Basketball-EM Ein Turnier, vier Gastgeber, kein Dirk

Die erste Basketball-EM der Post-Nowitzki-Ära wirft Fragen auf: Wie steht es um die Deutschen ohne den Superstar? Wer ist Top-Favorit? Und warum findet das Turnier in vier Ländern statt? Der Überblick.

imago/Camera 4

Von Philipp Awounou


Wo und wann findet die Basketball-EM statt?

Das Turnier beginnt am 31. August 2017 und endet am 17. September. Die Vorrunde findet in vier verschiedenen Ländern statt: In Finnland (Helsinki), Israel (Tel Aviv), Rumänien (Cluj-Napoca) und in der Türkei (Istanbul). Die anschließende Finalrunde ab dem 9. September wird ausschließlich in Istanbul ausgetragen.

Warum vier Länder?

Das Mehr-Staaten-Modell gab es erstmals bei der EM 2015. Regulär sollte die damalige Endrunde in der Ukraine ausgetragen werden, doch angesichts der angespannten politischen Lage im Zuge der Krim-Krise nahm der Basketball-Weltverband Fiba diesen Beschluss zurück. Anschließend vergab er die Ausrichtung des Turniers aufgrund der kurzfristigen Lage an vier verschiedene Standorte: Berlin, Montpellier, Zagreb und Riga. Die Notlösung hielt der Verband für so attraktiv, dass die kommende Endrunde von vornherein als Mehr-Staaten-Turnier ausgeschrieben wurde.

Nach welchem Modus wird gespielt?

Es gibt insgesamt vier Gruppen mit je sechs Teams. Deutschland trifft in Gruppe B, die in Tel Aviv spielt, auf Italien, Litauen, Israel, Georgien und die Ukraine.

Gruppe A trägt ihre Spiele in Helsinki aus, Gruppe C in Cluj-Napoca und Gruppe D in Istanbul. Die ersten vier jeder Gruppe erreichen die Finalrunde in Istanbul, wo nach dem K.-o.-System der Europameister ermittelt wird.

Folgende Nationen sind neben den deutschen Gruppengegnern bei der EM vertreten:

Gruppe A: Polen, Griechenland, Frankreich, Finnland, Island, Slowenien

Gruppe C: Kroatien, Tschechien, Spanien, Montenegro, Rumänien, Ungarn

Gruppe D: Großbritannien, Russland, Serbien, Lettland, Türkei, Belgien

Wer sind die Favoriten auf den Titel?

Titelverteidiger Spanien geht als Top-Favorit ins Turnier. Die Iberer haben erneut eine hochklassige Mannschaft zusammengestellt, die von Superstar Pau Gasol, dem MVP der vergangenen EM, und seinem Bruder Marc Gasol angeführt wird.

Daneben gelten die Litauer als Titelkandidat, nachdem sie vor zwei Jahren erst im Endspiel an Spanien scheiterten. Auch die traditionell starken Franzosen haben Chancen auf die europäische Krone. Serbien, das im vergangenen Jahr olympisches Silber gewann, ist nach dem verletzungsbedingten Ausfall mehrerer Top-Spieler "nur" noch Geheimfavorit.

Den deutschen Basketballern werden in diesem Jahr allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Das Überstehen der Gruppenphase ist allerdings durchaus möglich: Gegen die Ukraine und Georgien ist Deutschland Favorit, auch den Italienern und Israelis kann das Team Paroli bieten. Lediglich gegen Litauen sind die Erfolgsaussichten gering.

Wie ist das deutsche Team aufgestellt?

Bundestrainer Chris Fleming hatte im Vorfeld der EM zahlreiche Absagen zu verkraften. Mehrere wichtige Leistungsträger werden bei der Endrunde fehlen, darunter die NBA-Legionäre Paul Zipser von den Chicago Bulls und Maxi Kleber von den Dallas Mavericks, die sich in den USA auf die neue Saison vorbereiten.

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Fotostrecke: Diese Basketballer fehlen Deutschland bei der EM

Angeführt wird das deutsche Aufgebot daher von NBA-Star Dennis Schröder und von Mannschaftskapitän Robin Benzing, der jedoch angeschlagen ins Turnier geht. Top-Talent Isaiah Hartenstein ist mit 19 Jahren der jüngste Spieler im Kader, in dem mit Karsten Tadda (28 Jahre) und Lucca Staiger (29) nur zwei Akteure auftauchen, die älter als 25 Jahre sind.

In den bisherigen Vorbereitungsspielen war der Mannschaft ihre Jugend und Unerfahrenheit anzumerken. Von den insgesamt acht Testpartien im Vorfeld der EM verlor das Team fünf.

Wie schnitt Deutschland bei der vergangenen Europameisterschaft ab?

Bei der Heim-EM 2015 in Berlin schied die deutsche Mannschaft bereits in der Vorrunde aus. In einer schweren Gruppe, unter anderem mit den Titelkandidaten Spanien und Serbien, verlor der DBB vier von fünf Partien.

Für Dirk Nowitzki war das abschließende Match gegen Spanien (76:77) die letzte Partie im Dress der Nationalmannschaft. Er konnte die sportlichen Erwartungen bei seinem Abschiedsturnier nicht erfüllen und beendete im Anschluss an die EM seine Länderspielkarriere.

Die stärksten Leistungen beim DBB zeigte Spielmacher Dennis Schröder, der mit 21 Punkten pro Spiel zweitbester Scorer des Turniers war. Als aktuell bester deutscher Basketballer wird der 23-Jährige versuchen, zumindest auf sportlicher Ebene die Nowitzki-Lücke zu füllen.

Wo kann man die deutschen Spiele verfolgen?

Die Telekom überträgt alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft und eine Auswahl weiterer Partien live und kostenlos im Internet. Telekom-Kunden können das Angebot auch im Fernsehen über den Kanal Telekom Sport empfangen.

In den vorangegangenen Turnieren hatten die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF Partien mit deutscher Beteiligung übertragen, sahen nun jedoch von einem Rechteerwerb ab. "Livespiele der Basketball-Nationalmannschaft haben leider nicht den notwendigen Zuschauerzuspruch", kommentierte Thomas Fuhrmann, Leiter der ZDF-Sportredaktion, die Haltung der Öffentlich-Rechtlichen.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
sincere 30.08.2017
1. Immer das selbe.
Deutschland hat einen Star wie Dirk oder Dennis, der den Ball primär bekommen soll (was jeder Gegner auch weiß) und ohne den wäre sogar die Qualifikation für eine EM fraglich. Seien wir mal ehrlich: hat es bisher mit Dirk auch für etwas gereicht? Nein, und das wird es in Zukunft auch nicht da alle guten Teams wesentlich mehr gute Spieler haben.
Master_of_Darkness 30.08.2017
2.
Zitat von sincereDeutschland hat einen Star wie Dirk oder Dennis, der den Ball primär bekommen soll (was jeder Gegner auch weiß) und ohne den wäre sogar die Qualifikation für eine EM fraglich. Seien wir mal ehrlich: hat es bisher mit Dirk auch für etwas gereicht? Nein, und das wird es in Zukunft auch nicht da alle guten Teams wesentlich mehr gute Spieler haben.
WM-Bronze 2002 EM-Silber 2005 Olympia-Teilnahme 2008 Für Deutschland ganz OK...
stranzjoseffrauss 30.08.2017
3. Paul Zipser und Maxi Kleber für weitere Turniere ausschliessen
Sie sollten sich ein Beispiel an Schröder nehmen und die EM als Vorbereitung nutzen. Jahrelang liessen sie sich für viel Aufwand vom deutschen Basketballbund ausbilden und nun schaffen sie es nicht einmal sich für zwei Wochen ihrer Nationalmannschaft zur Verfügung zu stellen. Dass Dirk Nowitzi seinen Zenit überschritten hat und der Mannschaft eher schadet als hilft ist seit der letzten EM bekannt, zumal er nun auch bei den Mavericks unter Gehaltsverzicht die Motivatorrolle a la Lukas Podolski übernimmt.
rimaldo 30.08.2017
4. zum ersten Mal fachlich gut
Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass die Artikel über Basketball bei SPPON von Leuten geschrieben wurden, die noch niemals Basketball gespielt haben und sich auch nicht dafür interessieren. Da wurden drei Berichte gelesen und zwei Tabellen und irgendwie ein Bericht zusammengeschustert. Dieses Mal merkt man in jedem Satz, dass der Autor richtig drin ist im Thema und Sachverstand hat. Bravo!
giorgii 30.08.2017
5.
"Gegen die Ukraine und Georgien ist Deutschland Favorit, auch den Italienern und Israelis kann das Team Paroli bieten" - was soll das bedeuten? Ist Israel stärker als Georgien? Das finde ich nicht. Und ob Deutschland gegen Georgien Favorit ist, das ist auch nicht unbedingt sicher.
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