Armstrong-Pressestimmen "Er hat uns also doch belogen"

Die internationale Presse hat gespalten auf die Dopingvorwürfe gegen den siebenfachen Toursieger Lance Armstrong reagiert. Während sich amerikanische Zeitungen verhalten gaben, fanden die französischen Gazetten deutliche Worte.


US-Amerikaner Armstrong: "Das wahre Gesicht endlich enttarnt"
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US-Amerikaner Armstrong: "Das wahre Gesicht endlich enttarnt"

USA

Chicago Tribune: "Die Dopinganschuldigungen gegen Armstrong kehren zurück. Das Labor sagt, es konnte die anonymen Proben nicht Armstrong zuweisen. L'Equipe hat es trotzdem geschafft."

Los Angeles Times: "Armstrong unter Beschuss."

New York Times: "Armstrong wird des Dopings beschuldigt. Eine französische Zeitung bezichtigt ihn, während der Tour 1999 betrogen zu haben."

FRANKREICH

Le Parisienne: "Das Ende des Mythos Armstrong. Das wahre Gesicht endlich enttarnt. Er galt als größter Champion der Radsport-Geschichte. Diese Affäre wird noch immense Auswirkungen haben."

Liberation: "Armstrong eingeholt. Eine Enthüllung, die die Welt des Radsports erschüttert. Jetzt haben wir den Beweis, dass Armstrong seinen Ruhm nicht nur Energieriegeln verdankt. Selbst im schönsten Land des Profiradsports haben Märchen ihre Grenzen."

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Ouest France: "Das Gespenst des Dopings holt Armstrong ein. Alles andere als eine Überraschung. Jetzt haben wir den Beweis. Armstrong gedopt, das ist leider für niemanden eine Überraschung, denn der Verdacht nach seiner unglaublichen Rückkehr war immer wach. Die Frage bleibt, weshalb die Aufdeckung sechs Jahre gedauert hat."

Le Courrier de L'Ouest: "Er hat uns also doch belogen. Lance Armstrong mitten in einem Unwetter. Der Amerikaner profitiert nicht einmal von der Unschuldsvermutung; so sehr bestätigt diese Enthüllung alle Verdächtigungen derjenigen, die nie an den natürlichen Charakter seiner Leistungen geglaubt haben."

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Lance wird seinen Titel nicht verlieren, doch ein großer Schatten lastet auf seine beispiellose Karriere. Der Test beim Tour 1999 ist kein Beweis, er bekräftigt jedoch den Verdacht, der seit jeher die außerordentliche Karriere eines Menschen begleitet, der den Kampf gegen den Tumor gewonnen hat, bevor er beim Tour unbesiegbar geworden ist. Armstrong spricht von Skandal-Journalismus und beteuert, dass er keine illegalen Substanzen eingenommen hat. Wer ihm glaubt, wird ihm weiterhin glauben. Wer ihm misstraut hat, wird ihm noch mehr misstrauen."

Tuttosport: "Eine schreckliche Reportage, Equipe hat keine Zweifel: Lance Armstrong hat seine erste Tour mit Hilfe des Epo gewonnen. Die Schlagzeile von Equipe ist eindeutig. Die Lüge Armstrong. Eine tiefschwarze Wolke belastet den stärksten Radprofi aller Zeiten."

Repubblica: "Schatten, ein weiterer Schatten belastet Armstrong. Dem Amerikaner droht keine Gefahr den Titel zu verlieren, doch in punkto Image riskiert er viel, praktisch alles. Wenn er einmal gelogen hat, wie oft hat er gelogen? Dies ist eine Frage, die immer wieder auftaucht. Man muss sich aber auch fragen, warum gerade jetzt diese Nachricht auftaucht. Warum wird Armstrong gerade jetzt so stark belastet?"

Corriere della Sera: "Ein Fleck auf Armstrongs Mythos. Welche Folgen wird der L'Equipe-Bericht auf den Menschen haben, der den Kampf gegen den Tumor gewonnen hat? Vom Standpunkt der Justiz wird nichts geschehen. Armstrong, der zwar die Millionenprämien der Versicherung der letzten drei Touren verlieren wird, ist nicht verfolgbar. Für Millionen von Fans bleibt Armstrong der Mann der Wunder, doch die Schatten bleiben".



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