Australian Open Kiefers Schlägerwurf trübt Halbfinal-Freude

Viertelfinalspiel gewonnen - Sympathie verloren: Nicolas Kiefer hat bei seinem Sieg über den Franzosen Sebastien Grosjean im entscheidenden fünften Satz mit einem Schlägerwurf für Aufregung gesorgt. Schon zuvor war er unangenehm aufgefallen.


Melbourne - Beim Stand von 6:5 für Kiefer im entscheidenden letzten Satz hatte der Franzose bei 40:30 aus seiner Sicht Aufschlag. Ein von Kiefer abgewehrter Ball schien leichte Beute für seinen Gegner, der Deutsche warf noch während des Ballwechsels seinen Schläger durch Grosjeans Blickfeld in dessen Hälfte. Grosjean schlug den Ball offenbar irritiert ins Netz und beschwerte sich daraufhin beim Oberschiedsrichter.

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Australian Open: Der fliegende Tennisschläger

Kiefer war zu diesem Zeitpunkt bereits verwarnt worden, weitere Verwarnung hätte einen Punktabzug zur Folge haben können. Doch Schiedsrichter Carlos Bernardes sah von einer weiteren Verwarnung ab - wohl auch, weil der Schläger außerhalb des Spielfeldes landete. Das Publikum quittierte die Entscheidung mit einem Pfeifkonzert. "Ich weiß, dass das keine schöne Aktion war, aber wer mich kennt, weiß auch, dass ich ein sehr emotionaler Spieler bin", bedauerte Kiefer.

Grosjean gewann das Spiel zwar am Ende und glich zum 6:6 aus, dennoch hatte er kein Verständnis für den Aussetzer seines Gegenübers: "Ich hätte zumindest erwartet, dass der Punkt wiederholt wird." Auf die Frage, ob sich Kiefer nach dem Match entschuldigt hätte, entgegnete der Franzose knapp: "Bis jetzt noch nicht". Kiefer gewann den Satz am Ende mit 8:6 und triumphierte dadurch mit 6:3, 0:6, 6:4, 6:7 (1:7), 8:6.

Mit 4:48 Stunden war es das bislang längste Match des laufenden Turniers. In der Runde der letzten Vier trifft Kiefer, die Nummer 21 der Setzliste, am Freitag auf den topgesetzten Roger Federer. Der Weltranglistenerste besiegte den in der Nähe von Trier lebenden Russen Nikolaj Dawidenko 6:4, 3:6, 7:6 (9:7), 7:6 (7:5). Im Achtelfinale hatte Federer den Deutschen Thomas Haas ausgeschaltet. Dawidenko vergab im dritten Durchgang sechs Satzbälle. Kiefer hat bislang sieben von zehn Matches gegen Federer verloren.

Wäre es nach der Statistik gegangen, hätte Kiefer in seinem Viertelfinalspiel nicht als Sieger vom Platz gehen dürfen. Insgesamt punktete Grosjean häufiger als der 28 Jahre alte DTB-Spieler (169:160). Kiefer glückten gegen den an 25 gesetzten Franzosen nur vier Asse, sein Kontrahent schaffte zwölf. Kiefer unterliefen zudem mehr Doppelfehler (9:2) und "unforced errors" (67:59).



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