Aus bei der Basketball-WM Deutschland braucht den Superstar

Tränenreiches Aus bei der Weltmeisterschaft: Die deutsche Basketballnationalmannschaft hat in der Türkei offenbart, dass sie ohne Dirk Nowitzki nicht mithalten kann. 2011 soll der NBA-Profi zurückkehren - um seine letzte große Titelchance zu wahren. 
Von Jens Möller
DBB-Spieler Hamann (Vorne), Jagla (r.): Noch keine Chance ohne Nowitzki

DBB-Spieler Hamann (Vorne), Jagla (r.): Noch keine Chance ohne Nowitzki

Foto: Georgi Licovski/ dpa

Am Ende stand mit Philipp Schwethelm wieder einer der Jüngsten im Scheinwerferlicht. Der 21-Jährige musste bei der Pressekonferenz erklären, warum die deutsche Basketballnationalmannschaft mit einer Blamage gegen den Exoten Angola das Achtelfinale verspielt hatte. Eigentlich sollte Demond Greene vorne auf dem Podium sitzen, doch der mit 31 Jahren älteste Spieler der DBB-Auswahl erschien nicht nach dem 88:92-Debakel. Der Pressesprecher des Weltverbandes Fiba ließ dann auch eilig das vorbereitete Schild mit Greenes Namen verschwinden.

So richteten sich alle Blicke auf Schwethelm, der stellvertretend für die Generation junger Spieler dort oben saß, die nach der WM-Absage von Superstar Dirk Nowitzki die Zukunft des deutschen Basketballs präsentieren sollten. Doch die Aufgabe für den Nachwuchs war zu groß. "Das ist einer der schlimmsten Momente in meinem Leben", stammelte Schwethelm, sichtlich mit den Tränen kämpfend.

Die WM sollte zeigen, was im deutschen Basketball nach Dirk Nowitzki kommt. Offenbart hat das Turnier, was der deutsche Basketball momentan ohne den Star ist: international allenfalls zweite Klasse. Bei der WM 2006 hatte der NBA-Profi die Angolaner mit 47 Punkten praktisch im Alleingang besiegt. Dass in der Türkei niemand im deutschen Kader die offensiven Qualitäten Nowitzkis würde ersetzen können, war klar.

Aber Bundestrainer Dirk Bauermann erhoffte sich zumindest von den Routiniers Steffen Hamann und Demond Greene, dass sie stabilisierend auf die jüngste deutsche WM-Auswahl aller Zeiten wirken würden. Doch ausgerechnet die Veteranen versagten. Kapitän Hamann warf den Ball in der Schlussphase gegen Angola gleich zwei Mal ins Aus. "Die Ballverluste haben uns sehr weh getan", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann. Greene tauchte völlig unter. Keiner seiner sieben Wurfversuche traf das Ziel. Darüber reden mochte er nicht. Das überließ er dem jungen Schwethelm.

Kleine Angolaner liegen sogar bei den Rebounds vorne

Die deutsche Mannschaft gab beim Turnier Rätsel auf. "Wir können es noch gar nicht fassen. Wir haben eine Superleistung gegen Argentinien und Serbien gebracht. Wir dachten, dass wir nach dem Einbruch gegen Australien durch den freien Tag wieder Energie bekommen für das Spiel gegen Angola", sagte Tim Ohlbrecht. Doch das Gegenteil trat ein. Das Team agierte hilflos gegen Angola, bei denen mit Olimpio Cipriano ein Spieler 30 Punkte markierte, der noch nie außerhalb seines Heimatlandes gespielt hat. "Die deutschen Spieler wirkten auf mich müde", sagte der ehemalige Kölner Joaquim Gomes in den Reihen der Angolaner. Im Angriff fiel den der DBB-Auswahl wie schon gegen Australien nicht viel mehr ein, als sich einfalls- und erfolglos im Pick-and-Roll zu versuchen. Hätte Jan-Hendrik Jagla nicht sieben Drei-Punkte-Würfe verwandelt, das Spiel gegen die Afrikaner wäre schon früher verloren gewesen. Die im Schnitt sechs Zentimeter kleineren Angolaner erkämpften sich sogar einen 44:37-Vorteil bei den Rebounds. Doch war es allein fehlende Kraft? Hatten die Deutschen im Trainingslager auf Mallorca doch nichts anderes getan, als Kondition zu bolzen.

"Auch wenn das Ende bitter ist, haben wir eine junge Mannschaft die Erfahrung machen lassen, die sie braucht", lautet Bauermanns Fazit, das er schon vor dem letzten Spiel der Deutschen gezogen hatte. Doch die Partie gegen Jordanien (Donnerstag, 20.45 Uhr) ist aufgrund der Niederlage gegen Angola bedeutungslos geworden. Dass der Bundestrainer radikal auf die Jugend gesetzt hat, kann ihm nicht als Fehler angerechnet werden. Bauermann hatte nach den Absagen der NBA-Profis Nowitzki und Chris Kaman, sowie anderer erfahrener Kräfte keine andere Wahl. Dennoch muss sich der Bundestrainer Kritik gefallen lassen. Er wollte seine jungen Spieler nicht unter Druck setzen, doch der Perfektionist verlor vorübergehend die Geduld.

Bauermann kritisiert Spieler, Nowitzki soll Team zu Olympia führen

"Man muss sie schon daran erinnern, es sich nicht auf dem Sofa gemütlich zu machen", kritisierte er seine Talente über die Medien. Es gehe darum, auch mal "freiwillig zu laufen und in den Kraftraum zu gehen". Das richtete sich vor allem gegen Robin Benzing, der in der Türkei von kleineren Gegenspielern herumgeschoben wurde. Bauermann wollte seine jungen Spieler aus der Reserve locken. "Anpieken", wie er sagt. Doch bei Benzing wirkte diese Spitze nicht - im Gegenteil. Zu keinem Zeitpunkt konnte der Ulmer an seine Leistungen von der Europameisterschaft 2009 anknüpfen. Das Thema NBA hat sich für den 2,08 Meter großen Flügelspieler erst einmal erledigt, genauso wie für Tibor Pleiß und Elias Harris.

Bauermann setzt seine Hoffnungen nun in die Rückkehr seiner Superstars: "Wenn Dirk Nowitzki und Chris Kaman bei der EM 2011 wieder dabei sind, haben wir ein richtig starkes Team", sagt der Trainer. Bei der Europameisterschaft in Litauen geht es auch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012. Olympia 2012 wäre wohl der letzte internationale Auftritt des heute 32-jährigen Nowitzki. Danach sollen Pleiß und Co. endgültig sein Erbe antreten. Der Deutsche Basketball-Bund hat sich als Ausrichter für die EM 2015 beworben. Vielleicht könnte das der Startschuss für erfolgreichere Zeiten sein. Die Türken haben es vorgemacht und über Jahre eine Mannschaft aufgebaut, die nun beim Turnier in ihrem Heimatland begeistert. Doch all das ist weit weg. In der deutschen Kabine flossen viele Tränen. "Es wurde Rotz und Wasser geheult", sagte Bundestrainer Bauermann. Das soll sich bei der EM 2011 nicht wiederholen.

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