Basketball-Mythos Bayreuth Steiniger Weg

Steiner Bayreuth ist ein Mythos im deutschen Basketball. Ein Team aus der Provinz, das binnen kurzer Zeit das Bundesliga-Establishment aufmischte. "FIVE"-Autor Jörg Bähren erklärt im zweiten Teil der Serie, wie Bayreuth endlich die Meisterschaft gewann - und warum es die einzige blieb.


Dies ist der zweite Teil der "FIVE"-Serie über Steiner Bayreuth. Für den ersten Teil klicken Sie hier.

Mit nahezu identischem Kader starten Michael Koch und Co. in die Saison 1988/1989. Allerdings mit einem – so wird es in jenem Sommer neu eingeführt – weiteren ausländischen Spieler in den eigenen Reihen. Aufbauspieler Alvin "Bo" Dukes läuft fortan in den Bayreuther Farben auf und avanciert bei gerade einmal 1,68 Meter Körperlänge durch Herz, Verstand und dem Hang zum Spektakulären zum absoluten Publikumsliebling. Unter seiner Führung stürmt die Mannschaft durch die reguläre Saison. Im Pokalfinale gewinnt Bayreuth klar 89:67 gegen Leverkusen – obwohl Dukes nur zuschauen darf. Um Chancengleichheit innerhalb der Liga zu wahren, darf jeweils nur ein Ausländer eingesetzt werden. Und das ist im Falle von Steiner ein spindeldürrer Forward namens Calvin Oldham.

Bayreuther Profi Eford (l.): Das Sponsoreninteresse blieb aus
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Bayreuther Profi Eford (l.): Das Sponsoreninteresse blieb aus

Statt Dukes muss Uwe Sauer im Aufbau ran. Nur logisch, dass die Süddeutschen bei gleicher Paarung in der späteren Finalserie klar favorisiert sind. Doch Leverkusen schnappt sich mit zwei Arbeitssiegen die ersten beiden Spiele. Drei Matchbälle gilt es für Bayreuth abzuwehren. "Nach den beiden Niederlagen hat niemand mehr einen Pfifferling auf uns gegeben", denkt Michael Koch zurück. "Nach dem Pokalsieg dieses Tal durchschreiten zu müssen, war für uns alle sehr hart." Doch Bayreuth schlägt zurück und findet vor heimischem Publikum in der mit 4200 Zuschauern ausverkauften Oberfrankenhalle durch einen 83:75-Sieg den Anschluss. "Die Serie war ungemein eng, wir haben uns nichts geschenkt", so Koch. In der Tat – und es wird auch mit harten Bandagen gekämpft. Koch selbst muss früher vom Parkett als geplant. Nach einem Schlag aufs Auge wird er mit drei Stichen genäht und ist trotzdem im vierten Spiel wieder dabei.

Der Glaube an sich selbst ist zurückgekehrt - und Steiner triumphiert auch in den beiden weiteren Spielen der Best-of-five-Serie. Nach insgesamt fünf packenden Partien ist Bayreuth endlich ganz oben angelangt, hat sich nicht nur die Krone des deutschen Basketballs aufgesetzt, sondern das Double geholt.

Mit den internationalen Auftritten in der Europaliga vor Augen wird in der Folge personell umstrukturiert. Alteingesessene Spieler werden aussortiert, Top-Stars wie Hansi Gnad kommen an Bord. Nur: Geld wirft eben keine Körbe. Das Europa-Konzept geht vorn und hinten nicht auf. Einzig die Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung der deutschen Meisterschaft bleibt. Aber auch da zeigen sich die Leverkusener diesmal stärker und holen 1989/1990 den ersten von insgesamt sieben Titeln in Folge. Für Bayreuth bleibt nur die Erkenntnis, dass ein Neuanfang her muss.

Ikonen wie Dukes oder Oldham, aber auch Coach Habegger müssen ihre Lohnkarten abgeben, werden nach einem verheerenden Saisonstart jedoch schnell wieder an Bord geholt. Zwar wird die Spielzeit noch versöhnlich mit einer Halbfinalteilnahme beendet, doch machen sich durch die vielen personellen Wechsel sowie die Europaliga-Teilnahme große Löcher im Vereinsetat bemerkbar. "Für uns war es eine schwere Situation", sagt Horst Steiner. "Obwohl Basketball zu der Zeit in Bayreuth hinter Fußball die beliebteste Sportart war, blieb das Sponsoreninteresse aus."

Horst Steiner selbst vollzieht 1990 ebenfalls einen beruflichen Wandel, da seine Kanzlei nach der Wende drei weitere Büros in den neuen Bundesländern eröffnet. "Dadurch hatte ich keine Zeit mehr, um mich noch im notwendigen Rahmen um die Geschäfte des Vereins zu kümmern." Das Amt gibt er an seinen Bruder und bisherigen Vizepräsidenten Carl ab. Doch die wirtschaftliche – und damit auch sportliche – Tendenz ist klar. Um den Club am Leben zu erhalten, muss ein Sparkurs eingeschlagen werden. Nach einem Zwischenstopp in der zweiten Liga kehrt Steiner 1993/1994 ins Oberhaus zurück und weiß auch als Außenseiter immer mal wieder für eine Überraschung zu sorgen. Mehr aber auch nicht.

Der Verein peilt die Rückkehr in die BBL an

Vor der Saison 1997/1998 zieht sich Carl Steiner als Präsident und seine Firma als Namensgeber zurück. Nur eine Spielzeit später folgt der sportliche Abstieg in die zweite Liga. Dort mausert sich der Verein bis zum heutigen Tage zu einem starken Gegner und peilt mit gut gewachsenen Strukturen in der laufenden ProA-Saison die Rückkehr in die BBL an. Das Sponsorengerüst ist breiter als früher, und auch auf gestandene Kräfte wird wieder gezählt. Letzteres hat sich schon einmal als besonders wertvoll erwiesen. Und auch wenn das mittlerweile 20 lange Jahre her ist – in Vergessenheit geraten ist es nicht.

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