Anti-Doping-Experte zu Armstrong "Eindeutiger Fall mit klaren Fakten"

Der französische Anti-Doping-Fachmann Jacques de Ceaurriz hat die Vorgehensweise seines Labors nach der heftigen Kritik von Lance Armstrong verteidigt und hält die Ergebnisse für korrekt. Der Amerikaner hatte heute damit gedroht, rechtliche Schritte gegen die Einrichtung einzuleiten.


Wissenschaftler da Ceaurriz: Genügend Urinproben vorhanden
AFP

Wissenschaftler da Ceaurriz: Genügend Urinproben vorhanden

Paris - Der Franzose betonte, dass die Proben in seinem Labor anonym untersucht wurden, bezweifelt die Informationen der Zeitung "L'Equipe" hinsichtlich Armstrong aber nicht: "Ich denke, man kann ihnen absolut vertrauen. Sie haben alles getan, um Beweise zu erbringen." De Ceaurriz verweist bei allen Positivproben auf sichere Spuren von körperfremden EPO und die Möglichkeit zweifelsfreier DNA-Analysen.

Die alten Proben seien aufgrund neuer Testmethoden noch einmal hervorgeholt und in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada erneut analysiert worden. Somit sei die Behörde über alle Untersuchungen informiert gewesen. Armstrongs Vorwurf, dass das Pariser Labor gegen die Bestimmungen der Geheimhaltung von Namen verstoßen habe, wies er zurück.

De Ceaurriz, Leiter des französischen Anti-Doping-Labors in Chatenay-Malabry, bestätigte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" die Angabe der "L'Equipe" über die Anzahl der positiven Dopingproben bei der Tour 1999 und gab weitere Befunde bekannt.

Schärfere Richtlinien gefordert

"Es gab diese zwölf positiven Proben von 1999. Doch die veröffentlichen Proben sind nur ein Teil der wissenschaftlichen Informationen, die wir an die Wada weitergegeben haben. Es gibt auch positive Proben aus dem Jahr 1998", sagte de Ceaurriz der "Süddeutschen". "Von 1999 haben wir etwa 80 Proben untersucht, davon waren 12 positiv. Von 1998 wurden rund 70 Proben untersucht, davon waren 40 positiv. Das bedeutet nicht, dass 40 verschiedene Fahrer gedopt waren. Es kann auch nur einen kleinen Teil des Fahrerfeldes betreffen", so de Ceaurriz.

Verdächtigter Armstrong: Rechtliche Schritte angekündigt
AP

Verdächtigter Armstrong: Rechtliche Schritte angekündigt

"Die Wada wollte wissen, ob die Sportler ihre Dopingmethoden in den vergangenen Jahren verändert haben. Sie vermutete auch, dass die Fahrer im Training stärkere Dosen nehmen und diese dann im Rennen nur noch auffrischen. Wir sollten herausfinden, ob diese geringen Dosen während des Rennens noch zu entdecken sind" sagte de Ceaurriz.

Die Überlegung, die dahinter steckt, sei folgende: "Wenn die Dosen während des Rennens wirklich so gering sind, muss man dann nicht die Kriterien, ab wann ein Fahrer gedopt ist, verändern?", fragte der 56-Jährige. Der Mediziner wünscht sich nicht, wie bislang üblich, punktuelle, sondern im größerem juristischen Rahmen abschreckende Strafen. Urinproben seien zur Beweisführung jedenfalls noch in ausreichendem Maße vorhanden.

Rechtliche Schritte von Seiten Armstrongs, die der Texaner am Mitwoch auf einer Pressekonferenz in Washington angedroht hatte, fürchtet de Ceaurriz nicht: "Ein eindeutiger Fall mit klaren Fakten. Wir haben Informationen an die Behörden weitergegeben, nicht an die Presse. Das Labor hat die Anonymität der Proben respektiert. Wir haben niemals die Kontrollprotokolle mit Namen versehen."



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