dem Saisonstart der NFL aufhob.

Brady, Patriots, Deflategate: Damit sind nach nur einer Partie schon zentrale Themen der neuen Spielzeit benannt. Der Titelverteidiger gilt als einer der Favoriten auf den Titel und Quarterback Brady könnte mit einem weiteren Super-Bowl-Ring endgültig Geschichte schreiben. Fünf Meisterschaften, so viele hat noch kein Spielmacher in der NFL gewonnen.

Wer sind die anderen Favoriten? Auf welche Rookies sollte man achten? Woher kommt der fünfte deutsche NFL-Profi? Und warum droht den San Francisco 49ers eine Saison zum Vergessen?

SPIEGEL ONLINE nennt zehn Gründe, warum die neue NFL-Saison spannend wird.

Favoriten

Erster Anwärter auf die Meisterschaft sind die New England Patriots. Der Titelverteidiger um Star-Quarterback Tom Brady geht nahezu unverändert in die neue Saison und gilt als Top-Favorit. Sollte Brady mit seinem Team erneut triumphieren, wäre er mit dann fünf Super-Bowl-Siegen alleiniger Quarterback-Rekordhalter. Bislang teilt er sich die Bestmarke mit Joe Montana (San Francisco 49ers) und Terry Bradshaw (Pittsburgh Steelers), die jeweils viermal den Super Bowl gewannen. Als die stärksten Kontrahenten der Patriots gelten die Seattle Seahawks (Champion 2014) und die Baltimore Ravens (Champion 2013). Auch den Dallas Cowboys, Green Bay Packers und Indianapolis Colts werden gute Chancen eingeräumt, in den Playoffs weit zu kommen.

Deflategate

Mehr als 200 Tage lagen zwischen dem Super-Bowl-Sieg der New England Patriots Anfang Februar und dem Saisonstart am Donnerstag. In dieser Zeit gab es kein prominenteres Thema als "Deflategate", den Skandal um nicht hart genug aufgepumpte Bälle der Patriots vor dem Halbfinale im Januar gegen die Indianapolis Colts. Die von der NFL gegen New Englands Quarterback Tom Brady verhängte Vier-Spiele-Sperre hob ein Gericht wieder auf, die NFL hat die Entscheidung angefochten. Liga-Boss Roger Goodell macht in der ganzen Angelegenheit keine gute Figur. Wieder einmal, wie auch schon im Fall von Prügelprofi Ray Rice, der seine Frau k.o. geschlagen hatte und von Goodell zunächst nur für zwei Spiele gesperrt wurde. Deflategate, häusliche Gewalt, Goodells Fehler: Auch Skandale und der angezählte Liga-Boss werden wieder Themen in dieser Saison sein.

Alter Mann

Im März wurde Peyton Manning 39, er wird wohl seine letzte NFL-Saison bestreiten. Für den Star-Quarterback der Denver Broncos die letzte Möglichkeit, zum zweiten Mal nach 2007 (damals mit den Indianapolis Colts) den Super Bowl zu gewinnen. Und Manning kann seinen Rekord in der Kategorie Touchdown-Pässe weiter ausbauen (bislang 530). Die alte Bestmarke von Brett Favre (508) hatte er vergangene Saison gebrochen. Zudem wurde Manning bislang viermal wertvollster Spieler (MVP) der NFL, auch das ist Rekord.

MVP-Watch

Most Valuable Player, der wertvollste Spieler der Saison: Es gibt kaum eine individuelle Auszeichnung im US-Sport, die aufmerksamer verfolgt wird als die Ehrung zum MVP. Drei Profis gehören zum engeren Kreis der Anwärter. Aaron Rodgers von den Green Bay Packers gilt als einer der besten Quarterbacks der NFL und wurde schon vergangene Saison zum MVP gekürt. Mit seinem Team verpasste er nur knapp den Super Bowl, den Rodgers mit den Packers 2011 gewonnen hatte. Ein weiterer MVP-Kandidat ist Adrian Peterson, wertvollster Spieler 2012. Der Runningback der Minnesota Vikings war zuletzt allerdings Hauptdarsteller eines Prozesses, in dem er zugegeben hatte, seinen vierjährigen Sohn mit einer Gerte misshandelt zu haben. Von den Defensivspielern gilt Justin James "J.J." Watt zu den MVP-Anwärtern. Der 26 Jahre alte Defensive End der Houston Texans wurde bereits in seiner zweiten Saison als NFL-Defensivspieler des Jahres ausgezeichnet.

Rookies

Die diesjährige Draft, bei der die NFL-Klubs die Talente vom College auswählen, war geprägt vom Zweikampf zweier Quarterbacks. Jameis Winston und Marcus Mariota gelten als Spielmacher der Zukunft. Winston wurde an erster Stelle ausgewählt, er bekam bei den Tampa Bay Buccaneers einen Vertrag. Mariota war der zweite Pick und spielt künftig für die Tennessee Titans. Die beiden trafen vergangenes Jahr im Halbfinale der College-Playoffs aufeinander, damals gewann Mariotas Team. Am ersten Spieltag dieser NFL-Saison treffen sie sich schon wieder: Die Buccaneers empfangen die Titans.

Undrafted

Er galt vor der Saison als eines der größten Talente, bei der Draft wurde La'el Collins aber nicht ausgewählt. Der Guard wurde von der Polizei im Zuge eines Mordfalls verhört, weil die erschossene schwangere Frau einst mit Collins liiert gewesen war. Daher nahmen die NFL-Klubs Abstand von einer Verpflichtung. Allerdings war der 22-Jährige nicht verdächtig und ist unschuldig. Nachdem der Fall geklärt war, nahmen die Dallas Cowboys Collins unter Vertrag. Der Spieler ist in jedem Fall ein Schnäppchen und könnte sich als Glücksgriff erweisen.

Deutsches Quintett

Aus vier werden fünf: Sebastian Vollmer (New England Patriots), Markus Kuhn (New York Giants), Björn Werner (Indianapolis Colts) und Kasim Edebali (New Orleans Saints) spielten schon in der vergangenen Saison in der NFL, nun kommt Mark Nzeocha dazu. Der 25-Jährige stammt aus dem bayerischen Ansbach und wurde von den Dallas Cowboys in der siebten Draft-Runde an 236. Stelle ausgewählt. Allerdings wird sich Nzeochas mögliches NFL-Debüt noch etwas verzögern, er fehlt seinem Team noch wegen eines im Oktober erlittenen Kreuzbandrisses.

Redskins-Diskussion

Sportlich spielten die Washington Redskins in den vergangenen Jahren kaum noch eine Rolle, doch über kaum ein anderes NFL-Team wird so kontrovers diskutiert. Schon lange protestieren Ureinwohner und Menschenrechtsverbände gegen den Namen (übersetzt Rothäute) und das Logo des Klubs. Ihr Vorwurf: Beides sei rassistisch und beleidigend. In der vergangenen Saison gab es die bislang größte Demonstration gegen die Redskins, in dieser Spielzeit dürfte sich der Konflikt fortsetzen. Die Redskins-Gegner und viele Medien sprechen mittlerweile nur noch vom Team aus Washington.

Geschwächte 49ers

In den vergangenen Jahren galten die San Francisco 49ers stets als Titelkandidat, 2011 (Niederlage im Halbfinale), 2012 (Niederlage im Super Bowl) und 2013 (Niederlage im Halbfinale) verloren sie aber stets kurz vor dem Ziel. Nach einer enttäuschenden Saison 2014 trennten sich der Klub und Headcoach Jim Harbaugh. Zudem verließen mit Offense-Coach Greg Roman und Defense-Coach Vic Fangio zwei wichtige Personen aus dem Trainerstab das Team. Und dann müssen die 49ers auch noch so wichtige Spieler wie Patrick Willis, Chris Borland, Anthony Davis, Justin Smith (alle zurückgetreten), Michael Crabtree (Oakland Raiders), Mike Iupati (Arizona Cardinals) und Frank Gore (Indianapolis Colts) ersetzen, was kaum möglich ist. Das prominente Team von der Westküste gilt in diesem Jahr als krasser Außenseiter.

Super Bowl 50

Im kommenden Jahr steigt das Jubiläum: Am 7. Februar 2016 findet zum 50. Mal der Super Bowl statt. Das NFL-Finale steigt im neuen Stadion der San Francisco 49ers in Santa Clara. Aus optischen Gründen weicht die NFL dieses Mal von der Nummerierung des Super Bowl mit einer römischen Zahl ab (L steht für 50). Super-Bowl-Rekordsieger sind die Pittsburgh Steelers mit sechs Titeln, gefolgt von den 49ers und Dallas Cowboys (je fünf Meisterschaften).

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Wir wird in dieser Saison NFL-Champion?



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
deus-Lo-vult 11.09.2015
1.
Und? Wo sind die 10 Gründe?
oxymoron!!! 11.09.2015
2. Fragen über Fragen. ..
aber wo sind die Antworten?
hanswurster 11.09.2015
3. Superbowlfavoriten
Ernsthaft die Ravens? Es scheint, dass dort einfach die drei letzten Gewinner aufgeführt sind. Die Ravens wären schon im Halbfinale eine riesen Überraschung. Als SB-Sieger hat die wohl niemand auf der Rechnung. Und die Patriots sind auch nicht beinahe unverändert. Sie haben ihrenim Passspiel starken Running Back verloren und vor allem alle die stärksten Corner Backs. Die Passverteidigung war eine der ganz großen stärken letztes Jahr. Jetzt ist der beste Mann Butler, der vor dieser Saison noch nie ein Spiel gestartet ist... Trotzdem zählen sie natürlich zu den Favoriten, aber man sollte nicht alles so verkürzen.
jakopp.auckstayn 11.09.2015
4.
Dann solltet ihr die Galerie nach rechts scrollen,ob das nun aber wirklich die spannendsten Gründe sind,sei dahingestellt.Einiges ist sicherlich interessant.
Konakri 11.09.2015
5.
" Als die stärksten Kontrahenten der Patriots gelten die Seattle Seahawks (Champion 2014) und die Baltimore Ravens (Champion 2013)." Ravens? Die haben Glück, wenn sie in die Playoffs kommen! Wenn Laien Beiträge schreiben....
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