Basketball-EM Griechenland zu stark für Deutschland

Ausgerechnet für das wichtigste Spiel hatte sich das deutsche Basketballnationalteam seinen schlechtesten Tag aufgehoben. Im Finale der Europameisterschaft verlor die junge Mannschaft gegen ein überragendes Griechenland. Für die größte Geste sorgte jedoch ein Deutscher.


Belgrad - Bundestrainer Dirk Bauermann wechselte vier Minuten vor Schluss seinen Superstar Dirk Nowitzki aus und nötigte selbst den mehrheitlich griechischen Fans in Belgrad stehende Ovationen ab. Das freiwillige Spielende Nowitzkis war auch ein Zeichen, dass Bauermann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an einen Sieg seines Teams glaubte. 78:62 gewann Griechenland gegen Deutschland und holte sich im Duell der Überraschungsfinalisten den EM-Titel.

DBB-Star Nowitzki, Bundestrainer Bauermann: Größter Erfolg seit 1993
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DBB-Star Nowitzki, Bundestrainer Bauermann: Größter Erfolg seit 1993

Für das DBB-Team ist die Silbermedaille der größte Erfolg seit dem kontinentalen Titel 1993. Zugleich qualifizierten sich Nowitzki und Co. für die WM 2006 in Japan. Bronze holte Frankreich mit einem 98:68 (44:36)-Sieg über Spanien, das gegen Deutschland im Halbfinale mit 73:74 verloren hatte. Nowitzki wurde anschließend ins Allstar-Team berufen und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Schon zu Beginn wirkte die deutsche Mannschaft ungewohnt überhastet und leistete sich viele Ballverluste. Der Gegner brachte Nowitzki und Co. mit seiner harten Defensive zum Verzweifeln und traf mit der Unterstützung von 8000 frenetischen Fans fast nach Belieben. Die vor der EM verletzt ausgefallenen und eigens für das Endspiel eingeflogenen Ademola Okulaja, Stefano Garris und Steffen Hamann mussten im zweiten Viertel miterleben, wie die Griechen ihren Vorsprung kontinuierlich auf 37:26 (18.) ausbauten, ehe Nowitzki mit der Halbzeit-Sirene per Dreier auf 32:39 verkürzte.

Mit Beginn der zweiten Hälfte setzte sich das Bild fort. Ballverluste, verlegte Korbleger, unnötige Fouls - nicht viel lief zusammen für die Deutschen, die ihrerseits in den Spielen gegen Spanien (Halbfinale) und Slowenien (Viertelfinale) mit hoher Trefferquote und starker Verteidigung überzeugt hatten. Die Griechen vergrößerten den Vorsprung nicht zuletzt durch erfolgreiche Distanzwürfe bis zur 23. Minute auf 14 Punkte (50:36).

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EM-Finale: Fliegen mit geschlossenen Augen

In Offensive und Abwehr fand die DBB-Auswahl keinen Rhythmus, weil sie den Griechen unter anderem unter dem eigenen Korb zu viele Rebounds gestattete. Die deutschen Korbjäger stemmten sich zwar gegen die drohende Niederlage. Aber egal, was sie auch versuchten, die Griechen hatten stets eine Antwort parat und hielten die DBB-Auswahl auf Distanz. 44:61 lautete der Rückstand nach 29 Minuten.

Nach sieben kraftraubenden Spielen in zehn Tagen fehlte es der deutschen Mannschaft an Konzentration, aber auch am nötigen Glück, um das Blatt im letzten Viertel zu wenden. Während die Griechen den Triumph nach der Schluss-Sirene mit ihren Fans ausgelassen feierten, blieb der deutschen Mannschaft bei der Siegerehrung der anerkennende Applaus für eine beeindruckende Turnierleistung. Bester deutscher Werfer war Nowitzki mit 23 Punkten vor Patrick Femerling (11). Die Griechen hatten in Theodoros Papaloukas mit 22 Zählern ihren herausragenden Schützen.



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