Armstrong-Sturz "Ullrich wartete nicht auf mich"

Es war eine sportliche faire Geste. Als Lance Armstrong bei der diesjährigen Tour de France stürzte, hielt Jan Ullrich inne. Der Amerikaner würdigte später das Verhalten seines härtesten Konkurrenten. Inzwischen hat der US-Postal-Boss seine Meinung geändert.

Hamburg - "In TV-Wiederholungen erscheint es mir, dass Ullrich Renntempo fuhr", ist im neuen Armstrong-Buch "Jede Sekunde zählt" zu lesen, "er griff nicht an, aber er wartete auch nicht - nicht bis Tyler (Hamilton, Kapitän des CSC-Teams; die Red.) nach vorne fuhr, winkte und schrie: 'Halt an!'"

Ullrich, der die Tour 2003 als Zweiter hinter Armstrong beendet hatte, zeigte sich verblüfft über die Aussage des Amerikaners. "Jeder hat gesehen, was los war. Ich würde immer wieder so handeln", sagte der Bianchi-Kapitän der "Bild"-Zeitung.

Armstrong war am 21. Juli auf der letzten Pyrenäen-Etappe beim Schlussanstieg nach Luz-Ardiden gestürzt. Der 31-Jährige ("Ein bisschen war ich wohl auch selbst Schuld") hatte zuvor die Tasche eines am Straßenrand stehenden Zuschauers touchiert.

"Ullrich verhielt sich korrekt"

Kurz nach dem Rennen hatte Armstrong Ullrich als fairen Sportsmann gewürdigt. "Ich wusste, dass sie warten. Ich tat das gleiche für Jan 2001, als er auf der Abfahrt vom Peyresourde gestürzt war. Ich verhielt mich damals korrekt, er verhielt sich diesmal korrekt", so der fünfmalige Sieger der Frankreich-Rundfahrt.

Jan Ullrich wurde für sein Verhalten auf dem 15. Tour-Abschnitt von der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) mit der Fair-Play-Plakette ausgezeichnet. "Im hart umkämpften Duell um den Toursieg hat Jan Ullrich keinen unfairen Vorteil aus dem Missgeschick seines sportlichen Gegners gezogen", so DOG-Präsident Hans-Joachim Klein damals.