Miami-Star LeBron James Heute ein König

Er ist der Meisterspieler der Meistermannschaft: LeBron James. Der Superstar, Spitzname "King", führte die Miami Heat zum erneuten NBA-Titel. Für den Titelverteidiger war es die Krönung eines unglaublichen Comebacks - für James aber nur ein weiterer Schritt zu einem anderen großen Ziel.

Final-MVP James: Steigerte sich, als es drauf ankam
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Final-MVP James: Steigerte sich, als es drauf ankam

Aus Miami berichtet Marcel Friederich


"Mir fehlen echt die Worte, ich kann das noch gar nicht fassen. Jetzt brauche ich erst mal einen Schluck Champagner", sagte LeBron James, als er nach der Übergabe der Meistertrophäe auf dem Weg in die Kabine war. Dort angekommen, bekamen James und seine Mitspieler der Miami Heat die gewünschten Champagnerflaschen gereicht. In gewohnter Formel-1-Manier wurde jedoch kaum getrunken, sondern umhergespritzt.

Die Stimmung war ausgelassen, schließlich hatten die Heat nach einem dramatischen siebten Spiel gerade ihren zweiten Meistertitel in Folge gefeiert - und damit auch den Ruf ihres Superstars gerettet.

Als die Schaumweindusche beendet war und die Heat-Kabine einem alkoholischen Schwimmbad glich, wurde James zur obligatorischen Pressekonferenz gelotst. Körperlich sichtlich erschöpft, aber mit einem Lächeln im Gesicht setzte er sich auf das Podium. Auf dem Tisch davor standen gleich zwei Pokale: die Larry-O'Brien-Meistertrophäe sowie die MVP-Trophäe für den wertvollsten Spieler der Finalserie. Auch diese hatte James schon im Vorjahr erhalten. "Das ist ein unglaublich schöner Moment - für unser Team und für mich persönlich", sagte der 28-Jährige mit funkelnden Augen.

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NBA-Finalserie: King James
Es hätte allerdings ganz anders kommen können. Besonders, wenn Tim Duncan, Center der gegnerischen San Antonio Spurs, eine knappe Minute vor dem Schlusspfiff ein ruhigeres Händchen gehabt hätte. Zu diesem Zeitpunkt führte Miami ganz knapp 90:88, als Duncan gegen den deutlich kleineren Heat-Verteidiger Shane Battier zum Wurf kam. Eigentlich ein sicherer Treffer. Doch Duncan versagten die Nerven. Sein Wurf ging daneben. Und San Antonios bittere Finalniederlage war besiegelt.

"In dieser wahnsinnig spannenden Serie gab es mehrere Momente, in denen wir kurz vor dem Aus standen", sagte James und erinnerte an das sechste Finalspiel. Ray Allen hatte fünf Sekunden vor dem Schlusspfiff einen überlebenswichtigen Dreier getroffen und Miami in die Verlängerung gerettet. "Genau aus diesem Grund ist es nun umso süßer, dass wir den Titel doch gewonnen haben", sagte James.

Während der Finalserie zeigte der Forward zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Zu Beginn hatte James große Probleme, seinen offensiven Rhythmus zu finden. So erzielte er in den ersten drei Partien lediglich 16,6 Punkte im Schnitt. Als die Kritik immer größer wurde, schaltete James gleich zwei bis drei Gänge nach oben. Und verdoppelte fast seine Quote in den folgenden Spielen auf 31,2 Punkte im Schnitt. Im entscheidenden siebten Spiel waren es gar 37 Zähler, 22 davon in der zweiten Halbzeit. "Große Spieler zeigen in großen Spielen ihre beste Leistung", sagte Heat-Coach Erik Spoelstra. "Heute hat LeBron eindrucksvoll bewiesen, dass er zweifelsfrei zu dieser Sorte gehört."

Nach der Dallas-Pleite einer Lachnummer

Im Sommer 2010 hatte LeBron James seinen Wechsel von den Cleveland Cavaliers nach Miami verkündet. Besser gesagt: Er hat diesen Wechsel zelebriert. Mit einer eigenen TV-Sondersendung und einer spektakulären Präsentation in Miamis vollbesetzter Halle. Dabei kündigte er an, mit den Heat eine Vielzahl an Titeln zu gewinnen - "nicht fünf, nicht sechs, nicht sieben", wie er damals im Überschwang sagte. Als Miami in den Finals 2011 an den Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki scheiterte und James dabei teils klägliche Leistungen zeigte, galt der Flügelspieler als Lachnummer der Nation.

Doch James trotzte allen Kritikern, arbeitete härter denn je an seinen Fähigkeiten. Und führte sein Team 2012 zur ersten Meisterschaft gegen die Oklahoma City Thunder. "Ich dachte, dass dies die schwierigste Aufgabe gewesen sei, die ich jemals in meiner Karriere gelöst habe", sagte James. "Doch ich muss zugeben: Die jetzige Finalserie gegen die Spurs war noch mal härter und schwieriger."

Zweimal in Folge die Meisterschaft zu gewinnen und dabei jeweils zum wertvollsten Spieler ernannt zu werden - das haben vor James nur Michael Jordan, Hakeem Olajuwon, Shaquille O'Neal und Kobe Bryant geschafft. Allerdings haben Legenden wie Bill Russell (11), Jordan (6) oder Magic Johnson (5) noch deutlich mehr Meisterschaften auf dem Konto.

Als James gefragt wurde, was nun seine Ziele für die Zukunft seien, stockte er zunächst ein wenig. Dann sagte er: "Erstens will ich junge Menschen weiter inspirieren, wegen mir zum Basketball zu greifen. Zweitens will ich meine Teamkollegen weiter führen und ihnen Selbstvertrauen geben. Und drittens will ich - wenn auch vielleicht nicht der größte, aber einer der größten Basketballer der Geschichte werden." Mit seinem zweiten Titel in der Tasche ist James auf dem besten Wege dorthin.

insgesamt 8 Beiträge
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trick66 21.06.2013
1. Schiedsrichter/NBA
Schade für die Spurs, sie wurden in Spiel 6 am Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung verpfiffen. So konnte sich mit Hilfe der NBA doch noch der Superstar gegen das bessere Team durchsetzten.
Holbirn 21.06.2013
2. .
Der eher etwas schlaffe Artikel würde bestimmt mehr hermachen, wenn man sich in Deutschland für die Sportart interessieren würde.
fritzyoski 21.06.2013
3. Verlierer
Zitat von trick66Schade für die Spurs, sie wurden in Spiel 6 am Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung verpfiffen. So konnte sich mit Hilfe der NBA doch noch der Superstar gegen das bessere Team durchsetzten.
Klar, wenn man verliert ist der Schiri schuld, wer sonst?
newscomer 21.06.2013
4.
Ich habe alle Spiele live gesehen. Dabei ist mir keine Benachteiligung in Spiel 6 aufgefallen. Aber zugegeben es war ja auch schon spät bzw früh. Wenn Sie mir die Szenen nennen schaue ich es mir gerne nochmal an und achte darauf. Ansonsten freue ich mich über eine klasse Serie und über den Titel für die Heats.
ricard68 21.06.2013
5. Unsympathieträger
Tja leider hat das unsympathische Team mit Ihrem unsympatischen Superstar gewonnen, Hauptgrund meines Erachtens die beiden letzten Spiele die Heimvorteilspiele der Heat waren. Summa summarum die bessere Mannschaft waren über die Serie die Spurs, hätte es dem alten Haudegen Duncan auch nochmal gegönnt. Ich kann jetzt nur hoffen, dass in diesem Sommer irgendwo eine Mannschaft gezimmert wird, gegen die diese Miami Heat nix ausrichten können. Noch einen Titel bei denen ertrag ich echt nich, sry LBJ, aber das liegt hauptsächlich an Deiner Art...
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