Aus für Federer "Das hat weh getan"

Frustrierter Federer: Der Schweizer Weltranglistenerste ist bei den Australian Open im Halbfinale gescheitert. Novak Djokovic ließ ihm keine Chance. Nach der Partie gestand Federer: "Das hat weh getan."


Melbourne - Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Arme vor der Brust verschränkt trat Federer nach der Partie gegen Djokovic vor die Presse und stand Rede und Antwort. "Ohne Zweifel habe ich in meinem Leben schon besser gespielt", sagte er nach der knapp zweieinhalbstündigen Demontage auf dem Center Court. Diese fiel mit 5:7, 3:6, 6:7 zwar nicht ganz so happig aus wie die von French-Open-Champion Rafael Nadal gegen Tsonga tags zuvor, doch Federer war ähnlich chancenlos. "Er hat mir nicht viele Möglichkeiten gelassen", räumte der zwölfmalige Grand-Slam-Sieger ein.

Für Federer endeten mit der Niederlage mehrere Erfolgsserien. Seit seiner Halbfinalniederlage 2005 bei den French Open stand er in zehn Grand-Slam-Finals in Folge und gewann acht. Mit der Niederlage ist auch sein Versuch gescheitert, als erster Spieler in der Profiära die Australian Open dreimal in Folge zu gewinnen.

"Ich habe nicht so aufgeschlagen, wie ich wollte. Ich habe mich nicht gut bewegt. Ich war in der Defensive nicht so stark, wie ich es normalerweise bin", sagte Federer: "Meine Passierbälle kamen nicht an, wenn ich sie gebraucht hätte. Das hat weh getan." Solche Sätze hört man selten von ihm. Seine letzte Dreisatzniederlage bei einem Grand-Slam-Turnier musste der Weltranglisten-Erste in der dritten Runde der French Open 2004 hinnehmen. Auf Hartplätzen war er seit seiner Halbfinalniederlage 2005 an gleicher Stelle gegen Marat Safin bei Grand-Slam-Turnieren in 40 Matches ungeschlagen.

Djokovic weiter ohne Satzverlust

Doch bereits beim nur mühsam abgewendeten Drittrunden-Aus gegen den Serben Janko Tipsarevic war Federer anzumerken, dass er zum Saisonauftakt noch nicht in der überragenden Form vergangener Tage war. Ohne Matchpraxis war er angereist, das letzte ernsthafte Spiel vor Turnierbeginn bestritt er im November beim Masters-Cup in Shanghai. Auch für das Einladungsturnier in Kooyong musste er absagen und sich im Krankenhaus wegen eines Magen-Darm-Virus behandeln lassen. "Vielleicht habe ich heute den Preis dafür gezahlt, erstmals vor einem Grand Slam krank gewesen zu sein", so Federer.

Dem frechen Aufsteiger Djokovic war das alles egal. "Ich habe das Match kontrolliert und verdient gewonnen und bin sehr, sehr stolz auf mich", sagte er unter dem Jubel einer großen Schar serbischer Fans. Einmal hatte er Federer zuvor bezwungen - 2007 im Finale des Masters-Series-Turniers in Montréal. In Australien ist er auch nach dem Halbfinale ohne Satzverlust.

pav/dpa/sid



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