Australisches Daviscup-Team Er droht ihm, er droht ihm nicht

Drama in Down Under: Ein Streit zwischen Lleyton Hewitt und Bernard Tomic trübt die Stimmung im australischen Tennis. Im Raum stehen angebliche Gewaltandrohung und Erpressungsversuche.
Lleyton Hewitt

Lleyton Hewitt

Foto: Erik Anderson/ dpa

Zum ersten Mal seit 15 Jahren stehen gleich fünf Australier in der dritten Runde der Australian Open (Lesen Sie hier alles Wichtige zum ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres). Eigentlich könnte die Stimmung also wunderbar sein in Down Under. Ist sie aber nicht, im Gegenteil: Ein Konflikt droht, die Erfolge zu überlagern. Es geht um angebliche Gewaltandrohung und Erpressung.

Der Kapitän des australischen Davis-Cup-Teams und frühere Weltklassespieler, Lleyton Hewitt, erklärte am Donnerstag, Tennisprofi Bernard Tomic habe ihn und seine Familie bedroht, und das gleich mehrfach in den vergangenen 18 Monaten. Zudem habe Tomic versucht, ihn zu erpressen, es sei dabei etwa um die Vergabe von Wildcards gegangen.

Der einstige Weltranglistenerste Hewitt betonte, solange er etwas mit der Auswahl zu tun habe, werde der veranlagte, aber aus seiner Sicht trainingsfaule 26-Jährige nie wieder für Australien spielen. Er habe den Kontakt zu Tomic abgebrochen. "Ich musste eine Grenze ziehen. So lange ich etwas zu sagen habe, wird er nicht mehr eingesetzt", sagte Hewitt.

"Ich habe seine Familie nie bedroht"

Tomic bestreitet die Vorwürfe. "Ich habe seine Familie nie bedroht", sagte er News Corp Australia und nannte Hewitt einen "Lügner". Der australische Verband wollte sich zunächst nicht äußern.

Tomic, Weltranglisten-88., ist seit Jahren mal Teil des Davis-Cup-Teams, mal nicht. 2015 etwa wurde er aus dem Team geworfen, weil er sich abfällig über Offizielle geäußert hatte.

Bernard Tomic

Bernard Tomic

Foto: Quinn Rooney/ Getty Images

Bereits in der Vergangenheit waren Tomic und Hewitt aneinandergeraten. Im Februar 2017 wurde Tomic nach zwischenzeitlicher Rückkehr erneut aus dem Davis-Cup-Team genommen; Hewitt kritisierte damals den zu großen Einfluss von Tomics Vater John.

Nach seiner Erstrundenniederlage gegen Marin Cilic am Montag hatte Bernard Tomic Hewitt beschuldigt, bei der Vergabe von Wildcards und der Nominierung für den Davis Cup nicht nach sportlichen Kriterien vorzugehen. Der Vorwurf: Hewitt handele nach geschäftlichen Interessen und bevorzuge Spieler wie Alex Bolt (Drittrundengegner von Alexander Zverev), die er mit seiner Managementfirma betreue. "Niemand mag ihn mehr", sagte Tomic über Hewitt: "Ich hoffe, man ersetzt ihn bald, damit wir wieder einen guten Kapitän haben". Hewitt sagte, solch eine Firma gebe es gar nicht.

mon/dpa/Reuters