Anti-Doping-Kampf Nada plant Einführung des Blutpasses

Der indirekte Nachweis soll den Doping-Kampf voranbringen: Die Nationale Anti-Doping-Agentur will 2012 den Blutpass einführen. Die Nada übte zudem scharfe Kritik an der Aufweichung des Kontrollsystems in Spanien. Dort dürfen die Doping-Ermittler nur noch tagsüber erscheinen.  
Dopingkontrollen: Blutpass kommt im nächsten Jahr

Dopingkontrollen: Blutpass kommt im nächsten Jahr

Foto: dapd

Hamburg - Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) will im Frühjahr 2012 den Athleten-Blutpass einführen. Das gab die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann am Donnerstag auf einem Anti-Doping-Workshop in Bonn bekannt. "Wir hoffen, dass wir in einem halben Jahr das Programm anfahren können", sagte Gotzmann und verwies auf erste Gespräche mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Anfang September.

Bislang folgen neun internationale Sportverbände und zwölf nationale Anti-Doping-Agenturen dem Blutpass-Programm der Wada. Ziel ist die dauerhafte Überwachung von Blutwerten und die mögliche Überführung von Doping-Sündern durch den indirekten Nachweis.

"Unser Ziel ist es immer, direkt nachzuweisen. Die Tendenz geht aber zu kleinen Dosen, die nur extrem kurz nachweisbar sind. Hier ist die indirekte Beweisführung, die das Zeitfenster der Nachweisbarkeit erhöht, eine große Hilfe", sagte Gotzmann. Wie viele deutsche Athleten in das Blutpass-Programm aufgenommen werden sollen, steht laut Gotzmann noch nicht fest.

Spanische Kontrollpraxis wird gelockert

Die Aufweichung der Kontrollregeln bei Dopingtests in Spanien kritisierte die Nada scharf. "Ich sehe diese Entscheidung sehr kritisch. Das ist absolut das falsche Signal", sagte Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes müssen spanische Sportler ab sofort keine nächtlichen Kontrollen mehr fürchten. Eine verschärfte Version des Anti-Doping-Gesetzes, das 2009 beschlossen worden war und auch nächtliche Kontrollen erlaubte, wurde rückgängig gemacht. Der spanische Radsportverband hatte Einspruch eingelegt. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Verbände an der Gestaltung der Gesetzesänderung nicht genügend Anteil nehmen konnten.

Bei der Nada steht eine Aussetzung der Nachtkontrollen nicht zur Debatte: "Wir wollen ein solches Fenster nicht öffnen, das wäre kontraproduktiv", sagte Mortsiefer. Ein Kontrollverbot in der Nacht bedeutet einen herben Rückschlag für Anti-Doping-Kämpfer. Niedrig dosierte Epo-Gaben wären praktisch nicht mehr nachweisbar, wenn sie nachts genommen würden. Spanien steht seit Jahren im Verdacht, beim Anti-Doping-Kampf nachlässig vorzugehen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwägt derweil eine Anfrage an das Internationale Olympische Komitee (IOC) bezüglich der nachträglichen Öffnung von Dopingproben, die während der Olympischen Spiele 2004 in Athen entnommen wurden. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Proben von damals nur noch bis Sommer 2012 gelagert werden.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper nahm bei dem Workshop in Bonn eine entsprechende Anregung auf. "Ich nehme das mit, wir werden das besprechen. Der DOSB ist die richtige sportpolitische Instanz, diesen Vorschlag zu machen", sagte Vesper.

Seit den Sommerspielen 2004 werden Dopingproben acht Jahre lang aufbewahrt. Wie erfolgversprechend eine mögliche Nachuntersuchung sein könnte, ist fraglich. Radprofi Tyler Hamilton (USA), der in Athen das Einzelzeitfahren gewonnen hatte, wurde im Nachhinein Blutdoping nachgewiesen. Er durfte seine Goldmedaille behalten, weil seine B-Probe unsachgemäß gelagert worden war.

mib/sid