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30. Januar 2013, 18:16 Uhr

Doping im Radsport

Armstrong fordert Amnestie, Schleck ein Jahr gesperrt

Zum ersten Mal seit seiner Dopingbeichte hat sich Lance Armstrong öffentlich geäußert. Er sieht in einer Amnestie für alle geständigen Sportler das einzige Mittel zur Wahrheitsfindung. Der bislang nicht geständige Luxemburger Fränk Schleck wurde derweil für ein Jahr gesperrt.

Hamburg - Ohne eine vollständige Amnestie werde sich kein Radsportler offenbaren, "niemand", sagte Lance Armstrong dem Internetportal cyclingnews.com in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Dopingbeichte bei Oprah Winfrey. Die Amnestie sei "nicht der beste Weg, es ist der einzige Weg" zur Wahrheitsfindung, sagte der Ex-Radstar. Zudem stellte er sich deutlich gegen den Radsportweltverband UCI. Nur die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) solle die geplante Wahrheits- und Schlichtungs-Kommission vorantreiben, die UCI habe dabei "keinen Platz am Tisch". Ihr Präsident Pat McQuaid sei vor allem bemüht, sich selbst zu schützen. "Erbärmlich", sagte Armstrong.

Dabei gehe es jetzt nicht mehr nur um einen Mann, ein Team oder einen Sportdirektor, sagte Armstrong. "Es geht um den Radsport und darum, ehrlich zu sein, es geht um den gesamten Ausdauersport. Einen und sein Team öffentlich zu lynchen, wird das Problem nicht lösen."

Armstrong betonte, dass nicht er allein der Schuldige sei - und schon viele Radgrößen vor ihm gedopt hätten. "Meine Generation war nicht anders als die anderen. Alle haben nach Vorteilen gesucht. Keine Generation war eine Ausnahme, keine war sauber: Nicht Merckx, nicht Hinault, nicht LeMond, nicht Coppi, nicht Gimondi, nicht Indurain, nicht Anquetil, nicht Bartali, und meine auch nicht", sagte der 41-Jährige.

Armstrong will nicht alleiniger Prügelknabe sein

Armstrong selbst, der im Zuge der Enthüllungen der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur gegen ihn alle sieben Tour-de-France-Titel verloren hatte, sieht sich derzeit als "Prügelknabe". "Ich kann es verstehen, wir sind alle für unsere Situation selbst verantwortlich", sagte er. "Aber wir haben alle Mist gebaut, wir sollten alle gleich bestraft werden."

Auf die Frage, warum er im Winfrey-Interview dann keine anderen Namen und Hintergründe genannt habe, sagte er: "Ich habe niemanden geschützt. Ich war dort, um über mich selbst zu sprechen, meine Erfahrungen, meine Fehler. Über niemanden sonst. Ich bin nur daran interessiert, meine eigenen Fehler zu gestehen. Ich bin erwachsen und werde niemanden anschwärzen."

Usada-Chef Travis Tygart hatte zuletzt von Armstrong gefordert, bis zum 6. Februar zu kooperieren und vollständig auszusagen. Dem hatte Armstrong bereits eine Absage erteilt.

Derweil hat die Anti-Doping-Agentur Luxemburgs Alad Fränk Schleck für ein Jahr gesperrt. Wie die Alad bekannt gab, gilt die Sperre rückwirkend ab dem 14. Juli 2012. Der 32-Jährige vom Team RadioShack, der nach der 13. Etappe der Tour de France 2012 positiv auf das Diuretikum Xipamid getestet worden war, wird damit die kommende Frankreich-Rundfahrt (Beginn am 29. Juni) verpassen. Schleck hatte bis zuletzt vor dem Alad-Disziplinarausschuss seine Unschuld beteuert. "Ich habe nie einen Fehler begangen", sagte Schleck.

psk/sid/dpa

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