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17. Juni 2018, 10:19 Uhr

Basketball-Meister FC Bayern

Belohntes Risiko

Aus München berichtet

Als Tabellenführer warf der FC Bayern den Trainer raus. Eine kuriose Aktion, doch nach der Meisterschaft ist die Welt bei Münchens Basketballern in Ordnung. Droht nun eine ähnliche Dominanz wie im Fußball?

Eine Stunde nach dem Sieg will der Trainer von Bayern Münchens Basketballern nur den Moment genießen. Wann er denn über seine Zukunft sprechen wolle, wird Dejan Radonjic gefragt. Der Montenegriner, der erst im April die Mannschaft übernahm und dessen Vertrag eigentlich ausläuft, lächelt zufrieden: "Nicht heute", sagt er. "Nicht heute."

Natürlich sollte der 48-Jährige seinen Job im Normalfall behalten. Dass er an diesem Abend mit den Bayern die Deutsche Meisterschaft feiert, hat aber eine kuriose Vorgeschichte. Sein Vorgänger Aleksandar Djordjevic wurde wenige Wochen vor Saisonende entlassen. Nicht etwa in einer Krise, sondern obwohl er mit seinem Team an der Spitze der Bundesliga stand.

Die Vereinsführung war dennoch unzufrieden, mit der Entwicklung der Mannschaft und mit der Kommunikation des Ex-Coaches. Also kam es zu dem riskanten Wechsel, der am Samstag mit dem zweiten Titel der Saison belohnt wurde. Die Bayern haben das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg also doch noch - im Basketball.

Der 106:85-Sieg beendete eine spektakuläre Serie gegen Alba Berlin. Beide Teams demonstrierten, wie rasant sich der Basketball in Deutschland entwickelt hat. Und obwohl die Bayern Alba im entscheidenden fünften Spiel kaum eine Chance ließen, ist eine ähnlich erdrückende Dominanz wie im Fußball nicht zu erwarten.

Das liegt vor allem an den Berlinern. Der Klub, der bis 2008 Meisterschaften in Serie feierte, ist wieder da. Dank erfolgreicher Jugendarbeit - der Alba-Nachwuchs ist Deutscher Meister in der U14, U16 und U19 - und dank eines 71-Jährigen.

"Einer der besten Trainer Europas"

Cheftrainer Aíto García Reneses übernahm die Berliner im vergangenen Sommer. Er ist eine Legende im spanischen Basketball, gewann neunmal die spanische Meisterschaft, führte die Nationalmannschaft 2008 in Peking zu Olympia-Silber und bildete NBA-Spieler wie Pau Gasol, Ricky Rubio und Kristaps Porzingis aus.

Vor allem die Fähigkeit, junge Spieler auf europäisches Top-Niveau zu bringen, haben die Alba-Verantwortlichen dringend gesucht. Denn beim Etat liegen sie deutlich hinter den Münchnern, auch der langjährige Titelverteidiger Bamberg hat viel mehr Geld zur Verfügung.

"Vor der Saison hat kaum jemand geglaubt, dass Alba es ins Finale schaffen würde", sagte Bayerns Trainer Radonjic nach dem Spiel. "Aíto ist einer der besten Trainer Europas, ich habe großen Respekt vor ihm."

Der 71-jährige Spanier gab das Lob wenig später zurück: "Bayern war heute sehr stark, sie haben es uns mit ihrer Verteidigung schwer gemacht und im Angriff gut zusammengespielt." 29 Assists der Münchner, also Vorlagen zu direkten Korberfolgen, unterstreichen Aítos Analyse.

Bayern droht Doppelbelastung

Albas Verantwortliche betonen, wie massiv der Spanier auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzt. In den kommenden Jahren wollen die Berliner weitere Jugendspieler zu den Profis hochziehen. Das zu tun und trotzdem viele Spiele zu gewinnen, ist für einen Trainer schwieriger, als Profis von US-Colleges oder anderen europäischen Top-Klubs zu verpflichten. Für die Identifikation der Fans mit der Mannschaft ist es aber enorm wertvoll. Der Trainer lässt die Berliner zudem hoffen, dass Leistungsträger wie Luke Sikma, der als wertvollster Spieler der Hauptrunde ausgezeichnet wurde, und Aufbauspieler Peyton Siva auch in der kommenden Saison für Alba spielen.

Und noch etwas spricht gegen eine Bayern-Dominanz: Die Münchner spielen in der kommenden Saison in der EuroLeague. Es ist die Champions League im Basketball, das Beste, was es auf europäischer Bühne gibt. Aber der Wettbewerb wird als Liga ausgetragen, die Bayern müssen hier mindestens 30 Spiele absolvieren, zusätzlich zu den Bundesliga-Partien, verbunden mit langen Reisen.

Wie sehr diese Doppelbelastung einer Mannschaft schaden kann, hat Bamberg in dieser Saison erlebt. Als Top-Favorit mit dem größten Etat gestartet, verlor der Klub viele Spiele und musste zeitweise gar um die Playoffs zittern. Im Halbfinale war Bamberg dann gegen München chancenlos. Wie die Bayern hatten sie noch vor dem Ende der Hauptrunde ihren Trainer herausgeworfen. Doch hier blieb der Wechsel ohne Erfolg.

Hauptsponsor Brose will künftig zwar weniger Geld in den Klub stecken. Dennoch werden auch die Bamberger alles daran setzen, einen Serienmeister Bayern München zu verhindern.

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