Basketball-Bundesliga Elf Sekunden entscheiden die Meisterschaft

Dramatische Schlusssekunden, weinende Riesen und eine wilde Party: Oldenburg ist Deutscher Basketball-Meister 2009. Für Gegner Bonn setzt sich damit eine Pleitenserie fort - die Baskets wurden zum fünften Mal Vize. Auf den Meister und die Liga warten nun große Aufgaben.

Von Sascha Klettke


Als es geschafft war, sank der 2,13-Meter-Gigant zu Boden und weinte. Oldenburgs Center Ruben Boumtje Boumtje hat in seinen 31 Jahren viel erlebt, selbst der Basketballer-Traum von der NBA hatte sich schon für ihn schon erfüllt. Doch die deutsche Meisterschaft ist offenbar ein besonders bewegendes Karriere-Highlight.

Meister Boumtje Boumtje: Tränen nach dem Schlusspfiff
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Meister Boumtje Boumtje: Tränen nach dem Schlusspfiff


Während Boumtje Boumtjes Tränen noch von Geschäftsführer Hermann Schüller getrocknet wurden, fielen sich seine Teamkollegen schon ausgelassen um den Hals. Oldenburg sicherte sich die Meisterschaft in einer ungewöhnlichen Serie mit einem dramatischen fünften Spiel. In den vier Partien zuvor gab es nur Auswärtssiege. Und auch in der letzten und entscheidenden Begegnung sah es lange so aus, als würde wieder die Heimmannschaft verlieren.

Die Telekom Baskets Bonn schienen ihre Niederlage vom Dienstag gut verkraftet zu haben. Schon im ersten Viertel übernahmen sie die Führung und zeigten eine ihrer größten Stärken: Wieder trumpfte ein Spieler von der Bank groß auf. Forward Patrick Flomo zeigte Konsequenz unter dem Korb, kam auf 18 Punkte, fing 10 Rebounds und gab zwei Vorlagen. Coach Koch gönnte seiner zweiten Fünf mehr Spielzeit als die meisten anderen Trainer. Flomo dankte es ihm - und blieb am Ende doch ein tragischer Held.

Im dritten Viertel sah es lange so aus, als müssten die Oldenburger sich der Bonner Energieleistung geschlagen geben: Auf 11 Punkte zogen die Gäste davon. Doch die EWE Baskets kamen zurück und schafften fünf Minuten vor Schluss den Ausgleich.

In der engen Partie schien Bonn in der letzten Minute dann bereits wie der sichere Sieger: 23 Sekunden zeigte die Uhr, die Telekom Baskets führten mit drei Punkten und E.J. Rowland hatte zwei Freiwürfe - die er beide vergab. Sein Oldenburger Gegenspieler Jason Gardner traf kurz darauf einen schwierigen Wurf und wurde dabei noch gefoult. Bonusfreiwurf getroffen - der Ausgleich elf Sekunden vor Schluss.

Dramatik in den Schlusssekunden

Die letzten zwei Angriffe dürften das Bonner Vize-Trauma noch einmal nachhaltig verstärken: Einwurf Bonn. Oldenburgs Jason Gardner fing einen Pass ab, gab den Ball weiter, Teamkollege Je'Kel Foster wurde gefoult. Den ersten Freiwurf verwandelte der Guard - fünf Sekunden vor Schluss führte Oldenburg 71:70. Der zweite ging daneben, der Ball ins Aus. Auf den Bonner Einwurf folgte dann der nächste Oldenburger Steal. Foster schnappte sich den Ball - und gab ihn nicht mehr her, während die Spielzeit ablief und die Party begann. Nach 1997, 1999, 2001 und 2008 bleib den Bonnern dagegen wieder nur der zweite Platz.

Auf den frischgebackenden Meister warten nun echte Luxusprobleme. Die EWE Baskets müssen sich fit machen für die Euroleague, die Champions League des Basketballs. Die möglichen Gegner haben klingende Namen wie FC Barcelona, ZSKA Moskau oder Panathinaikos Athen - und einen deutlich höheren Etat. Oldenburg stehen nach Schätzungen weniger als vier Millionen Euro zur Verfügung, die Budgets der Spitzengrupppe in der Europaliga sind mehr als zehn Mal so hoch.

Um mit den Topteam mithalten zu können, werden die Oldenburger mehr als die sieben Stammspieler brauchen, die Meistertrainer Predrag Krunic bislang aufs Feld schickte. Auch organisatorisch kommt eine Menge Arbeit auf den Club zu. Die Euroleague schreibt mindestens 5000 Sitzplätze vor, in die Arena passen nur 3100. Wahrscheinlichster Spielort ist die benachbarte Weser-Ems-Halle - die für jede Partie zur Basketball-Arena umgerüstet werden müsste. Doch Trainer Krunic wollte sich darüber nach dem Titelgewinn noch keine Gedanken machen: "Heute ist hier eine tolle Party. An die Euroleague denken wir in zwei Tagen."

Ziel: Basketball ins Free-TV

Auch der Liga stehen echte Herausforderungen bevor: Die TV-Übertragung der Spiele ist eine der größten Baustellen der BBL. Die Liga will ins frei empfangbare Fernsehen - vor allem um die Vereine für Sponsoren attraktiver zu machen. In diesen Playoffs war die Liga ihrem Ziel schon recht nah: Eurosport übertrug zehn Partien live. Das fünfte Finalspiel hatte der Sender allerdings nicht eingeplant, wollte es aber dennoch kurzfristig zeigen. Bis zum Mittag vor dem Spiel wurde noch verhandelt, aber Eurosport und die Sportrechteagentur Sportfive konnten sich nicht mehr einigen - und gaben sich dafür gegenseitig die Schuld.

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer verteidigte zwar "die handfesten finanziellen Interessen" des Bezahlsenders Sportdigital, machte aber deutlich, dass die Liga sich im Sommer auch für andere Fernsehpartner entscheiden könnte: "Es ist offen, wie und welcher Form es mit der BBL bei Sportdigital weiter geht." Die Zusammenarbeit werde "nicht um jeden Preis" fortgesetzt.

Die Fernsehpräsenz ist nur eine Frage, die in den nächsten Monaten geklärt werden muss. Noch ist nicht einmal klar, wie groß die BBL in der nächsten Saison sein wird. "Am 9. Juli werden wir voraussichtlich wissen, wie viele Clubs im nächsten Jahr in der ersten Liga spielen", sagte Pommer.



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