Aus dem Sattel Armstrong lästert über Contador

Während der Tour de France konnten sich Lance Armstrong und Alberto Contador noch einigermaßen zusammenreißen. Nach dem Sieg des Spaniers aber streiten die beiden Radprofis in aller Öffentlichkeit. Armstrong wirft Contador Egoismus vor.


Hamburg - "Hey Pistolero, es gibt kein Ich in einem Team. Was hatte ich im März gesagt? Du musst noch viel lernen", ließ Armstrong aus seinem Bahamas-Urlaub über den Kurznachrichtendienst Twitter verlauten. Die Tirade des US-Amerikaners, der hinter seinem Noch-Astana-Kollegen Contador und Andy Schleck (Saxo-Bank) den dritten Platz bei der Tour de France belegt hatte, gipfelte in dem Ratschlag Richtung Sieger: "Ich würde das Geschwafel lassen und meinem Team danken. Ohne Team gewinnt er nicht."

Auf einer Pressekonferenz in Madrid hatte Contador zuvor deutliche Worte gefunden. "Meine Beziehung zu Lance ist nicht existent. Auch wenn er ein großer Champion ist, habe ich ihn als Person nie bewundert und werde es nie tun", sagte der 26-Jährige. Die schwersten Tage bei der Tour habe er im Team-Hotel gehabt. Die Situation sei angespannt und schwierig gewesen.

Contador und Armstrong fahren bis zum Ende dieser Saison für Astana. Im kommenden Jahr startet der Tour-Rekordsieger für das neu gegründete US-Team RadioShack. Unterstützung erhielt Armstrong von Astana-Chef und Mentor Johan Bruyneel. "Manchmal ist es besser, man ist still", sagte der Belgier, der vermutlich auch künftig mit Armstrong zusammenarbeiten wird.

Während der Frankreich-Rundfahrt hatten sich Contador und Armstrong ein Gerangel um die Kapitänsrolle im Team geliefert. Erst nachdem der 26-jährige Spanier das Gelbe Trikot übernommen hatte, stellte sich sein elf Jahre älterer Widersacher als Helfer zur Verfügung. Zum Ende der Tour eskalierte die Situation im Team jedoch. Nach der vorletzten Etappe auf den Mont Ventoux verzichtete Armstrong auf die Feier des designierten Toursiegers Contador im Team-Hotel. Stattdessen traf er sich mit Sponsoren auf ein Glas Wein und verbreitete dies genüsslich über Twitter.

Bei der Siegerehrung in Paris gratulierte Armstrong Contador auf dem Podium lediglich mit einem flüchtigen Händedruck und würdigte ihn ansonsten keines Blickes. Contador, bei Astana noch bis 2010 unter Vertrag, mahnte bereits Veränderungen in der Struktur des Rennstalls an: "Ich will in einem Team sein, dass hundert Prozent für mich fährt."

ach/sid



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.