Tour de France Greipel holt dritten Etappensieg

Im Sprint ist er kaum zu schlagen: André Greipel hat die 15. Etappe bei der Tour de France gewonnen. Es ist bereits der dritte Erfolg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt für den 33-Jährigen. John Degenkolb hatte erneut das Nachsehen.

Sprinter Greipel: In seiner Paradedisziplin kaum zu bezwingen
AP/dpa

Sprinter Greipel: In seiner Paradedisziplin kaum zu bezwingen


André Greipel ist bei der 15. Etappe der Frankreich-Rundfahrt erneut zum Sieg gesprintet. John Degenkolb vom Giant-Alpecin-Team muss dagegen weiter auf seinen ersten Erfolg warten, er wurde Zweiter und machte damit den deutschen Doppeltriumph auf dem 183 Kilometer langen Abschnitt von Mende nach Valence perfekt. Dahinter landeten der Norweger Alexander Kristoff und Peter Sagan aus der Slowakei.

Nach seinen Erfolgen in Zeeland und Amiens konnte Greipel bereits zum dritten Mal jubeln. Insgesamt hat er jetzt neun Tagessiege bei der Tour verbucht. "Das ist ein Super-Tag. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und mich. Von Kilometer null an mussten wir heute leiden", sagte der Fahrer der Lotto-Soudal-Mannschaft, der sich bei der vergangenen Etappe eine schmerzhaften Schnittwunde am linken Knie zuzog: "Ich bin eben ein Fischkopp. Ich stecke sowas weg."

Für den sieben Jahre jüngeren Degenkolb war es dagegen bereits zum fünften Mal nur der zweite Platz. Dabei war er aufgrund des schwierigen Abschnitts mit zwei Bergwertungen eigentlich höher eingeschätzt worden.

Dass es überhaupt zu einem Massensprint kam, war eher überraschend: Die beiden letzten Ausreißer wurden knapp 30 Kilometer vor dem Ziel gestellt, kurz nach dem schweren Anstieg zum Col de l'Escrit. Anschließend war das Tempo im Hauptfeld so hoch, dass keiner mehr entkam. Die Attacken kurz vor dem Ziel hatten allesamt keinen Erfolg, so entschied ein Massensprint über den Sieg. Christopher Froome verteidigte sein Gelbes Trikot ohne Mühe. Auch Konkurrent Nairo Quintana verlor keine weitere Zeit auf den Briten.

Nach der Urin-Attacke gegen den Kapitän der Sky-Mannschaft ist das britische Team vor der Etappe nach Valence unter Polizeischutz gestellt worden. Sechs Beamte bewachten die Fahrer vor dem Bus, die sich offenbar schon seit Tagen mit Anfeindungen auseinandersetzen mussten. Richie Porte sagte, er sei auf der Etappe nach Le Pierre-Saint-Martin von einem Zuschauer in die Rippen geschlagen worden. Froome machte die negative Berichterstattung in Frankreich für den Vorfall verantwortlich und zielte in erster Linie auf die früheren Radprofis und heutigen TV-Experten Laurent Jalabert und Cedric Vasseur.

Tourchef Christian Prudhomme rief die Leute am Straßenrand zu Fairness auf: "Die Zuschauer dürfen ihren Unmut äußern, müssen aber natürlich die Fahrer respektieren und deren Integrität wahren."

Die Frankreich-Rundfahrt wird am Montag mit der 16. Etappe von Bourg de Péage nach Gap über 201 Kilometer fortgesetzt (12.40 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Dabei fährt das Feld erstmals in diesem Jahr in den Alpen. Die Hochgebirgsabschnitte beginnen am Mittwoch nach einem Ruhetag.

zaf/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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PowlPoods 19.07.2015
1. So
wie Greipel dieses Jahr am Horn zieht und alles in Grund und Boden stampft beim Sprint, müssen leider auch Zweifel aufkommen. Letztes Jahr hat er keinen Stich gegen Kittel gemacht und auf einmal explodiert er und kommt sogar gut über die Berge. Also das Mißtrauen darf nicht nur für die Skymutanten gelten. Ich finds jedenfalls mindestens erstaunlich, was Greipel abliefert.
bias2013 19.07.2015
2. Entweder...
Respektiert man die schier unmenschliche Leidensfähigkeit dieser Athleten oder man lässt es. Ich persönlich stehe leistungssteigernden Mitteln auch sehr kritisch gegenüber, aber dass mehr als 2 Drittel aller Kommentare zu Radsportartikeln Doping Unterstellungen beinhalten, finde ich lächerlich. Es gehört in allen medial und somit wirtschaftlich wichtigen Sportarten dazu, ja sogar zu unserer heutigen Leistungsgesellschaft außerhalb des Sports. Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn man sich hier mal auf die eigentliche Sache, nämlich den Sport, den Kampf Mann gegen Mann bzw. Team gegen Team aüßern und diskutieren würde. Um mit gutem Beispiel voran zu gehen: Ich denke Greipel ist der mit Abstand stärkste Sprinter der Tour, Sagan ist der bessere Taktiker und kommt noch etwas besser über die Berge. Daher wird er wohl Grün gewinnnen. Degenkolb gönne ich von Herzen seinen ersten Etappenerfolg, der Mann ist einfach super sympathisch und er hat bei den Frühjahrsklassikern wirklich Tolles geleistet. Aber er wird seinen Sieg noch bekommen, spätestens im nächsten Jahr. Ich hoffe aber auf morgen :-)
Le Commissaire 19.07.2015
3. falsch
Zitat von PowlPoodswie Greipel dieses Jahr am Horn zieht und alles in Grund und Boden stampft beim Sprint, müssen leider auch Zweifel aufkommen. Letztes Jahr hat er keinen Stich gegen Kittel gemacht und auf einmal explodiert er und kommt sogar gut über die Berge. Also das Mißtrauen darf nicht nur für die Skymutanten gelten. Ich finds jedenfalls mindestens erstaunlich, was Greipel abliefert.
Greipel hat bei der letztjährigen Tour eine Etappe gewonnen. Und wenn Kittel nicht dabei ist, ist es irgendwie klar, dass Greipel mehr rausholen kann, finden Sie nicht auch? Übrigens hat Gripel im vergangene Jahr bis zur Tour de France mehr Siege geholt als in diesem, inklusive der deutschen Meisterschaft. Dieses Jahr zeigt Greipel bislang keinsfalls eine bessere Leistung als letztes Jahr, eher eine schlechtere. Wenn es beim Fußball anteilsmäßig so viele "Experten" gäbe, die Dopingdiskussionen dort würden die Speicherkapazitäten jedes Servers überlasten. Aber weil es dort keine Dopingfälle gibt (bei den Alibikontrollen ist nichts anderes zu erwarten), glauben wohl alle, es ginge dort sauber zu -- so sauber wie bei der FIFA.
spon-1309986622190 20.07.2015
4. Wie sie selbst sagen
Letztes Jahr hat greipel gegen Kittel meist (!) den kürzeren gezogen. Kittel ist dieses Jahr nicht dabei. Jetzt muss man wahrlich kein Genie sein um zu erkennen, dass greipel dann logischerweise deutlich bessere Chancen auf einen Sieg hat. Alles in Grund und Boden stampfen kann man jetzt allerdings auch nicht sagen, Cavendish hat auch schon eine Etappe im Sprint gewonnen.
edurojo 20.07.2015
5. Schön,
dass die sachlichen Kommentare (Nr.2-4) in Sachen Radsport und Tour de France mal nicht untergehen.
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