Armstrong-Konkurrenten Die angefaulte Frucht

Lance Armstrong steht über allen Fahrern. So stark wie er ist niemand. Dafür genießt er Respekt. Trotzdem regieren auch Zweifel über seine grandiosen Leistungen.

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Armstrong im Feld: Sieben Jahre Übermacht
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Armstrong im Feld: Sieben Jahre Übermacht

Eric Boyer hat neulich ein bemerkenswertes Interview gegeben. Der Mann ist Teamchef der französischen Mannschaft Cofidis und war mal Fünfter bei der Tour de France 1988. Boyer ist schon lange im Geschäft und deshalb prädestiniert, den Rücktritt von Lance Armstrong und auch dessen Leistungen einzuordnen. Die "L'Equipe" hatte vor ihm schon andere Teamchefs französischer Mannschaften befragt, und alle sagten in etwa das, was Boyer auch sagte. Nur nicht so deutlich.

"Bei allen Tourteams wurde eine enorme Vorbereitungsarbeit gemacht", sagte er. "Trotzdem stehen zwei Teams, DSC und CSC, weit über allen anderen." Dahinter klaffe ein Riesenloch, wobei T-Mobile dank seiner Fahrer Ullrich, Klöden und Winokurow noch dazwischen sei. "Aus diesem Grunde stelle ich mir Fragen, und ich habe keine Antworten." Boyer bezweifelt, dass beide Mannschaften soviel besser arbeiten würden als alle anderen. Und speziell bei Armstrong kämen ihm Zweifel, "ob die Früchte seiner Siege etwas verstecken und die Frucht nicht etwas angefault ist".

Natürlich hoffe er, so Boyer, "dass wir herausfinden, dass Armstrongs Leistungen nur die Früchte seiner Arbeit waren und nichts anderes. Aber die Wahrheit kommt immer erst nach ein paar Jahren ans Licht, das zeigt die Geschichte des Radsports." Im Übrigen sei der siebenmalige Toursieger auch nicht mit großen Fahrern wie Hinault, Fignon, LeMond oder Indurain zu vergleichen. "Armstrong ist nicht wie sie, er hat nicht alles, was einen Champion ausmacht - das Verhalten und der Respekt gegenüber Gegnern und Publikum. Armstrong ist wie eine Wand, er macht, was er tun muss und bringt nichts rüber", sagt Boyer.

Man muss ihn verstehen, den Eric Boyer. Er sagt nur das, was alle französischen Teams denken. Sieben Jahre mussten sie die Übermacht des Amerikaners hinnehmen. Und sie haben auch bei dieser Tour wieder keine Rolle gespielt. Am Nationalfeiertag hat David Moncoutie gewonnen, es war der einzige Etappensieg für einen der ihren. Der letzte Franzose, der das Gelbe Trikot nach Paris trug, war übrigens Bernard Hinault. 1985.



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