Niederlage der deutschen Basketballer Nicht gut genug

War es das schon für Dirk Nowitzkis Team bei der Europameisterschaft? Gegen die Türkei kostet ein katastrophales erstes Viertel die deutschen Basketballer den Sieg. Bundestrainer Fleming kritisiert die Einstellung seiner Spieler.

Point Guard Dennis Schröder enttäuschte im ersten Viertel: "Da muss ich besser sein"
DPA

Point Guard Dennis Schröder enttäuschte im ersten Viertel: "Da muss ich besser sein"

Von und , Berlin


Als die letzte Minute des Spiels begann, gehörte die Arena in Berlin längst den türkischen Fans: "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen", sangen sie aus vollem Hals. Der Sieg ihrer Basketballer stand fest, am Ende hieß es 80:75 (60:43) gegen den Gastgeber. Gegen Deutschland mit den NBA-Stars Dirk Nowitzki und Dennis Schröder. Es dürfte eine lange Nacht werden für die türkischen Fans.

Die Anhänger des DBB-Teams dagegen erlebten einen enttäuschenden Abend. Nach der Pleite muss nun gegen Italien ein Sieg her (Mittwoch, 17.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD). Sonst droht bereits nach der Vorrunde das Aus bei der Europameisterschaft.

Besonders bitter: Auch wenn die Niederlage am Ende recht knapp ausfiel - sie stand bereits früh fest. Ein katastrophaler Start führte dazu, dass die deutsche Mannschaft fast die gesamte Spielzeit einem hohen Rückstand hinterherlaufen musste. 0:9 stand es nach zwei Minuten, 11:31 zum Ende des ersten Viertels.

Die türkischen Fans konnten ihr Glück kaum fassen. Schließlich hatte ihr Team am Sonntag noch eine 77:104-Klatsche gegen Spanien kassiert. Deutschland dagegen hatte Titelfavorit Serbien am Rande einer Niederlage.

Dirk Nowitzki (hier gegen Melih Mahmutoglu): Auch der Führungsspieler konnte die Niederlage nicht verhindern
Getty Images

Dirk Nowitzki (hier gegen Melih Mahmutoglu): Auch der Führungsspieler konnte die Niederlage nicht verhindern

Doch am Dienstagabend sah es aus, als stehe eine andere deutsche Mannschaft auf dem Parkett. In den ersten zehn Minuten wirkten die Spieler, die gegen Serbien noch so mitreißend agiert hatten, lethargisch und nervös. In der Verteidigung waren sie immer einen Schritt zu langsam, im Angriff verloren sie mehrfach den Ball und verfehlten etliche freie Würfe.

Flemings Fatalismus

"Wir waren nicht bereit zu spielen", sagte Bundestrainer Chris Fleming nach der Partie. "Wir waren passiv, Dennis hat den Ball zu lange gehalten und wir haben es den türkischen Werfern leicht gemacht."

Fleming war sichtlich sauer auf seine Mannschaft, obwohl sie in den letzten drei Vierteln gekämpft hatte und die Partie 3:30 Minuten vor dem Ende noch mal spannend machen konnte. Doch der Start war einfach zu schlecht.

Der Bundestrainer hatte alles versucht: zwei frühe Auszeiten, wechselnde Aufstellungen und verschiedene Taktiken in der Verteidigung. Doch es reichte nicht. Auf die Frage, was er noch hätte machen können, antwortete Fleming fatalistisch: "Vielleicht hätten wir das Spiel in den Griff bekommen, wenn ich acht Spieler gleichzeitig auf das Feld geschickt hätte."

Bundestrainer Chris Fleming (Mitte): "Wir waren nicht bereit zu spielen"
AP

Bundestrainer Chris Fleming (Mitte): "Wir waren nicht bereit zu spielen"

Schröder zeigt sich selbstkritisch

Besonders ärgerte den US-Amerikaner, dass sein Team offenbar keine Lehren aus dem Vorbereitungsspiel gegen die Türkei gezogen hatte. Beim Supercup Mitte August in Hamburg hatten die Deutschen in der Halbzeit sogar mit 24 Punkten zurück gelegen, es dann aber noch geschafft, die Partie zu drehen.

"Die Türken haben daraus gelernt, dass sie uns am Anfang attackieren können", sagte Fleming: "Wir haben leider nichts daraus gelernt."

Auch den Führungsspielern Nowitzki und Schröder gelang es nicht, die Niederlage zu verhindern. Aufbauspieler Schröder drehte in der zweiten Halbzeit zwar auf und kam noch auf 24 Punkte. Doch in der entscheidenden Phase im ersten Viertel hatte auch er enttäuscht.

Nach dem Spiel gab sich Schröder selbstkritisch: "Drei Ballverluste in den ersten Minuten darf ich mir als Point Guard nicht erlauben, da muss ich besser sein." Auch dass die zweite Halbzeit deutlich besser war, wollte der 21-Jährige nicht zu seiner Verteidigung anführen. "Wir müssen 40 Minuten so spielen."

Der Bundestrainer machte allerdings klar, dass dafür die Qualität der Mannschaft schlicht nicht ausreicht: "Wir sind nicht gut genug, um 40 Minuten konstant gut zu spielen." Um trotzdem zu gewinnen, müsse zumindest die Einstellung in der Verteidigung stimmen. Und das war im ersten Viertel nicht der Fall.

Nun wird es für Deutschland schwer, das Ziel Viertelfinale zu erreichen. Dies würde die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Rio bedeuten. Aber selbst bei einem Sieg gegen Italien und einem möglichen Weiterkommen als Gruppenvierter droht im Achtelfinale Frankreich - der Titelverteidiger und große Favorit auf den EM-Sieg.

Deutschland: Schröder (24 Punkte), Nowitzki (15), Benzing (13), Lo (7), Pleiß (7), Voigtmann (4), Schaffartzik (3), Giffey (2), Gavel, King, Tadda, Zipser. Türkei: Osman (17 Punkte), Erden (16), Ilyasova (15), Muhammed (15), Güler (11), Mahmutoglu (6), Aldemir, Köksal.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
oberfrange 09.09.2015
1.
Dennis Schröder ist 21, Dirk Nowitzki 37 Jahre alt. Ein Team um eine so widersprüchliche Achse aufzubauen, ist ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Wenn dazu noch der gesetzte Center Pleiß foulbelastet die meiste Zeit des Spiels auf der Bank sitzt und man den falschen eingebürgerten Spieler statt einem Chris Kaman mitnimmt, kommt so was bei raus. Und das bei einem Gegner, den sich der DBB in der Vorrunde explizit gewünscht hat. Hochmut kommt vor dem Fall. Das Erreichen des Achtelfinales wäre ein Wunder, wenn man heute das Spiel Italien-Spanien gesehen hat.
Allgemeinbetrachter 09.09.2015
2. abgeharkt und weiter gehts
Schade, dass es gegen Serbien nicht gereicht hat, dann hätte die Niederlage sicher nicht so drastische Auswirkungen. Mein Trainer würde sagen. "Dumm gelaufen, abschließen und weitermachen". Die Fußballer des DFB Teams haben sich zur EM Quali in den ersten Spielen auch nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben aber später wo es darauf ankahm, alles richtig gemacht. Das müssen die Basketballer des DBB noch lernen. Das ist halt so beim Basketball. Schröder ist übrigens auch noch sehr jung. Ihm fehlt halt noch die Erfahrung. Keine Angst Jung die kommt noch. Nächste Spiel wird besser.
kloppskalli 09.09.2015
3. ...mangelnde Einstellung
Tyrken sind halt von Haus aus mit mehr aggressivitaet ausgestattet.
andromeda793624 09.09.2015
4.
Zitat von AllgemeinbetrachterSchade, dass es gegen Serbien nicht gereicht hat, dann hätte die Niederlage sicher nicht so drastische Auswirkungen. Mein Trainer würde sagen. "Dumm gelaufen, abschließen und weitermachen". Die Fußballer des DFB Teams haben sich zur EM Quali in den ersten Spielen auch nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben aber später wo es darauf ankahm, alles richtig gemacht. Das müssen die Basketballer des DBB noch lernen. Das ist halt so beim Basketball. Schröder ist übrigens auch noch sehr jung. Ihm fehlt halt noch die Erfahrung. Keine Angst Jung die kommt noch. Nächste Spiel wird besser.
Kann man gar nicht vergleichen! Deutschland ist im Fußball eine "Weltmacht" und im Basketball spielen die Deutschen doch eher die 2. oder 3. Geige!
child3k 09.09.2015
5.
Zitat von AllgemeinbetrachterSchade, dass es gegen Serbien nicht gereicht hat, dann hätte die Niederlage sicher nicht so drastische Auswirkungen. Mein Trainer würde sagen. "Dumm gelaufen, abschließen und weitermachen". Die Fußballer des DFB Teams haben sich zur EM Quali in den ersten Spielen auch nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben aber später wo es darauf ankahm, alles richtig gemacht. Das müssen die Basketballer des DBB noch lernen. Das ist halt so beim Basketball. Schröder ist übrigens auch noch sehr jung. Ihm fehlt halt noch die Erfahrung. Keine Angst Jung die kommt noch. Nächste Spiel wird besser.
Ich schaue im Grunde jedes Turnier plus etwas Vorbereitung der deutschen Basketballer. Manchmal ist das leider etwas schwer zu ertragen ... aber meistens kämpft die Mannschaft. Aber - was da gestern im ersten Viertel passiert ist, das darf einfach keiner Profi-Mannschaft, die professionell gecoacht wird passieren. Da hat die ganze Struktur versagt - nicht nur Spieler. Auch der Coach und das restliche Trainerteam. Wobei sowas schon im Spiel gegen Serbien schon absehbar war - auch da hat man früh durch leichte Fehler den möglichen (wenn auch überraschenden) Sieg verspielt. Wenn der Gegner 20 Rebounds hat und davon 11 am Brett der eigenen Mannschaft gesammelt wurden ... naja. Aber: Mit Schröder bleibt die Hoffnung. Mit etwas NBA-Routine wird aus Pleiss auch noch ein "richtiger" Center :P
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