Rapper Drake und die Toronto Raptors Wenn der Superfan den Spielern die Show stiehlt

Für manche ist er der nervigste Fan der NBA, für die Toronto Raptors ist er ein Botschafter: Rapper Drake macht in den Basketball-Playoffs stets sein Ding - und überschreitet dabei Grenzen.

Rapper Drake mit dem Raptors-Maskottchen
Gregory Shamus / AFP

Rapper Drake mit dem Raptors-Maskottchen

Von Philipp Awounou


Die New York Knicks haben Spike Lee, die Boston Celtics Mark Wahlberg, die L. A. Lakers Jack Nicholson. Jedes NBA-Team, das etwas auf sich hält, hat seinen eigenen "Superfan". Das ist seit Jahrzehnten so. Nicht der Rede wert.

Bei den Toronto Raptors, die in der Finalserie in der Nacht auf Freitag auf die Golden State Warriors treffen, ist die Lage allerdings besonders. Die nämlich haben einen Superfan, der längst mehr ist als das. Ein Überfan, geboren als Aubrey Graham, weltbekannt unter seinem Zweit- und Künstlernamen: Drake.

Der 33-jährige Kanadier ist einer der erfolgreichsten Rapper seiner Generation. Mit Songs wie "Started From The Bottom", "God's Plan" oder "Hotline Bling" schuf er Welthits, sie machten ihn zu einem der erfolgreichsten Musiker überhaupt. Kein Künstler landete öfter in den US-Charts (186-mal), kein Künstler verzeichnet mehr Song-Streams (über 50 Milliarden), kein Künstler platzierte mehr Singles parallel in den amerikanischen Top Ten (sieben).

Wo es nach Erfolg riecht, da posiert der Rapper

Im Vergleich zu seinen beruflichen Ausnahmeleistungen pflegt Drake ein relativ normales Hobby: Sport gucken. Am liebsten live. Man sieht ihn beim Fußball und beim Tennis, beim Boxen und in Eishockey-Hallen, bei College-Events, beim Football, beim Basketball. Vor allem aber sichtet man ihn in der Nähe der großes Stars: Von Serena Williams über Conor McGregor bis hin zu Neymar oder LeBron James - wo es nach Erfolg riecht, da posiert der Rapper am liebsten. Meist in jeweils passender Klubmontur.

Einige Fans nehmen es dem Musiker übel, dass er ohne Rücksicht auf Vereine oder Rivalitäten durch die Sportwelt mäandert. "Erfolgsfan" schimpfen sie ihn. Drake stört das nicht. Er genießt die Gesellschaft der Besten. Es gibt Aufnahmen, da wirkt er neben den Neymars, McGregors und James dieser Welt nicht wie der größte Rapper seiner Zeit, sondern mehr wie ein aufgeregter Teenie beim Selfie mit seinem größten Idol.

In Drakes Sportlerherz, das Platz für so viele Teams und Spieler bietet, gibt es allerdings auch eine Konstante. Eine echte, wahre Liebe. Drake, in Toronto geboren, aufgewachsen und wohnhaft, ist leidenschaftlicher Fan der Raptors. Seit Jahren ist er Stammgast bei den Heimspielen des Basketballteams. Stets sitzt er in der ersten Reihe - und startet von dort seine Show, von Kameras wohldokumentiert für die Internet-Ewigkeit: Drake in Jubel-Ekstase, Drake provoziert Gegner, Drake in Coach-Manier an der Seitenlinie, Drake pöbelt Schiedsrichter an. Drake hier, Drake da, Drake dort.

Die Raptors stören sich nicht am Gebaren ihres Superfans. Im Gegenteil: Sie ernannten ihn 2013 offiziell zum "Global Ambassador". Seither wird der globale Botschafter immer lauter, immer bissiger, immer provokanter. Und sein Klub kneift immer fester die Augen zu.

Ein Fluch in entscheidenden Spielen

Während der letztjährigen Playoffs etwa geriet Drake mit Kendrick Perkins von den Cleveland Cavaliers aneinander, der Center musste von Mitspielern zurückgehalten werden. Die Liga trat anschließend an die Raptors heran und bat, den Ambassador zu zügeln. Die ignorierten die Bitte.

Und übermittelte der Superstar auch in den diesjährigen Playoffs seine Botschaften - ohne Rücksicht auf diplomatische Gepflogenheiten. Er verhöhnte Philadelphias Superstar Joel Embiid, er machte sich über MVP-Kandidat Giannis Antetokounmpo lustig, er kraulte Raptors-Coach Nick Nurse den Rücken. Der Rapper nahm Einfluss, wo er nur konnte, und dabei überschritt er Grenzen, mindestens die des Anstands.

Manche finden den immerzu hüpfenden, schreienden, höhnenden Drake amüsant. Andere nicht. Das US-Internetmagazin "Complex" kürte den Rapper bereits im vergangenen Jahr zum "nervigsten Fan der NBA". Es mehrt sich Kritik an dem Verhalten des Superstars - und doch werden die Raptors ihn nicht stoppen, diesen Mann, dessen soziale Kanäle über 130 Millionen Follower zählen; der seine Fanbase in Tweets und Posts und Stories mit zu den Raptors nimmt, die jahrelang als langweilig und uncool galten. "Mit Drake als Botschafter besitzen die Raptors aktuell eine der wertvollsten Anlagen aller Sportteams", sagte Sportmarketing-Experte Blake Lawrence unlängst dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Forbes".

Und dann wäre da noch dieser Fluch: Seit Jahren witzelt die Internetgemeinde über den vermeintlichen Unglücksengel Drake. Tatsächlich sind reihenweise Begegnungen des Rappers mit Teams und Athleten dokumentiert, nach denen diese in wichtigen Spielen, Kämpfen oder Matches versagten.

Vielleicht entschied sich der Kanadier auch deshalb, während der diesjährigen Playoff-Spiele stets ein Kleidungsstück des jeweiligen Gegners zu tragen. Ein Volltreffer: Kaum ging der Rapper mit seinen Outfits fremd, erreichten die Raptors erstmals in ihrer Geschichte die NBA Finals. Nun, vor Beginn der Finalserie (Freitag, 3 Uhr), munkeln Fans und Medien gar, Drake trage am linken Oberarm Tattoos, die sich auf Stephen Curry und Kevin Durant beziehen - die Stars von Finalgegner Golden State.

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insgesamt 2 Beiträge
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Silke in Kanada 31.05.2019
1. Und was ist mit den Raptors?
Netter Artikel, aber relativ irrelevant. Dass es eine unglaubliche Sensation ist, dass die Raptors es ins Finale geschafft haben - dass niemand damit gerechnet hätte, nachdem das Team seinen leidlich erfolgreichen Coach und einige wertvolle Spieler ausgetauscht hat - dass sie im Halbfinale die eigentlich favorisierten Milwaukee Bucks schlagen konnten - geschenkt. Wenn hier schon über amerikanischen Sport berichtet wird, wäre es schön, dabei tatsächlich auch ein paar Sport-Fakten zu erwähnen. Gruß aus Toronto und Go Raptors Go!!
sh.stefan.heitmann 31.05.2019
2.
Zitat von Silke in KanadaNetter Artikel, aber relativ irrelevant. Dass es eine unglaubliche Sensation ist, dass die Raptors es ins Finale geschafft haben - dass niemand damit gerechnet hätte, nachdem das Team seinen leidlich erfolgreichen Coach und einige wertvolle Spieler ausgetauscht hat - dass sie im Halbfinale die eigentlich favorisierten Milwaukee Bucks schlagen konnten - geschenkt. Wenn hier schon über amerikanischen Sport berichtet wird, wäre es schön, dabei tatsächlich auch ein paar Sport-Fakten zu erwähnen. Gruß aus Toronto und Go Raptors Go!!
Es geht um Drake (den ich nicht kenne) nicht um Basketball in diesem Artikel
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