Bahnvierer Zweites Gold dank Weltrekordfahrt

Mit einer beeindruckenden Vorstellung hat der Bahnvierer die zweite Goldmedaille für das deutsche Olympiateam geholt. Mit einer Fabelzeit besiegte das Quartett im Finale die Ukraine.


Harmonisch und schnell: Der deutsche Bahnvierer mit Robert Bartko, Guido Fulst, Daniel Becke und Jens Lehmann
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Harmonisch und schnell: Der deutsche Bahnvierer mit Robert Bartko, Guido Fulst, Daniel Becke und Jens Lehmann

Sydney - Mit einer Weltrekord-Fahrt hat der deutsche Bahnvierer am Dienstag in Sydney in der 4000 Meter- Mannschaftsverfolgung zum fünften Mal in der Olympia-Geschichte die Goldmedaille geholt. Mit 3:59,781 Minuten durchbrachen Robert Bartko, Guido Fulst (beide Berlin), Daniel Becke (Erfurt) und Jens Lehmann (Leipzig) im Finale gegen die Ukraine eine Schallmauer des Bahn-Radsports. Die alte Marke hatte der Silbermedaillen-Gewinner Ukraine im Halbfinale (4:00,830) aufgestellt.

Damit schraubten die deutschen Bahnfahrer ihre Ausbeute im Dunc Gray Velodrom auf bisher zwei Gold- und zwei Silbermedaillen. Der zweifache Olympiasieger Bartko, der im nächsten Jahr Profi auf der Straße wird, könnte zum erfolgreichsten deutschen Olympia-Starter werden. "Das ist der Lohn für harte Arbeit", sagte der Berliner, der von einer Erkältung beeinträchtigt wurde, aber erneut großartig fuhr. Tränen der Freude vergoss Jens Lehmann, dann küsste er die Holzbahn. "Ich bin überrascht, dass wir den Weltrekord geknackt haben. Ich bin die letzten Runden nur auf Sicherheit gefahren", sagte der 32-jährige Lehmann, der schon in Barcelona mit dem Vierer Gold geholt hatte.

Das Weltmeister-Quartett, das im Halbfinale Frankreich ausgeschaltet hatte, startete verhalten. Auf den ersten beiden Runden führte die Ukraine. Doch dann übernahm der deutsche Vierer mit einer fulminanten Fahrt das Kommando und gab die Führung nicht mehr ab. In der mit 5000 Besuchern voll besetzten Halle waren am Dienstag auch die Töchter und die Witwe von Bundestrainers Robert Lange, der am 7. März dieses Jahres in Mallorca im Alter von 52 Jahren auf tragische Weise bei einem Unfall ums Leben gekommen war - ein Auto hatte ihn angefahren. Bernd Dittert hatte das Amt übernommen und vollendete am Dienstag Langes Arbeit. "Ich glaube, der Robert Lange wird uns jetzt beobachten und sich mit uns freuen, wenn wir auf dem Treppchen stehen", sagte Robert Bartko.

Doppel-Olympiasieger Jens Fiedler (Chemnitz) erreichte das Halbfinale im Sprint nach zwei Siegen gegen seinen Teamkollegen Jan van Eijden (Chemnitz) und hat am Mittwoch die Chance auf einen historischen Olympia-Rekord. Als erster Sprinter seit 1896 kann der 30-jährige Weltmeister, der in Sydney noch ein heißes Eisen im Keirin-Wettbewerb, dem Fahren auf Punkte, im Feuer hat, zum dritten Mal Olympiasieger werden.

Von Andreas Zellmer, dpa



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